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"Joschka im Anzug" Joschka Fischer (Maxim)
Der Außenminister ist modisch voll auf dem Laufenden.
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"Ich bin auch früher nicht im Baströckchen rumgelaufen und habe meine Blöße nicht mit Blättern abgedeckt." Ein Bon Mot aus dem Munde des Joseph Fischer, schließlich raschelt es stets im modischen Blätterwald, sobald die Galionsfigur der Grünen mit einem neuen Anzug debütiert. Aber, aber Herr Außenminister. Kokettieren Sie da etwa mit der eigenen Verstörtheit? Oder haben Sie einfach lange nicht mehr in den Spiegel geschaut? Sie sind eine Stil-Ikone. Wider Willen zwar, aber das macht nichts. Unvergessen Ihr modischer Einstand aus gegebenen Anlass. Damals. 1985. Joschka meets Holger. Als Ihnen damals der hessische Ministerpräsident Börner – alte, sozialdemokratische Schule - die Ernennungsurkunde zum ersten grünen Minister Deutschlands ans Revers zu heften versuchte, hat er Sie da nicht etwas schief von der Seite angesehen? Ihr Auftritt, Herr Fischer! Ein Paar Turnschuhe – heute heißen die “Sneakers“ - in jungfräulichem Weiß im Dialog mit einer Kombination aus Jeans/verwaschen, Hemd/großkariert und Sakko/grobgeklöppelt – natürlich alles 100% biologisch abbaubar. Damit haben Sie dem politischen (Mode-) Establishment nachhaltig Ihren Stempel aufgedrückt. Fehlte nur noch ein T-Shirt mit dem Aufdruck “Kaffeebohnen, dieser Welt, vereinigt Euch“. Sie Rebell, Sie.

Wie? Natürlich haben Sie Recht. Natürlich muss man Ihre modische Rosskur im Spiegel der Zeit sehen. Eine weitere Dekade zurück und wir sehen unseren heutigen Vizekanzler in olivfarbener Parka und Arafat-Tuch gehüllt. Unverwüstliche Hosen sowie widerstandsfähiges Schuhwerk rundeten den (Auf-)Tritt ab. Schließlich zog es Sie dorthin, wo es weh tat. Beim Vermöbeln von Ordnungskräften und anderen subversiven Aktionen gegen den selbsternannten Rechtsstaat machte kaum einer eine bessere Figur. Außerdem harmonierte Ihr Auftritt hervorragend mit Ihrer damaligen Berufung: Dem Taxifahren.

Und heute? Rank und schlank sind Sie geworden. Und ein wenig ergraut. Wie Ihre Anzüge. Denn “Grau“ macht die Eminenz. Ein untrügliches Zeichen, dass Sie auch heute modisch Zeichen setzen. Schmal geschnittene Anzüge (Drei Knopf Sakko! – so kühn ist nicht einmal Ihr Boss Schröder) aus dem Hause Cerruti in dezenten Grautönen, dazu noch die distinguierte Golduhr, Marke: Glashütte, schon umgibt Sie die Aura eines “elder statesman“. Fast. Wäre da nicht die unsägliche Weste, die Sie sich einmal zu häufig aufschwatzen lassen. Schwamm drüber, dieser Faux Pas sei Ihnen verziehen. Denn Sie sind längst angekommen. Vom Mode-Fundi zum Fashion-Realo - unter den grauen Bundestagsmäuserichen sind Sie der Pop-Star. Soviel Kult hat natürlich seinen Preis. Ihrer heißt: Erklärungsnotstand. Oder ist es sehr einfach, der Basis zu erläutern, dass Meister Cerruti das Fischer-Gewand erst nördlich der 3000der Marke zu schneidern anfängt?