So ein Mist! Gerade hatte ich
einmal so richtig die Sau, pardon, die 286
Pferdchen im Gelände rausgelassen. Hatte gerade
versucht, den Beweis anzutreten, ob dieses Vehikel zu
Recht den Beinamen "activity" in seiner Fahrzeugbeschreibung
führen darf. Hatte mich mit einer solchen Hingabe
durch das Unterholz manövriert, dass der Teint
meines Beifahrers von dem eines Airbags nicht mehr zu
unterscheiden war. Und beim flotten Ausritt im Gelände
fast den Streckenposten übersehen, der gestenreich
bedeutet, dass man schnellstmöglich die Geschwindigkeit
auf null reduziert. Gezeigt, getan - ein kurzer Tritt
und zwei Tonnen Auto finden auch auf rutschigem Untergrund
griffig in den Stand. Keine Sekunde zu spät, denn
vor uns neigt sich das Terrain nun im 45 Grad Winkel.
Nach unten.
"Bitte drücken Sie jetzt die HDC Taste und
nehmen Fuß von Gas und Bremse." Ich blicke
etwas desorientiert im Cockpit umher, bevor ich dann
den unscheinbaren Schalter unterhalb des Radio/Satellitennavigationsdisplays
entdecke. "Hill Decent Control", frei übersetzt
Bergautopilot, nennt sich diese Funktion und gehört
zu der vielseitigen Familie der aktiven Sicherheitssystemen,
die die BMW Ingenieure ihrem ersten "Sports Activity
Vehicle" spendierten. Zusammen mit DBD, CBC und
ASC-X gleichermaßen verwirrende Buchstabensuppe
und der Grund, warum Fahrzeug und Fahrer nach zwei Tagen
Testfahren keine Schäden meldeten.
Willkommen im postolympischen Atlanta, in das der bayrische
Automobilhersteller bat, um den X5 einem ausgewählten
Kreis von "Lifestyle-Journalisten" vorzustellen.
Die Kollegen der Autopresse hatten bereits probiert
und ihre Artikel geschrieben - das ist gut, denn so
kann man die technische Eindrücke abschreiben und
sich auf das Wesentliche konzentrieren. Auf Optik -
Impalabraun wird sich nicht durchsetzen, Eisblaumetallic
im Dialog mit schwarzem Interieur hingegen ist ein Traum!
Auf Komfort - kürzer als ein 5er, breiter als ein
7er, bequemer als beide zusammen! Selbst mein Beifahrer
mit 1.95m und Pepitahütchen dockte auch bei ruppiger
Gangart nicht am Dach an. Auf Befrachtung - die ursprünglichen
455 Liter des Kofferraums lassen sich nach Umklappen
der hinteren Sitzreihe auf großzügige 1500
Liter Staufläche erweitern, genug Platz für
kleinere Surfboards und größere Golfbags,
wenig Platz für eine Übernachtung. Dazu muss
man dann in den Wohnwagen ausweichen. Oder in die Motoryacht.
Zwar gibt es die nicht serienmäßig, auch
nicht als Extra, aber die 4.4 l Maschine mit seinen
acht Zylindern sorgen für ein enormen Drehmoment
und machen den X5 zum perfekten Lasttier für Anhängsel
bis zu 2.7 Tonnen. Sagen die Ingenieure. Denn natürlich
sind wir nicht wirklich mit Anhängern durch das
herbstliche Georgia gereist.
Der X5 ist groß, stark und sieht gut aus. Er
hinterläßt im Gelände wie auch auf der
Rennstrecke einen hervorragenden Eindruck. Gibt es wirklich
nichts negatives über die jüngste BMW-Kreation
zu vermelden? Eigentlich nicht - außer vielleicht,
dass bei einem Preis nördlich der hunderttausender
Marke für den Achtzylinder ich und viele meiner
begeisterten Kollegen aussteigen müssen. |