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Gibt es ein Leben ohne Benzin? (Maxim 12/05 )
Irgendwann geht uns das Öl aus. Dazu kommen Spritpreise auf Rekordniveau. Es ist höchste Zeit, ernsthaft über die Zukunft auf unseren Straßen nachzudenken. Ein Überblick über alternative Antriebsarten.
 

Zielerreichungsgrad. Ein schönes Wort, eine wunderbare Sache. Auf seiner Mission, abendländisches Demokratieverständnis zu verbreiten, lädt der amerikanische Präsident in den Irak. Dass die Bush-Männer dabei noch eine geregelte Zufuhr von billigem Rohöl sicherstellen wollen, bitteschön. Klassenziel erreicht? An den Zapfsäulen explodierten die Preise (in Bagdad die Menschen), der Ruf „Weg vom Benzin!“ wird immer lauter. Forscht man allerdings bei Toyota in Sachen Zielerreichung bei alternative Antrieben nach, steht im Zeugnis: Graduiert. Mit Auszeichnung.
Dem RX 400h, einem SUV aus der hauseigenen Luxusschmiede Lexus, implantierten die Ingenieure die so genannte Hybrid-Technologie. Spritpreise auf Rekordniveau flankieren kostenlos jeden Werbefeldzug für ein Aggregat, dass gerade im hektischen Stadtverkehr deutlich weniger Treibstoff nuckelt, als herkömmliche Motoren der durstigen Art.

Was steht nun hinter dieser Technologie, was sind eigentlich „Hybriden“? Die griechische Mythologie beschreibt sie als fabelhafte Mischwesen, herkömmliche Botanik weist sie schlicht als Bastarde aus. Otto goes Elektro – damit ist das Grundprinzip eigentlich schon erklärt. Ein herkömmlicher Benzinmotor teilt sich die Arbeit mit einem Elektroantrieb. Wirklich neu ist diese Idee nicht, schon im Zweiten Weltkrieg war die deutsche U-Boot Flotte hybrid unterwegs. Deutsche Autobauer versuchten sich seit den 90er Jahren immer wieder mit Prototypen, eine flächendeckende Markteinführung scheiterte aber stets an zu hohen Kosten und Problemen bei den Batterien. Wie es geht, machen die Japaner vor. Die Innereien des RX 400h sind unter anderem ein komplexes Gefüge aus Zahnrädern, die sich beeilen, die Kraft dreier Motoren effizient an die Achsen zu übertragen, vorne werkelt exklusiv der Benziner, gegebenenfalls unterstützt von den beiden Elektromotoren, die wiederum ausschließlich das Heck antreiben. Der Clou liegt in der Aufgabenverteilung: Beschleunigt wird elektrisch, dort wo für gewöhnlich viel Sprit verbrannt wird. Denn der E-Booster hat aus dem Stand das maximale Drehmoment. Und: Der Elektrogehilfe sammelt das, was er an Power abgibt, so gleich wieder auf – nach dem Dynamoprinzip wird die beim Bremsen entstandene kinetische Energie per Generator zurück in Strom verwandelt – also gleich an der nächsten Ampel. In freier Wildbahn regelt ein Steuergerät – der Inverter – das Zusammenspiel der beiden Antriebe.

Ist Hybrid gleich Hybrid? Mitnichten, die Bastarde sind auch noch alle unterschiedlich. Man differenziert in „Mild“ und „Micro“ Hybriden, bei beiden ist der reine Elektrobetrieb unmöglich. Und selbst ein Voll-Hybrid wie der Lexus kennt noch Artverwandte, der Audi Q7 kommt mit nur einem E-Werk aus, die neue S-Klasse aus Untertürkheim hat wiederum derer zwei, die sogar bei komplett abgeschaltetem Benziner oder Diesel Fahrt machen.

