Gezeugt in der Schweiz, geboren
im nordhessischen Hofgeismar. Die musikalische
Reise von marcus loeber begann 1967. Und sie begann
früh. Kaum zwei Jahre alt, so wollen es die Familienannalen,
verwöhnte der Musiker in spe seine Verwandtschaft
mit seiner eigenen Version von Belafontes “Mathilda”.
Mit vier hebelte der kleine marcus das Philips-Stereo-Reverbeo-Radio
auf, schließlich wurde dort, davon war er überzeugt,
ein ganzes Orchester gefangen gehalten. Das Jahr 1972
verlieh seinen musikalischen Ambitionen Flügel,
marcus schloss eine lebenslange Freundschaft: Mit einem
Piano. Zusammen gingen sie in die Lehre und marcus erfand,
so vermerkte es eine verzückte Klavierlehrerin,
gleich in der ersten Stunde ein kurzes Lied. Leider
mochte sich der junge Eleve an einen elementaren Bestandteil
des Unterrichts partout nicht gewöhnen: Den Noten.
Und so verschliss er und sein Klavier in den folgenden
12 Jahren einiges an Lehrern. Zwischendurch gelang ihm
seine erste erfolgreiche Aufnahme, produziert im heimischen
Kinderzimmer – da war er acht. Noch heute gehört
das Tape von einst zu seinen größten Schätzen.
Musik war aber nicht die einzige Zutat, die im loeberschen
Gen-Pool badete. Ein Teil der Familie versuchte ihr
Glück in Amerika – und wurde zum größten
Mercedes und BMW Händler in den Staaten. Eines
Großonkels Erfindungen zieren heute jedes Tonstudio.
Bei so viel verschiedenem Talent in der Verwandtschaft
nimmt es nicht Wunder, das loebers Karriereplanung einen
kleinen Umweg machte. Nach dem Abitur und einer Kaufmannslehre,
versuchte er sich in Jura. Und, wer weiß, hätten
nicht da schon längst “Klassiker“ wie
Debussy, Smetana, Scriabin und vor allem Brahms oder
Jazzer wie Duke Ellington, Loussier und Sample dem passionierten
Pianisten in den Ohren gelegen, er stünde heute
nicht im Tonstudio, sondern vor Gericht. Keith Jarretts
Köln Konzert war dann nur noch die finale Note,
marcus war längst auf dem Weg. Zunächst allerdings
in eine ganz eigene Richtung.
Go West, young man! loeber ging in den Osten. Lang bevor
überhaupt jemand daran dachte, dass Mauern fallen
könnten. marcus wurde Teil einer schwarzen Soul
Band aus den USA und wanderte aus. Oder ein. Ins benachbarte,
kommunistische Polen. 1985 war das neben Bananen sicherlich
einer der etwas exotischeren Anblicke für die musikalisch
relativ unterpriviligierten Genossen. “Fast hätte
man uns festgehalten und in den Warschauer Zoo gesteckt”,
erinnert sich loeber.
Go commercial, young man! 1994 tat er genau das. Anders
als seine akademische Exkursion, wurde dieser Ausflug
ein voller Erfolg. Irgendwie muss er den richtigen Ton
zur richtigen Zeit getroffen haben. Denn Unternehmen
wie Swatch, Telekom, Audi, BMW, Lufthansa, Guiness und
viele andere werden kaum kollektiv irren. Er hat auf
Sardinen gearbeitet, in Israel, in England und ... sogar
in Bayern. Bis heute vertonen seine Kompositionen über
700 Werbespots. Tendenz: Steigend. Einer von ihnen sogar
extrem zufällig – loeber arbeitete gerade
an seiner jüngsten CD “Songs for Emelie”,
inspiriert durch die Geburt seiner ersten Tochter, als
einer der Songs einem seiner Kunden über den Gehörgang
lief. Seitdem hört man ihn in der “Grünen
Punkt” Kampagne.
