Boxen "Fallobst für den Ring" (a&r-Florida 99)
Foreman und Frazier stiegen in Florida in den Ring. Hier schlug Cassius Clay das erste Mal richtig zu. Am 25. Februar 1964 schickte er Sonny Liston auf die Bretter. Jens Fritzenwalder traf in Miamis Gyms neben Trainerlegenden so genannte Fall Guys wie Charles Cue. Die lebenden Sandsäcke für Möchtegern-Champs leben davon, daß sie gnadenlos schlechte Boxer sind.
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Die erste Gerade touchiert nur ganz sanft. Kaum Wirkung. Der Kopf des Boxers zuckt zurück, ein feiner Regen aus Schweißperlen und Vaseline schlägt sich auf der grell geschminkten Wasserstoffblondine in der zweiten Reihe nieder. Der nächste Schlag hingegen ist besser getimt. Und landet im Ziel. Wieder eine Gerade. Wie ferngesteuert fliegt sie an die ungedeckte Schläfe. Sie verkündet Strafe und Schmerz gleichzeitig. Und das Orakel, das dem Kämpfer ins dröhnende Ohr flüstert, daß er hier wohl auf verlorenen Posten fightet. Während diese Erkenntnis noch unterwegs ist auf dem Weg ins Stammhirn, muß der Boxer schon das einstecken, was RTL Boxpapst Werner Schneyder immer so gern als "schwere Hände nehmen" tituliert. Von links und rechts hagelt es Aufwärtshaken auf den ohnehin schon rot geprügelten und alles andere als austrainierten Körper. Deckung und Kampfgeist hängen. Zum Schluß einen Volltreffer auf die Nase. Zu den Schweißperlen gesellt sich nun Blut, eine Mischung, die auf der Blondine und ihrem mindestens zwei Nummern zu engen Kleid aus weißem Nappaleder abregnet und eine farbenfrohe Allianz eingeht. Ihr kehliges Lachen verstummt ähnlich schnell, wie sich der Boxer von der Vertikalen in die Horizontale verabschiedet. Nach 2.45 Minuten in der dritten Runde hat Billy Wooten seinen Arbeitstag unfreiwillig und eigentlich zu früh beendet. Und seinen Kampfrekord in sechsundzwanzig Ringeinsätzen auf eindrucksvolle 6-19-1 heruntergeschraubt.

Billy Wooten ist Boxer. Oder war. So jedenfalls sieht das die Florida Athletic Commission, verantwortlich für die Erteilung von Boxlizenzen. Und für deren Widerruf – Billy ist zur Zeit vom Boxzirkus suspendiert. Tommy Torino sieht das anders. Für Faustkämpfer wie Wooten oder seine Kollegen Charles Cue (0-8-1), Ralph "Bud" Monday (7-25-1) oder George Kellman (7-31-1) hat er gleich mehrere Namen: Fall Guys. Oder Stiffs. Corpse. Dead Man. Tomato Can. Eigentlich aber nennt er sie "Opponent", eine etwas irreführende Berufsbezeichnung, denn genau übersetzt heißt Opponent nichts weiter als Gegner. Meint aber das, was im Deutschen als Fallobst bezeichnet wird. Torino ist Matchmaker. Verantwortlich dafür, zwei Boxer in den Ring zu bekommen. Außerdem ist er die rechte Hand von Patrick Gerrit. In Miami betreiben die beiden mit "Gerrits Leprechaun Boxing" einen kleinen Boxstall, bestehend aus drei hoffnungsvollen Talenten, die alle irgendwann einmal reif sein sollen, für den Kampf um die Weltmeisterschaft. Wie aber wird man Herausforderer? Ganz einfach. Man boxt sich einen Kampfrekord zurecht, der es einem erlaubt, irgendwann einmal beim Champion anzuklingeln. Billy Wooten hingegen wird niemanden anrufen. Dafür sorgt indirekt auch Tommy Torino. Weil der stets seine Hausaufgaben macht. "Ich setze einem meiner 7-0 Boxer einen Mann wie Billy Wooten vor die Nase, weil ich glaube, daß Wooten gewinnen kann??? Wohl kaum!" Torino ist seit über 30 Jahre im Boxgeschäft. Erst als aktiver Amateur- und Profiboxer – er entließ sich sechsundzwanzigjährig mit einem Kampfrekord von 31-4 aus dem Ring – später dann im Dunstkreis von Chris Dundee, dem legendären Box-Promotor. "Matchmaking ist alles andere als leicht. Wie schnell passiert es, daß Du für Deinen Boxer, in den Du schon eine halbe Million Dollar investiert hast, einen Gegner besorgst, den keiner kennt. Und der haut dann Deinen Boxer um. Boxen ist schließlich die einzige Sportart, in der man sich seinen Gegner selbst aussucht. Das ist ein Riesenvorteil. Also studiere ich Videos und Kampfrekorde, kenne alle Boxer, fahre immer wieder zu Boxveranstaltungen."