Brennt Stoff

Alternative Antriebe von morgen, italienische Mediziner von gestern, passt das zusammen? Luigi Calvani lebte im 18. Jahrhundert. und war Arzt. Beim Foltern von Froschschenkeln offenbarte sich dem experimentierfreudigen Akademiker Interessantes: Jagt man Elektrizität durch einen Muskel, dann beginnt er zu zucken, das (galvanische) Prinzip der elektrochemischen Zelle war geboren. Und diesen Weg schritten die Entwickler der Brennstoffzelle konsequent fort – beim komplexen Zusammenspiel von Sauerstoff und Wasserstoff entsteht nach einer Reihe chemischer Reaktionen Strom. Jetzt muss zum Antrieb ein Elektromotor die elektrische in mechanische Energie umwandeln und der Wagen rollt. Gespeist wird die Brennstoffzelle je nach Hersteller mit gasförmigem oder flüssigem Wasserstoff. Die Vorreiter kommen erneut aus dem Morgenland. Die Tüftler von Honda haben nicht nur den so genannten Brennstoffzellenstack auf wenige Elemente erleichtert, das Problem des schon bei minus 5 Grad frierenden Wasserstoff in den Griff bekommen, sondern auch gleich die praktische Tanklösung entwickelt: Wer ans Erdgasnetz angenabelt ist, der kann mittels eines Wandlers (Reformer) Wasserstoff erzeugen. Ein Refiner reinigt ihn, ein Kompressor setzt ihn unter Druck, ein Tank speichert ihn – Sie zapfen zu Hause. Bei einem Pilotprojekt in Kalifornien funktioniert das schon.

Wasser marsch ...

In Bayern ticken die Uhren oftmals anders. Auch in den Motorenwerken? Bei BMW geht man in Sachen Alternative Antriebe viele Wege, einer hingegen scheint konsequent different. Auf dem heißt das Motorprinzip weiterhin Otto, nur verbrennen soll er etwas neues. Nämlich Aqua. Beim Prototypen H2R hat das schon einmal funktioniert, dort kochen immerhin 285 Pferde nur mit Wasser – und stellten eine Reihe von Höchstleistungen auf. Was steckt hinter dem Wasser-Werk? Der 12 Zylinder des 760i, dessen Motorsteuerung Dank einer komplexen Einspritz- und Gemischbildungstechnik auf den neuen Betriebsstoff optimiert wird. Damit gelingt den Münchner Autobauern ein interessanter Spagat – die eher zum Spurten neigende BMW Klientel muss dem gewohnten Geschwindigkeitsrausch kein Tribut zollen, gleichzeitig bekommt ihr Fahrverhalten noch einen Grünen Punkt, bei reinem Wasserstoffbetrieb geht die CO2 Emissionen gegen Null. Weil das Netz mit Tankmöglichkeiten derzeit eher großmaschig ist, wird beispielsweise die 7er Reihe in der Einführungsphase mit bivalentem Antrieb kommen, dem Flaggschiff wird sowohl ein Tank für flüssigen Wasserstoff als auch einer für Benzin eingepflanzt. Ach ja, so schnell BMWs Alternativ-Armada auch unterwegs sein mag, der Boxenstopp ist nur etwas für Geduldige – bis zu acht Minuten dauert das Rendevous an der Zapfsäule

Gib Gas

Im Unterschied zu den anderen alternativen Antrieben, hat der Einsatz von gasbefeuerten Motoren längst Serienreife erreicht. Bald 1000 Tankstellen bieten mittlerweile Zapfmöglichkeiten. Doch ist Gas nicht gleich Gas. Man unterscheidet zwischen Autogas (Liquified Petroleum Gas, lies: Bhutan-Propan Gemisch) und Flüssiggas (Compressed Natural Gas, lies: Erdgas). Beide Alternativen haben derzeit auf deutschen Straßen in etwa den gleichen Durchsetzungsgrad. Der entscheidende Vorteil von Flüssiggas: Reichweite. Prinzipiell kann man mit jedem Benziner Gas geben, im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Zusatztank für Gas, eine veränderte Einspritzanlage, schon ist Ihr Mobil billig (weil steuerbegünstigt) und schadstoffarm auf der Straße. Die höhere Oktanzahl sorgt für höher verdichteten Treibstoff und führt so zu einem hohen Wirkungsgrad. Anders ausgedrückt: Der Energiegehalt von 1 Kilo CNG entspricht 1.5 Kilo Benzin. Die Umrüstung ist allerdings teuer – und fällt flach, wenn man sich von vornherein für einen Neuwagen mit dualer Kraftstoffoption entscheidet. So bietet Volvo seine Modelle S60, V70, S80 mit Bi-Fuel Motoren an, Benzin schaltet sich immer dann hinzu, wenn das Gas auf Sparflamme geht.