In den letzten Jahren hat sich loebers Wirkungskreis
extrem verbreitet. Seine erfolgreiche Arbeit als Arrangeur
und Auftrags-Komponist stellt zunehmend die Weichen
für Projekte auch jenseits des Werbehorizonts.
Mit so viel Erfolg im Rücken wird es jetzt auch
nicht mehr lange dauern, bis sich einer seiner ganz
großen Wünsche erfüllt: Die Musik für
einen großen Hollywood Film zu schreiben.
Die Musik des marcus loeber
Spontan, pur, improvisiert, das ist meine Musik. Und
das ist auch meine Herangehensweise an die Musik. Einfach
nur so dahinzuklimpern, wie ja so manche New Age Musik
anmutet, ist meine Sache nicht. Meine Musik hat ein
Motiv, eine Spur, wenn man so will, der ich folge, auf
deren Suche ich mich begebe. Meine Musik hat einen Anfang
und sie findet ein Ende, sie plätschert nicht einfach
so dahin. Apropos “plätschern“, sollte
sich doch einmal Hintergrundgeräusche, wie fließendes
Wasser oder ein singenden Vogel einschleichen, dann
stand die Tür zum Garten versehentlich offen. Sie
sind dann echt, genauso wie meine Musik.
Echtheit. Oder, man kann es auch musikalische Integrität
nennen, sie entsteht durch eine ganz besondere Aufnahmetechnik.
Eine Technik, die Verspieler, die gar nicht ausbleiben
können, nicht entschuldigt, sondern sie hofiert,
sie integriert. Die vereinzelten BLUE-NOTES sind zu
hören, weil die Musiken improvisiert sind. Weil
sie spontan sind. Jedes Detail des Konzertflügels
wird vernehmbar. Man hört nicht nur die Töne,
sondern auch die Anschläge, die Filze, die den
Ton dämpfen, die Pedal-Geräusche. So klingt
das Ganze sehr intim, nah und authentisch! Einem Flügel
lauscht man normalerweise stets aus einer Distanz. Bei
mir nicht. Bei mir sitzt der Zuhörer direkt daneben,
während ich für ihn spiele.
SONGS FOR EMELIE VOL I
Was lässt die Menschen Musik machen? Vieles!
Die pure Lust am Spielen, der unbedingte Wunsch Gefühle
auszudrücken, die Seele zu erfrischen; der Bogen
lässt sich beliebig weit spannen. Hinter den Liedern
dieser CD steht ein für mich einmaliges Erlebnis
- die Geburt meiner Tochter Emelie im Januar 2003. Jedes
einzelne Lied hat ein Thema, das auf seine Art Momente
absoluten Glücks, aber auch Augenblicke der Sorge
widerspiegelt. Es ist die musikalische Chronologie des
Vaterwerdens, angefangen mit ersten Improvisationen
gleich nach der Geburt bis hin zu Emelies ersten, zarten
Gehversuchen. So sind die unterschiedlichen Musiken
entstanden, die ich gleich noch näher beschreibe.
Ich wünsche Ihnen besinnliche Minuten beim Zuhören.
1. FIRST MOVE
Die erste Improvisation nach dem freudigen Ereignis.
Ich stand nach völlig unter dem Eindruck des gerade
Erlebten. In mir ein Chaos an Emotionen ... Glück,
ein wenig Angst auch, Hoffnung und so enthält FIRST
MOVE das ganze Spektrum an Gefühlen, das man als
frisch gebackener Vater hat. Der Anfang ist eher nachdenklich,
fast ein wenig skeptisch. Man ist hin- und her gerissen,
die vielfältigsten Gedanken rasen einem durch den
Kopf, zusammengehalten durch diese unbändige Freude,
dass alles gut gegangen ist. Die Aufnahmen habe ich
ganz allein gemacht, ich wollte auf keinen Fall unter
Zeitdruck stehen. Das Studio war leer, der Mond hatte
den Garten in ein fast mediterranes Licht getaucht und
die nahezu unwirkliche Stille wurde nur abgelöst
durch die Laute des Konzertflügels. Jedes Detail
ist genau zu hören, ich habe bewusst auf unnötige
Tonkosmetik verzichtet. Achten Sie einmal auf die Feinheiten,
die ein Piano so von sich gibt ...
