Der Vandale/Nike
“Zerstörungswütige Menschen“,
so leuchtet dem Fremdwörterbuch heim, wer sich
unter dem Begriff “Vandalen“ Schlaumachen
will. Ist der Name Programm, muss Nikes “Vandal
Supreme“ für Herrschaften gemacht sein, die
beim Demolieren eine gewisse Überlegenheit entwickeln
wollten. Ob das seinem berühmtesten Vertreter gerecht
wird? Michael Jackson kann man einiges nachsagen, das
nicht. Der Vandal feierte sein Debüt zu einer Zeit,
als der King of Pop noch am Moonwalk feilte. Man schrieb
die frühen (?) 80er, in den New Yorker Außenbezirken
hielten Breakdance und Hip-Hop Einzug und Nike entdeckte
neues Klientel. Flugs wurde aus dem Basketballstiefel
Air Force 1 eine Straßenversion geschustert und
Schuhgeschichte geschrieben. Eine Geschichte, die wieder
neu aufgelegt. In Silber und grau. Mit Klettverschluß.
Und einem Top aus Nylon für mehr Glanz.
Der Tiger/Asics
Als die japanischen Olympioniken 1968 zum Sport
ausrückten, durfte ein heimischer Produzent frohlocken.
Die Firma Asics hatte den Zuschlag bekommen, die Füsse
von Nippons Söhnen und Töchtern in wettbewerbsfähiges
Schuhwerk zu schustern. Man beschloss, das Team in einen
optimierten Onitsuka Tiger Modell nach Mexiko zu schicken
und nannte es ... Mexico. 35 Jahre später bringt
Asics den Sneaker erneut an den Start. Der Tiger wird
so authentisch wie möglich geklont, speziell im
Fersenbereich wird nicht mit einer heute üblichen
Fersenschale aus Kunststoff hantiert, sondern noch nach
der üblichen Machart aus der Tiger-Kinderstube.
(hier muss ich noch mal nachhaken) Schade nur, dass
man seinen berühmtesten Träger nicht mit reanimieren
kann. Die Ein-Mann-Armee Bruce Lee schwor auf den Tiger,
er hat ihn während seines letzten Films getragen
Der Bremser/Adidas
Für Berufskraftfahrer. So steht es, einigermaßen
unemotional, im Adidas Katalog. Allerdings nicht im
aktuellen, sondern in einem aus der Zeit, als Rennfahrer-Ass
Walter Röhrl die Rallye-Szene beherrschte. Das
Modell, das einst Walters Bleifuß ummantelte,
gibt erneut Gas. Allerdings unter dem wenig pistentauglichen
Namen Provence. Doch abgesehen von seinem Namen bleibt
der Schuh seinem Vorbild treu. Die gleiche anatomisch
günstige Form, eine ähnlich breite und glatte
Sohle – mit der auch der Freizeitraser von heute
gleichzeitig auf Gas und Bremse stehen kann. Auch optisch
beweist “Provence“ Straßentauglichkeit,
er präsentiert sich ausnahmslos in gedeckten Erdtönen.
Damit man den Matsch nicht sehen kann.
Das Monster/Puma
Armer Harald Schmid. Jahrzehntelang hechtete
der deutsche Leichtathlet als ewiger Zweiter über
die 400 m Hürden. Da half auch das Modell “München“
nicht, stets war ihm US Boy Ed Moses um eine Spikelänge
voraus. Dafür muss heute der “Mostro“
(dt. Monster), die futuristische Neuinterpretation von
Schmids damaligen Laufschuh, keine Konkurrenz fürchten:
Das Modell im hippen Camouflage-Look hat Kult-Status
erreicht, seitdem Madonna ihre Füße vermehrt
in einem der “Monster“ parkt. Der Puma-Zögling
wird ausschließlich in ausgewählten Fashion-Boutiquen
und Trendstores feilgeboten, darunter auch eine Variante
aus feinstem Velourleder mit herunter tretbarer Ferse.
Der Evergreen/CHUCKS
Mehr als eine Milliarde Füße können
nicht irren. Jedenfalls nicht, wenn man einer Pressenotiz
anno 1992 Glauben schenkt. In dem Jahr nämlich
wollen die Converse-Macher das 500 millionste Paar des
Chucks All Star an den Mann gebracht haben. Oder an
die Frau. Tendenz: Weiterhin steigend. Klar, der Treter
ist nicht erst seit gestern auf dem Markt. 1923 entwickelte
Basketballer Chuck Taylor das nach ihm benannte Schuhwerk
aus Segeltuch und Gummi. Heute strahlen Chucks wahlweise
in den Farben der amerikanischen Stars and Stripes bis
hin zum flotten Blumenmuster. Die Skater-Szene hingegen
bevorzugt weiterhin gedeckte Töne, vielleicht weil
Kurt Cobain, Grunge-Ikone und bekennender Chuckist,
es so vorgemacht hat?
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