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Rinderwahnsinn (Maxim 05/06)
Lamborghini, die italienische Autoschmiede mit dem Bullen im Wappen, hat den Murciélago noch einmal aufgerüstet. Das Ergebnis: Einfach stierisch.
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Darf es ein Pferd mehr sein? Die italienische Rösser ... pardon, Edelkarosserieschmiede ließ sich nicht lange lumpen und spannte gleich das, was normalerweise ausreicht, einen japanischen Kleinwagen zu bewegen, zusätzlich unter die Haube: Mit 60 PS extra ist der Murcielago nach wie vor der stärkste Stier im Lamborghini Stall. Die Typenbezeichnung LP640 kündet dann auch ganz bescheiden davon, dass das Rind nunmehr mit schnellen 640 Pferdestärken unterwegs sein wird. LP steht für „longitudinale posterior“, zu Deutsch: Das bullige Aggregat gehört längsseits eingebaut. Das allerdings ist nicht neu, nach wie vor springt einem der V12 Mittel-Heckmotor nach dem Anlassen quasi direkt ins Kreuz. Der übrigens wurde komplett überholt, Dank vergrößerter Bohrung und längerem Hub, wuchs der Raum nun von 6.2 auf satte 6.5 Liter, Kurbel- und Nockenwelle sind ebenfalls neu, doch sind das doch letztendlich alles Innovationen für Fetischisten. Wichtig ist was hinten rauskommt und da wird das Batmobil (Murcielago heißt im Spanischen Fledermaus, ist allerdings, um bei der traditionellen Namensgebung des Hauses zu bleiben, die Bezeichnung eines berühmten Kampfstiers) fast zum Flugobjekt, in schmalen 3.4 Sekunden sprintet es auf 100 km/h, eine halbe Minute später ist die (un-)gemütliche Reisegeschwindigkeit von 300 Kilometer erreicht.
Nicht nur die inneren Werte wurden verschärft, auch äußerlich wirkt der Bolide noch einen Hauch aggressiver. Martialischer. Der Wagen hat sich seine typische Keilform bewahrt und kommt daher wie ein fahrendes Samuraischwert. Geblieben sind ebenfalls die distinguierten Flügeltüren. Das Heck hingegen wurde komplett umgestaltet, und wenn die Rückleuchten dem Ganzen nicht schon einen unverwechselbareren Look geben, dann doch wohl das voluminöse Auspuffrohr, der Endtopf könnte glatt einen Kleintierzoo hospitieren. Gewagt auch der Griff in die Asymmetriekiste, hier haben die Designer aus Sant`Agata aus der Not eine Tugend gemacht: Auf der linken Seite öffnet sich bei Bedarf ein großer Schlund zur Entlüftung des Ölkühlers, denn das vergrößerte Triebwerk gerät doch mächtig ins Schwitzen.
Der Fahrer kann hingegen cool bleiben. Der permanente Allradantrieb bringt auch in extremen Momenten alle 640 Pferde sicher auf den fahrbaren Untergrund. Die Betonung liegt aber auf „fahrbar“, nabelt man den Stier von der Traction Control ab und führt ihn gar auf nasses Terrain, dann verliert auch er ein wenig die Bodenhaftung. Die verliert man endgültig beim Blick auf Preis pro Fahrspaß. Denn auch wenn der Renner im weitesten Sinne ein Volkswagen ist – Tochter Audi übernahm vor fünf Jahren das Zepter bei den Italienern – ein Wagen fürs Volk ist der LP 640 noch lange nicht: 250.000 Euro soll das Rind kosten. Wahnsinn.