Darf es ein Pferd mehr sein?
Die italienische Rösser ... pardon, Edelkarosserieschmiede ließ sich
nicht lange lumpen und spannte gleich das, was normalerweise
ausreicht, einen japanischen Kleinwagen zu bewegen,
zusätzlich unter die Haube: Mit 60 PS extra ist
der Murcielago nach wie vor der stärkste Stier
im Lamborghini Stall. Die Typenbezeichnung LP640 kündet
dann auch ganz bescheiden davon, dass das Rind nunmehr
mit schnellen 640 Pferdestärken unterwegs sein
wird. LP steht für „longitudinale posterior“,
zu Deutsch: Das bullige Aggregat gehört längsseits
eingebaut. Das allerdings ist nicht neu, nach wie vor
springt einem der V12 Mittel-Heckmotor nach dem Anlassen
quasi direkt ins Kreuz. Der übrigens wurde komplett überholt,
Dank vergrößerter Bohrung und längerem
Hub, wuchs der Raum nun von 6.2 auf satte 6.5 Liter,
Kurbel- und Nockenwelle sind ebenfalls neu, doch sind
das doch letztendlich alles Innovationen für Fetischisten.
Wichtig ist was hinten rauskommt und da wird das Batmobil
(Murcielago heißt im Spanischen Fledermaus, ist
allerdings, um bei der traditionellen Namensgebung
des Hauses zu bleiben, die Bezeichnung eines berühmten
Kampfstiers) fast zum Flugobjekt, in schmalen 3.4 Sekunden
sprintet es auf 100 km/h, eine halbe Minute später
ist die (un-)gemütliche Reisegeschwindigkeit von
300 Kilometer erreicht.
Nicht nur die inneren Werte wurden verschärft, auch äußerlich
wirkt der Bolide noch einen Hauch aggressiver. Martialischer.
Der Wagen hat sich seine typische Keilform bewahrt und
kommt daher wie ein fahrendes Samuraischwert. Geblieben
sind ebenfalls die distinguierten Flügeltüren.
Das Heck hingegen wurde komplett umgestaltet, und wenn
die Rückleuchten dem Ganzen nicht schon einen unverwechselbareren
Look geben, dann doch wohl das voluminöse Auspuffrohr,
der Endtopf könnte glatt einen Kleintierzoo hospitieren.
Gewagt auch der Griff in die Asymmetriekiste, hier haben
die Designer aus Sant`Agata aus der Not eine Tugend gemacht:
Auf der linken Seite öffnet sich bei Bedarf ein
großer Schlund zur Entlüftung des Ölkühlers,
denn das vergrößerte Triebwerk gerät
doch mächtig ins Schwitzen.
Der Fahrer kann hingegen cool bleiben. Der permanente
Allradantrieb bringt auch in extremen Momenten alle 640
Pferde sicher auf den fahrbaren Untergrund. Die Betonung
liegt aber auf „fahrbar“, nabelt man den
Stier von der Traction Control ab und führt ihn
gar auf nasses Terrain, dann verliert auch er ein wenig
die Bodenhaftung. Die verliert man endgültig beim
Blick auf Preis pro Fahrspaß. Denn auch wenn der
Renner im weitesten Sinne ein Volkswagen ist – Tochter
Audi übernahm vor fünf Jahren das Zepter bei
den Italienern – ein Wagen fürs Volk ist der
LP 640 noch lange nicht: 250.000 Euro soll das Rind kosten.
Wahnsinn.
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