Als Eric Gabriel 1995 auszog,
in Miami Beach Hotelier zu werden, hatte er
einiges im Gepäck: Kind, Kegel, ordentliches Startkapital
und viel Idealismus. Was fehlte? Jedwede Branchenkenntnisse.
Gabriel heute ganz trocken: “Ich hatte keine Ahnung“.
Und bald darauf auch kein Geld mehr. Eine Not, die erfinderisch
machte. Damit sein Hotel Leon endlich eröffnen
konnte, wurde der patente Ex-Modekaufmann statt bei
Colani bester Kunde bei “Home Depot“, Amerikas
Antwort auf OBI und Konsorten. “ Wenn noch 30.000
Dollar da sind, aber Arbeit für 200.000 zu erledigen
ist, muss man flexibel werden“, lautete die (Design-)
Devise. So wurden elektrische Rohrleitungen zu Gardinenstangen
oder Salatschüsseln (7 Dollar das Stück) zu
Waschbecken. Polierte Aluminium-Meterware, mutiert,
zurechtgeschnitten und auf Holz zierverschraubt, zu
Fußleisten, ein Surfboard dient als Rezeption.
Alle seine Ideen bestechen durch Finesse. Gebricht es
doch einmal an Funktionalität, nimmt man das mit
Humor. Der Designer sowieso und seine Gäste glücklicherweise
auch. Meistens jedenfalls. “Es gab auch Kritik,
aber bei einem kleinen Hotel mit viel Charakter geht
das durch. Wenn man den Leuten sagt, dass sie beim Waschbecken,
den Hahn ein klein wenig zur Seite drehen müssen,
um nicht nass zu werden.“ Der Erfolg gab ihm Recht,
und Gabriel konnte mit dem Aqua eine weitere Herberge
in sein (noch) kleines Hotelportfolio addieren. Zwillinge
bei der Geburt getrennt – vergleicht man die Stile
beider Häuser. Im Detail steckt der Gabriel, im
Großen und Ganzen aber hat er mit seinen Expeditionen
auf und in Bau- und Flohmärkte zwei völlig
verschiedene Looks kreiert: Im Leon regiert ein eklektischer
Mix aus mediterranen und industriellen Akzenten, im
Aqua eine coole Mischung aus Beton, Stahl, Plexiglas,
Holz gewürzt mit Möbeln aus den 50- und 60er
Jahren. Nächstes Projekt: Veredelung eines Hausboots
– Eric Düsentrieb zieht es aufs Wasser.
|