2. I WOULD TELL YOU
Was? Nichts leichter als das. All das, was man als
Vater seinem Kind mitteilen möchte. Aber wie? Worte
kommen noch nicht an, Melodien schon. Und so stecken
alle Gefühle, alle Liebe für meine Tochter
in diesem Song. Emelies erstes Liebeslied.
3. GOOD NIGHT
Stellen sie sich vor. Ihr Baby, wie es friedlich schläft,
die kleinen Arme an den Kopf geschmiegt. Ein Anblick,
der über allem Schönen dieser Welt steht.
Sicher träumt es etwas. Ich habe versucht, Emelie
dabei musikalisch zu begleiten. GOOD NIGHT ist vorsichtig
und verträumt. Und so leise, dass sie ja nicht
aufwacht ...
4. ONE FINGER
Der Name ist Programm, ein Lied über die kleinsten
Hände der Welt. Mit unvorstellbar kleinen Fingern.
ONE FINGER. Und so beginnt der Titel auch mit einer
ganz einfachen Melodie, gespielt mit nur einem Finger.
Später dann dürfen auch die anderen neun mitspielen.
Dabei fühlte ich mich an einen großen Meister
seines Faches erinnert, an Duke Ellington, der einst
während eines Interviews auf die Frage, was für
eine schöne Melodie er gerade spiele, entgegnete,
“ich träume nur ...“.
5. BRAHMS LULLABY
Die Mutter aller Schlaflieder. Dazu muss man nichts
mehr sagen - aber man kann. Denn meine Interpretation
unterscheidet sich doch merklich vom Original. Warum
gelegentlich Pausen zwischen den einzelnen Melodie-Bögen
entstanden sind? Ganz einfach: Die Unterbrechungen treten
auf, weil ich während des Spielens ständig
nachdenke, improvisiere, probiere. Das macht gerade
diese Aufnahme so spontan, ohne Methode, fern von irgendwelchen
Noten ... was Sie hören ist ein Brahms direkt aus
dem Herzen durch den Kopf in meine Finger.
6. SARABANDE
Am Anfang war die Spieluhr. Das Piano ist dazu die
logische Ergänzung, eine große Fußnote
mit mannigfaltigen Inhalten. SARABANDE ist ein Tanz,
der von Bewegung lebt, der sich in ständig ändernden
Richtungen ausbreitet und so die Dinge unterschiedlich
konkret erscheinen lässt. So wirkt auch dieser
Song auf mich. Konkret, aber gleichzeitig nicht fassbar.
7. WIDELANDS
Der Blick aus dem Fenster meines Studios hat einiges.
Zum Beispiel so viel Wald, dass man ihn vor Bäumen
kaum sieht. Panorama jedoch hat er nicht. Doch mit etwas
Fantasie geht es auch hinter dem (Hittfelder) Horizont
weiter. Und dabei ist mir dann diese schöne Melodie
eingefallen.
8. THOUGHTS
Zustände ungestörter Ruhe, Momente zeitloser
Gelassenheit, Augenblicke absoluter Entspannung, stellen
Sie sich diese vor. Und dann hören Sie zu. Ich
habe es geschafft, meinem grenzenlosen Wohlbefinden
einen musikalischen Rahmen zu verpassen. Und parallel
dazu versucht, die mechanischen Geräusche des Flügels
einzusammeln. Mit ganz sanften Tönen. Fast wäre
ich eingeschlafen ...
9. SECOND TRACK
Und wäre ich eingenickt ... dann hätte ich
SECOND TRACK verschlafen. Die zweite Improvisation an
diesem Abend. Mit etwas unsicheren, fast traurigen Untertönen,
denn auch die gehören zum Glück dazu. Viel
geht einem durch den Kopf, der Wunsch, alles richtig
zu machen, die Verantwortung, die plötzlich auf
einem bürdet. Zum Glück, denn so rückt
es ins richtige Licht, das Glück.
