„Und das Wetter legte sich wie
ein Leichentuch über die Produktion“. Zusammen
mit diesem prophetischen, gleichsam ironischen Satz
schickte Produzent John L. Bandmann einen bohrenden
Blick Richtung Firmament. Der Himmel über der
Wüste, er hatte sich umgezogen, eben noch strahlend
blau, kündigten nun schwere Wolken drohenden Bruch
an. Bandmann brummelte noch etwas von „das können
wir jetzt überhaupt nicht brauchen“ und
schloss seinen Ausflug ins Meteorolgische mit der Aufforderung,
das doch am besten bitte gar nicht zu erwähnen.
Hätte sich die Witterung nachhaltig auf das Klima
am Set niedergeschlagen, dann gehörte das „Leichentuch“ nie
erwähnt. Doch weil sich schlechtes Wetter immer
nur dann anschickte, wenn gerade die letzte Einstellung
des Tages im Kasten war, blieb der flehende Blick gen
Himmel eine von vielen lustigen Fußnoten. Der
Dreh des Imagefilms zum Audi Q7, er stand unter einem
guten Stern – und unter der sengenden Sonne Arizonas.
Sieben Tage hatten das Filmteam von United Visions
Zeit, Audis jüngsten Familienzuwachs in Szene
zu setzen. Als einer der letzten großen Automobilhersteller
(die Franzosen kommen noch) schmiedeten die Ingolstädter
einen SUV. Besser: Ihre Version vom SUV. Wie die konkret
aussieht, erfährt ein fachkundiges Publikum auf
der kommenden Internationalen Automobilausstellung
in Frankfurt, da wird der Q7 (das „Q“ steht
für „Quattro“, die „7“ repräsentiert
die Einordnung in die Modellhierarchie) erstmals der Öffentlichkeit
präsentiert. Und mit ihm ein begleitender Film,
der seit Dezember im Werden begriffen ist – gedreht
wurde bereits in Namibia, Colorado, im Ingolstädter
Werk sowie auf der Nordschleife des Nürburgrings.
Dafür hat Audi, unter maximalen Sicherheitsvorkehrungen,
zwei Modelle auf Weltreise geschickt. Genau die Varianten,
die auch später (Anfang 2006) zur Markteinführung
bereit stehen werden: Den V8, 4.2l Benziner mit 345
PS und seinen kleineren Bruder, den V6 TDI mit 3.0
Litern und 232 PS.
Vorne PT Cruiser, hinten VW Touareg? Stefan Kniselis,
begleitende Audi-Liaison zeigte sich doch ein wenig
pikiert, ob diesen optischen Vergleiches. Das Heck
sei, wenn überhaupt, eher Cayenne, und eigentlich
nennt der Q7 nicht zuletzt Dank der markanten Singleframe-Front
ein unverwechselbares Design sein eigen. Auf jeden
Fall ist er seinen Konkurrenten von Porsche und VW
noch einmal um Längen ... gut, um Zentimeter voraus.
Satte 4.90m misst der Q7, das reicht, um bei Bedarf
den Kofferraum in eine dritte Sitzreihe umzuwandeln,
bis zu sieben Personen sollen dann (bequem) unterwegs
sein.
Wer beim Q7 revolutionär Neues sucht, der wird
unter der Haube kaum fündig, die beiden Aggregate
sind bekannt, das stufenlose 6-Gang Automatik-Tiptronic
Getriebe – wahlweise vom Lenkrad oder von der
Mittelkonsole zu bedienen – bei permanenten Allrad
ist keine Sensation, die wahren Finessen des „SUV`s
der dritten Generation“, wie die Audi-Macher
ihr jüngstes Baby gern verstanden wissen, sind
hingegen bordcomputergesteuert. Bei mitdenkenden Fahrassistenzsystemen
ließen die Ingenieure sich nicht lange bitten
und installierten von der Cruise Control mit radarunterstütztem
Abstandsregler über aktive Spurwechselhilfe (vorschnelles
Einscheren auf der Autobahn quittiert die Elektronik
mit einem optischen Signal im Außenspiegel, sollte
sich in dem Moment ein anderes Fahrzeug im toten Winkel
befinden) bis hin zum Parkassistenten, der mittels
Rear-View Kamera nicht nur erkundet, ob man im Begriff
ist, eine Mülltonne umzukegeln, sondern auch in
Sekundenschnelle errechnet und auf dem Bordmonitor
per Leuchtspur aufzeichnen lässt, wohin einen
die eingeschlagenen Lenkradposition führt ...
nämlich wohlmöglich in besagte Mülltonne.
Wo braucht es nun all diese Gadgets? Sicherlich nicht
auf dem Red Lake im Norden Arizonas. Hier, da schien
sich die gesamte Produktion einig, sollte eines der
Highlights des Drehs stattfinden: Ein Audi gibt Vollgas
auf einem See. Wer jetzt allerdings bester Hoffnung
war, der Q7 würde im Bedarfsfall auch noch Schwimmflossen
ausfahren, der sieht sich enttäuscht. Der Red
Lake ist ein staubtrockner Salzsee fern jeden Geschwindigkeitsbegrenzungen,
Verkehrspolizisten oder sonstigen Spaßbremsen.
