1930. Ein guter Jahrgang. Jedenfalls
wenn man die Geburten späterer Hollywood-Größen
betrachtet. Clint Eastwood, Gene Hackmann, Sean Connery
und Steve McQueen, alle Baujahr 1930. Doch während
die drei Erstgenannten immer noch Gelegenheit haben,
an ihren Legenden zu zimmern, geschieht das bei Terence
Steven McQueen längst ohne dessen Zutun. Leider.
Viel zu früh verstarb der damals 50 jährige
1980 an Lungenkrebs.
Bereits zu Lebzeiten umgab den charismatischen Mimen
eine Aura des Unkonventionellen. Wie kein zweiter prägte
er in den 60er und 70er Jahre das Ideal des (amerikanischen)
Mannes und erinnerte in seiner unangepassten Art an
den frühen Brando oder den ewigen Rebell James
Dean.
Steve McQueen war auch privat das, was er in fast allen
seinen Filmen verkörperte: Der Archetyp des klassischen
“Loners“. Des Einzelgängers, dessen
Mienenspiel – das Zucken im Mundwinkel, das Blitzen
der stahlblauen Augen - mehr ausdrückte, als jede
Zeile Drehbuchdialog. Coolness und Authentizität
– wollte man beides auf eine Persönlichkeit
schneidern, dann konnte diese nur einen Namen haben:
Steve McQueen.
Eine Coolness, die unvergänglich scheint. Die
unterstrichen wurde durch seine charmant-unbekümmerte
Art, mit der er über Hollywoods glattes Parkett
der Eitelkeiten glitt. McQueens Stil war ... dass er
eigentlich keinen hatte. An ihm wirkte alles ungewollt
und doch wie maßgeschneidert. Er folgte keinem
Trend, er war der Trend.
Beispiel gefällig? “Ich werde einen Rollkragenpullover
tragen!“ McQueens nonchalante Antwort auf die
Frage, wie er denn einen Polizisten zu spielen gedenke.
Und genauso sieht man ihn dann, lässig, an einen
Türrahmen gelehnt, Schulterhalfter und ... Rollkragenpulli
auf dem Filmplakat zu “Bullitt“. Zu einer
Zeit, als in Film und TV das Gesetz durchweg in Schlips
und Kragen ermittelte. Nach Bullitt bemühten sich
alle Ordnungshüter in San Francisco – “Dirty
Harry“ alias Clint Eastwood inklusive - sein Outfit
zu kopieren. Mit der gleichen Gradlinigkeit verhalf
der McQueen dem Sweatshirt, dem Trenchcoat oder sogar
der gemeinen Latzhose zur Renaissance.
Auch bei den Accessoires gaben McQueen und seine Filme
die Richtung vor. Die zusammenklappbare Sonnenbrille
mit dem hellbraunen Horngestell und den blauen Gläsern,
die er sich für “Die Thomas Crown Affäre“
anfertigen ließ, standen ebenso Pate für
den kontemporären Brillen-Look, wie die drahtlosen
“Shades“, mit denen er in “Getaway“
unterwegs war. Gleichfalls hoch im Kurs – Uhren,
die der Held wider Willen zu Markte trug. Eine Original
“Monaco“ aus dem Film “Le Mans“
gilt als der kostbarste Tag Heuer Chronometer aller
Zeiten, rangiert unter Sammlern aber als nicht ganz
so begehrt, wie die Rolex Explorer II – auch Steve
McQueen Rolex genannt.
Am Mythos der Stilikone wird fleißig weitergestrickt.
Unlängst huldigten die GAP-Macher McQueen in einer
ganzseitigen Printkampagne für Chinos (Khakis),
knappe 30 Jahre nachdem die Mutter aller Fashion-Magazine,
Harper`s Bazaar, den smart grinsenden Sonnyboy als ersten
Mann auf ihr Titelblatt hievten. Zeitloser geht es kaum.
Und mutet es nicht fast ironisch an, dass nicht Tabak,
sondern Textilien das jähe Ende des passionierten
Rennfahrers beschleunigt haben sollen? Angeblich war
es der Asbest aus den feuerfesten Overalls gewesen,
der den Lungenkrebs verursachte.
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