Tommy kennt sie wirklich alle. Zumindest in Florida. Wieso eigentlich Florida? Boxen hat sicherlich kaum jemand auf dem Zettel, wenn es darum geht die Vorzüge des "Sunshine States" aufzuzählen. Dabei hat das Boxen hier eine Jahrzehnte alte Tradition. Und noch immer gilt der südliche Zipfel der USA als pugilistische Hochburg – gleich nach den Boxmetropolen Las Vegas und Atlantic City. George Foreman, Joe Frazier und Larry Holmes – sie alle traten hier unter der tropischen Sonne in den Ring. Doch der wohl berühmteste Kampf fand noch vor deren Zeit statt. Boxpuristen werden sich entsinnen, fast genau 35 Jahre ist es her, am 25.02.1964, da schlug Cassius "Großmaul" Clay zum ersten Mal wirklich aufsehenerregend zu – und entthronte den damaligen Weltmeister Sonny Liston durch einen T.K.O. in der 7 Runde. Schauplatz damals – der Miami Beach Convention Center. Veranstalter damals – Chris Dundee, dem "Godfather of Boxing", wie Torino voller Ehrfurcht befindet. Er war es auch, der über Jahre hinweg jeden Dienstag in Miami und Umgebung Boxkämpfe ausrichtete. Über 1000 (!) mal fanden Dundees legendären Tuesday Night Fights statt. Von den späten 50er bis hin zum Anfang der 80er. Im Miami Beach Auditorium und im Jackie Gleason Theater. Vor bis zu 5000 begeisterten Boxenthusiasten. Trainiert und gesparrt wurde in der 5th Street Gym auf der Washington Avenue – dem damaligen Epizentrum für Champions und solche, die es werden wollten. Muhammad Ali, Joe Louis, Sonny Liston, Ray Marciano , Roberto Duran und – Mickey Rourke, sie alle ließen Blut, Schweiß und Tränen in unzähligen Schlagsitzungen. Doch das war gestern. Die "Tuesday Fight Nights" sind Geschichte, die berühmte Gym heute ein Parkplatz

Mit dem Ende der 5th Street Gym und dem langsamen Rückzug Chris Dundees ging eine Ära zu Ende. Einige Zeit hing die südliche Boxszene in den Seilen. Doch seit ein paar Jahren leuchtet Miamis Stern wieder stark und hell am Boxfirmament. Der Erfolg hat viele Väter. Da sind zum einen Boxpromoter wie Julio Martinez oder Felix "Tutu" Zabalas. Hoffnungsvolle Eigengewächse wie Jeff Hill oder David Diaz. Die funkelnagelneue Trainingsanlage von Angelo Dundee in Hollywood. Und da sind die Indianer. "Gambling" ist das Zauberwort. Die Lizenz zum Glücksspiel. Die Miccosukee Indians haben sich direkt vor die Everglades ein riesiges Kasino bauen lassen. Wie in Las Vegas oder Atlantic City soll auch hier die Formel Glücksspiel plus Boxen gleich big bucks voll aufgehen. Don King hat schon seine Fühler ausgestreckt, die großen PAY TV Sender wie HBO oder Showtime übertragen live und auch Boxsprachrohr Michael "Let`s get ready to rumble" Buffer läßt es sich nicht nehmen, vor noch etwas spärlicher Kulisse seinen Bass ertönen zu lassen. Doch die ganz große Stimmung will nicht aufkommen. Dafür ist die Traglufthallenkonstruktion zu steril, das ganze Ambiente erinnert eher an ein Rodeo als an Boxen. Den Machern ist das egal, solange sich das Fernsehen die Übertragung größere Summen kosten läßt, könnte auch ohne Zuschauer geboxt werden.