Mit Strom

Peugeot hatte eine Vision. Sie hieß TULIP oder "Transport Urban Libre Indivdual et Public", frei übersetzt etwa: "Vereinigung öffentlichen und Individuellen Verkehrs von Menschen". Aus der Version wurde ein zweisitziges Elektromobil, das entfernt an den heutigen Smart erinnert. Das Scheitern ließ nicht lange auf sich warten, Car Sharing in Autos, dessen Laufleistung und Komfort in etwa dem eines Golf Cart entsprach, kollidierte mit dem Zeitgeist. Das war 1995. Zehn Jahre später lebt zumindest die Technologie weiter: Fahrvergnügen aus der Steckdose. Mitsubishi macht es vor. Deren Lancer Evolution MIEV scheint eines der Kardinalprobleme in den Griff bekommen zu haben: Kondition. Kaum aus der Parkgarage, ging den Elektroiden früher schnell die Puste aus. Dank neuer, potenter Litium-Ionen Batterien schafft es der Lancer auf immerhin 250 Kilometern. Vier radintegrierte, 68 PS starke Elektromotoren sorgen für eine flotte Gangart. Und für eine kleine Revolution, denn im Gegensatz zu den üblichen E-Werken, wird die Triebkraft beim „permanentmagnetischen Synchronmotor“ nicht innen erzeugt, sondern durch den Außenring übernommen, Bremse und Motor entstehen so als eine Baueinheit, das spart Gewicht und erhöht den Wirkungsgrad des Antriebs. Sind die Japaner damit allein auf weiter Flur? Es scheint so, sieht man einmal von Volvos Concept Car 3CC ab.

Daniel Düsentrieb


Motoren verbrennen seit 120 Jahren, dampfen tun sie schon viel länger. In China wurde 1688 Ferdinand Verbiest, ein belgischer Jesuitenpater vorstellig – im Gepäck ein dreirädriger Dampfwagen. Bedingt serienreif, aber immerhin. Englische Tüftler wollen nun das Dampfprinzip revolutioniert haben. Schall und Rauch? „Inspiration“ heißt ihr Versuchsvehikel, hinter dem Fahrersitz lugen eine Reihe von Boilern, die das auf knapp 400 Grad erhitze Wasser per hydraulisch geregelte Düsen in eine Turbine jagt – 300 PS machen dann richtig nicht nur richtig Dampf, sondern auch einen Höllenlärm. Befeuert wird der Dampfer mit allem was brennt – Kohle, Gas, aber auch Kuhfladen oder alte Pelzmäntel, der Umwelt zu Liebe. Inspiration suchten auch bayrische Bastler – und fanden sie in der Kühltruhe. „N-Gine“ heißt ihr Projekt und wartet mit einer sensationellen Neuerung auf: Beim Fahren wird der Motor kalt. Eiskalt. „N“ steht für Stickstoff und um den zu nutzen, kühlt man ihn ab. Auf minus 197, schon wird er flüssig und passt in den Tank. Da dehnt er sich Dank der wärmeren Umgebung aus und die dabei freigesetzte Energie wird wie bei einem Druckluftmotor (Pressluftprinzip) in Rotation umgewandelt. Der pneumatische Antrieb beeindruckt, das volle Drehmoment aus dem Stand, ein Getriebe wird überflüssig, was (noch) fehlt sind Reichweiten.
Die hätte der Nucleon reichlich gehabt. Bis zu 8000 Kilometer ohne Auftanken. Warum er dennoch nur ein „Concept Car“ blieb? 1958 wertete das Ford Labor die avisierte Technik wohl als nicht ganz ausgereift – wohl nicht ohne Grund, das Versuchsfahrzeug war ein rasender Mini-Kernkraftreaktor. Die Vorstellung mit einer Ladung Brennstäbe im Kofferraum zum Picknick zu fahren, schreckte anscheinend auch hartgesottene Atomkraftbefürworter. Für die Fahrt ins Grüne und für Grün bietet sich eher das umweltfreundliche Solarmobil an. Akkumulatoren „sammeln“ das Sonnenlicht und wandeln es in elektrische Energie um. Leider herrscht bisher immer noch strenges Nachtfahrverbot.