Und somit ideales Terrain, für den Q7 zu zeigen,
was denn die vielen Pferdchen unter der Haube wirklich
zu leisten vermögen. Bei 40 Grad ohne Schatten
genießt der Star seinen Auftritt. Von Helikopter
und Kamera gejagt, zieht er immer engere Schleifen,
so als versuche er, den fliegenden Verfolger abzuhängen.
Gebannt starren Regisseur Daniel Steinmetz und sein
Kameramann, Klaus Krieger, in den Monitor und freuen
sich wie die Schneekönige, wenn das Gefährt
wieder einmal von seiner eigenen Staubwolke verschluckt
wird. Einen fast etwas undankbaren Job bei manchen
dieser Szenen hat Mikal Kartvedt, der designierte Stuntdriver – das
Drehbuch wollte es so, dass vom Fahrer absolut nichts
zu sehen ist. Auf Geheiß fährt er schnurgerade
auf die Kamera zu und bekommt im letzten Moment den
Befehl, abzutauchen und sich quasi auf den Beifahrersitz
zu werfen, jedoch gleichzeitig den Wagen stets unter
Kontrolle zu behalten. Am Ende seiner Dienstfahrt gehört
er derzeit zu den wenigen Fahrern, die sich ein fachkundiges
Urteil erlauben können und NICHT zum Audi-Konzern
gehören. Kartvedt zeigt sich beeindruckt, besonders
angetan hat es ihm das „adaptive air suspension“ System. „Bei
manchen Fahrzeugen passiert schlichtweg nichts, wenn
man den Regler verändert, hier werden die Unterschiede
zwischen Off-Road-, Dynamic- und Komfort-Einstellungen
sofort spürbar, man merkt die neue Fahrwerkabstimmung
sofort im Handling“.
Dass der Q7 auf vielen Belagen zu Hause ist, zeigte
sich tags zuvor im etwas weiter südlich gelegenen
Marble Canyon. Schauplatz: Landstrasse vor malerischen
Hintergrund, erst eine Stahlbrücke über dem
Colorado River (der übrigens schon nach wenigen
Stunden seinem Namen alle Ehre machte, er drehte von
Graugrün auf Rotbraun) später die unverwechselbare
Kulisse der prominenten Fels- und Gesteinsformationen,
wie man sie auch vom Grand Canyon her kennt. Zunächst
stand eine Q7 Solofahrt über die Brücke an,
eingefangen von einem sechs Meter hohen Kamerakran,
anschließend dann die „car-to-car-shots“,
bei denen die Kamera in einem begleitenden Van fest
installiert wird und so die benötigten Nahaufnahmen
einfängt. Während den Drehs halten Polizisten
den Verkehr auf beiden Seiten der Brücke fest,
die Jockeys einer betroffenen Harley-Karawane, denen
kollektiv der Schweiß aus den Helmen triefte,
schauten „not amused“. Für eine weitere
Fußnote sorgten in diesem Zusammenhang wohl die
(ungeschriebenen) automobilen Erlkönig-Gesetze – obwohl
das Internet längst Q7 Fotos en masse ausspuckt,
herrschte am Set höchste Geheimnisstufe. So geriet
das hektische Aus- und Einpacken des Q7 zum flankierenden
Begleitumstand des Drehs. Sobald sich Neugierige mit
semiprofessioneller Fotoausrüstung nährten,
scharrten die Verantwortlichen ein wenig unruhig mit
den Hufen. Vielleicht sollte man den Ingolstädter
verheimlichen, dass die Fragen tendenziell eher darum
gingen, ob und wo denn hier nun Tom Cruise drehen würde?
Das Auto an sich, wenn es sich denn einmal ein wenig
unversteckt ausruhen durfte, fand wenig Beachtung.
Dass es letztendlich aber nicht an Aufmerksamkeit gebrechen
wird, dafür wird dieser Spot sorgen. Der Q7, er
findet bewusst in zwei Welten statt. Produzent Bandmann,
der wahrscheinlich wie kein Zweiter den deutschen Automarkt
aus der Sicht des Kreativen beurteilen kann, weiß dann
auch sehr genau um die Wichtigkeit seiner Aufgabe. „Es
ist der erste Schritt in ein neues Segment und Audi
will klarmachen, wie der Auftritt aussieht, nämlich
nicht ein Auto fürs Gelände, sondern eher
ein Fahrzeug, dass in ein urbanes Umfeld passt und
sich trotzdem auch in der Natur zu Hause fühlt“.
Um diesen Spagat filmisch umzusetzen, haben er und
sein Regisseur sich eine Story ausgedacht, die beide
Erlebnisse miteinander verquicken: Ein Auto, das träumt.
Frühmorgens, auf dem Parkdeck eines Hochhauses
erwacht der Q7, der Motor springt an, er fährt
los, an staunenden Joggerinnen vorbei, an einem geplatzten
Hydranten und plötzlich ist er mittendrin in der
Natur, dreht seine Runden im Sand und findet am Ende
den Weg zurück zum Parkdeck, dort wundert sich
sein Besitzer über die feine Staubschicht. Ach
ja, im Traum lässt der Q7 auch eine Reihe Konkurrenten
ratlos am Wegesrand zurück. Spätestens Anfang
2006 werden wir wissen, ob diese Illusion Realität
wird.
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