Ganz anders beim Park Plaza Boxing in Hialeah Gardens. Hier lauern (noch) keine TV Kameras, hier blitzen höchstens ein paar Fotoapparate. Zwar ist auch hier die Hütte nicht ganz voll, die Atmosphäre ist dennoch einzigartig. In einem ziemlich heruntergekommenen Ballsaal eines etwas heruntergekommenen Hotels steht in der Mitte ein Boxring. Scheinwerfer gibt es nicht, gefightet wird unter dem matten Licht riesiger Kristalllüster. Es ist heiß und feucht. Das Mobilar, der Polyesterteppich, die Gardinen und Tapeten in den Farben der Saison von 1972 – alles atmet das Aroma unzähliger "bouts". Ein Geruch von Schweiß, Leder und Blut wird an die Luft gesetzt. Zusammen mit dem Qualm zahlreicher Zigarren, sorgt er für nebulöse Umstände. Das Publikum – nicht weniger undurchsichtig. Eine fröhliche Mischung abenteuerlich gekleideter Halbweltler jedweder Nationalität, deren spärlich bekleideter Begleiterinnen, einer Handvoll Boxsachverständiger- und Veteranen, einer Gruppe lärmender Jugendlicher, ein paar Polizisten, die ihrem Zweitjob als Saalordner nachgehen und ganz normalen Leuten, die einfach nur zuschauen wollen, wie erwachsene Männer und Frauen die Fäuste fliegen lassen. Die Athleten – eine fröhliche Mischung aus austrainierten Boxern und Boxerinnen – und deren Pendants, den Fall Guys ... oder Fall Girls. Federgewicht-Patient Tony Reyes mit dem imposanten Rekord von 2-20-2 muß in der Mitte der Distanz zu Boden. Sein Gegner aus Nicaragua pflanzt ihm eine Gerade mit einer solchen Hingabe ins Gesicht, daß bei Tony ganz schnell alle Lampen auszugehen drohen. Wie er trotzdem wieder in die Senkrechte gerät und sich über die Runden rettet, wird ewig sein Geheimnis bleiben. Die Ringrichter zeigen sich wenig beeindruckt ob solcher Nehmerqualitäten und verhelfen Tony zu einer weiteren Niederlage. Hauptkampf des Abends: Jeff "The Thrill" Hill gegen einen Kandidaten von den Kayman Inseln. Schon in der ersten Runde holt es den Mann aus der Karibik von den Füßen. Wie ein Derwisch tanzt Tommy Torino in der Ecke seines Schützlings. Brüllt zusammen mit dem Trainer Anweisungen. Und muß noch weitere sieben Runden zittern, bis das Schiedsgericht einen Punktsieg für seinen Stallkämpfer ausloben.

11.30. Ecke 35th Street NW und zweite Avenue, ebenfalls Nordwesten. Eine unspektakuläre Kreuzung in Hialeah, einem Stadtteil Miamis, in den sich der gemeine Pauschalurlauber nur verirrt, wenn er dreimal falsch abgebogen ist. Die Sonne steht fast senkrecht. Und scheint mit aller Kraft auf einen rechteckigen, häßlichen, fast fensterlosen Betonklotz. Draußen sind die Temperaturen schon längst nördlich der 30 Grad geklettert, welche Hitze muß dann erst drinnen herrschen? Ein graues Rolltor ist halb geöffnet und gibt den Blick frei auf einen ersten Boxring, hoch oben auf einem Podest. Zur Linken drischt ein domenikanisches Leichtgewicht hingebungsvoll auf einen Sandsack. Im zweiten Ring verprügelt Schwergewichtler Phil Jackson seinen eigenen Schatten. Über ihm, in großen Lettern an der unverputzten Wand die Worte "If you REALLY want to win, you will find a way. If not, you will find an excuse" – ein Winner wird immer einen Weg finden, ein Loser immer eine Ausrede. Hinter ihm, einige Boxnovizen, die sich an den Hanteln langweilen. Es ist noch wenig los – in der Gerrits Leprechaun Gym. Die beste Zeit, der Boxtrainer-Legende Chuck Talhami bei der Arbeit mit seinen Schützlingen über die Schultern zu schauen. Und es ist erstaunlich kühl. Vielleicht der Grund, warum Talhami schwarze Socken trägt? Nicht wirklich, denn die nackten Füße unvorbereiteter Besucher sind die perfekte Landezone für Moskitos im Formationsflug. No-See-Ums heißen die, etwa "die, die man nicht sehen kann"! Man fühlt sie um so mehr! Die Boxer scheint das nicht zu stören. Chuck auch nicht. Was macht ein Mann, dessen Name in einem Atemzug mit Angelo Dundee, Cus D`Amato oder Eddie Futch genannt werden muß, der Muhammad Ali, Jimmy Ellis und Dariusz Michalczewski zu Weltmeisterehren gecoacht hat, was macht ein solcher Mann in einem schlecht gelüfteten, moskitoverseuchten Büro von der Größe einer Hutschachtel? Er macht das, was er am Besten kann. Er sichtet den Stoff, aus dem die Helden sind. Sein jüngster Protegé – Tommy Martin, die große, weiße Antwort auf die allgegenwärtige schwarze Übermacht in der boxerischen Königsdisziplin – dem Schwergewicht. Und, wenn man Chucks emphatischen Worten Glauben schenkt, schon bald der King im Ring.