10. YOUR BLUE EYES
Nein, keine Hommage an Frankie Boy, sondern eine Hymne
auf die wundervollen, tiefblauen Augen meiner Tochter.
11. I SEE LOVE
Von einem kann es nie genug geben. Von der Liebe.
Also auch nicht von Liebesliedern. Hier ist ein weiteres
für Emelie.
12. FAREWELL
Ein Thema, das glücklicherweise nichts mit meiner
Tochter zu tun hat, aber irgendwie in die Zeit passte.
Ich musste Abschied nehmen. Endgültigen. Von einem
Freund, der mich lange begleitet hat. Umstände,
die FAREWELL entstehen ließen.
13. I WOULD TELL YOU
Doppelt hält besser? Nicht wirklich. Aber die
Melodie sagte mir einfach, lass mich nicht los! Und
so konnte ich nicht anders, als sie einfach noch einmal
zu spielen und zu variieren.
14. SONG FOR EMELIE
Eines Nachts, Emelie und ich waren allein. Sie mochte
partout nicht in den Schlaf finden. Klar, wahrscheinlich
Bauchweh, es muss ja auch alles erst einmal richtig
in Fahrt kommen. So stand ich, etwas hilflos, an ihrem
Bettchen und versuchte, sie zu beruhigen. Keine Chance,
Worte perlten ab, Tränen strömten. Ich streichelte
ihren Kopf und begann, zu summen. Und in meinem Kopf
entstand eine Melodie. Diese Melodie. Ich fand sofort
Zeit, sie niederzuschreiben, Emelie war schon nach dem
ersten Summen sanft entschlafen. Hört sie heute
dieses Lied, geht in ihrem Gesicht jedes Mal ein Licht
auf. Am liebsten würde ich ihr den Song in einer
Spieluhr schenken.
15. TIGER`S TUNE
Ein Song, entstanden im August 2003. Freunde von uns
wurden stolze Eltern von Tiger, ihrem Erstgeborenen
und ich fühlte mich eingeholt von der Stimmung
aus dem Januar und Februar. Fasziniert beobachtete ich
nun, quasi von der Galerie, wie ein Kind völlig
automatisch sämtliche Prioritäten bei den
Eltern verschiebt. So wie es Emelie ja auch bei uns
tat. Plötzlich wird einem die ganze Bandbreite
menschlicher Instinkte bewusst. Sich einzulassen, mit
den Veränderungen umzugehen und dabei nicht zu
verkrampfen, das ist die hohe Schule. TIGER`S TUNE spiegelt
die Ruhe und Gelassenheit wieder. Apropos “nicht
verkrampfen“, der Song wirkt Wunder bei Tigers
Verdauung. Berichtet der stolze Vater.
16. OUTRO
Ein Ende, aber doch auch ein Anfang. Ein musikalisches
Zitat aus “Schlaf, Kindchen schlaf“. Es
stellt die Weichen für viele weitere schöne
Melodien, denn Emelie wird mich auf lange Sicht bei
der Musik “beflügeln“. Sie ist meine
Muse.
17. FIRST WALK (Etüde für 2 Pianos und sechs
Hände)
Oktober 2003. Ein Titel, gewidmet Emelies stetig steigendem
Aktionismus. Sie lacht, sie krabbelt, alles was nicht
niet- und nagelfest ist, gelangt, wie von Geisterhand,
zwischen ihre kleinen Finger. Zeit also, ein Stück
zu schreiben, das mehr als zwei Hände zum Spielen
braucht. So entstand diese Etüde für sechs
Hände auf zwei Klavieren. Der Recycling-Organisation
GRÜNER PUNKT gefiel das Stück so gut, dass
sie es für ihren Werbespot nutzen – wahrscheinlich
für die nächsten drei Jahre. Danach müssen
sie dann mit Emelie über ein weiteres Copyright
verhandeln ...
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