"You have to beat a king to be a king". Alte boxerische Binsenweisheit. Gleichzeitig aber auch die Hoffnung, an die sich Fallobstler wie Charles Cue klammern. Und immer wieder unverdrossen durch die Seile krabbeln, in den Ring steigen, auf den Lucky Punch hoffen und sich, weil sie ihn irgendwie wieder einmal nicht anbringen können, rigoros vermöbeln lassen. Heute allerdings hält sich die Prügel in Grenzen. Charles wurde zum Sparring mit Tommy Martin überredet. Sein Gesicht wirkt unter dem blauen Kopfschutz etwas gequetscht und über dem Ledersuspensorium wackeln gut und gerne 5 bis 10 Kilo Übergewicht. Mit der Leichtfüssigkeit ist es bereits nach wenigen Minuten vorbei. Tommy Martin schlägt zu. Immer wieder. Und er trifft. In seiner Ecke steht Chuck Talhami und gibt leise Kommandos. In Charles` Ecke steht niemand. Nach der dritten Runde ist es vorbei mit dem Ringzauber. "I am out of shape" japst der 35jährige nach Luft und plumpst erschöpft in einen Plastikstuhl. Martin hingegen verhaut noch zwei bis drei Sandsäcke, legt eine bestechende Sit-Up Serie hin und verholt dann in Richtung Dusche.

Tommy Martin und Charles Cue – größer könnten die Unterschiede kaum sein. Weiß und groß trifft auf schwarz und klein. 22 Jahre jung versus 35 Jahre alt. Behüteter Vorstadtjunge mit High-School Abschluß meets ehemaliges Ghettokid mit Drogen- und Alkoholproblemen. Eloquenz und Intelligenz gegen Sprücheklopferei und Bauernschläue. Cue ist ein Klassiker. Der Inbegriff des Fall Guy. Der Fighter, der immer wieder eingeschenkt bekommt. Mindestens vier Frontzähne sind missing in action. Unzählige Narben zieren Oberkörper, Arme und Hinterkopf. "Ach das, das kommt nicht vom Boxen", erklärt er mit einem Zischen in der Stimme. "Das kommt von der Straße. Mich hat einer mit dem Baseball-Bat erwischt. Direkt unter der Nase. Ja, und nun fehlt mir halt die Hälfte meines Esszimmers." Cue hat Humor. Und vom Boxen so gut wie keine Ahnung. Sagt jedenfalls Chuck Talhami. Mit einem milden Lächeln. Andere denken ähnlich. Cue hat weder Trainer noch einen ständigen Sparringspartner. In seinen neun Kämpfen hat er fünfmal Bodenbekanntschaft gemacht. Beim letzten Einsatz ging er so schwer K.O., daß ihm die Florida Athletic Commission nahelegte, sich einer neurologischen Untersuchung zu unterziehen. Trotzdem fabuliert er ungebrochen über seine boxerische Zukunft. " Der richtige Trainer, das richtige Training, das wärs. Ich habe das Zeug, ein ganz Großer zu werden." Sagt der Mann, der erst mit 33 Jahren den professionellen Faustkampf entdeckt hat. Der mittlerweile acht Kinder durchfüttern muß – fünf eigene und drei seiner neuen Freundin! Der für 125 Dollar am Tag Zement gießen geht. Und der sich auch beim nächsten Mal für 500 Dollar treu in den Ring stellt, damit die Martins und Co auf dem Weg nach oben locker einen weiteren Kampf auf der Habenseite buchen können.

"Er ist unbekannt – er kann viele Namen, er steht für viele." So steht es in dem Essay "Über Boxen" von der bekannten amerikanischen Autorin Joyce Carol Oates, Gemeint ist das Fallobst. "Seine Karriere ist von vornherein festgelegt: Er hat keine. Er verdient sein Leben als menschlicher Sandsack." "Nonsens", schnaubt George Kellman entrüstet. "Mich kann sie damit nicht gemeint haben." Vielleicht, vielleicht nicht. George ist Immobilienmakler und Mathematiklehrer an der High School. Und er ist Profiboxer. Sozusagen im Nebenerwerb. Ein Mann mit extrem flinken Händen und Füßen und einer noch flinkeren Zunge. Würde George so gut fighten wie er redet, hätte er sich nicht im vergangenen den zweifelhaften Titel "South Florida`s biggest loser" erboxt. George ist 7-31-1. In den letzten drei Jahren hat er keinen Kampf mehr gewonnen. Schuld haben die anderen. Mit einer Mischung aus stoischer Gelassenheit und einem rechthaberischen Wortschwall, dessen Rhetorik ein wenig an Muhammad Ali erinnert, referiert der Mann minutenlang en detail darüber, wie man ihm wann und wo den sicher geglaubten Sieg entrissen hat. "Politics", sagt er und meint damit nichts anderes, als das er als designierter "Opponent" kein Recht und damit keine Chance auf einen Punktsieg hat. Die Frage, warum er seinen prominenteren Gegenüber nicht einfach nachhaltig auf die Bretter schickt, hingegen bleibt unbeantwortet. "George Kellman?" Tommy Torino verdreht ein wenig die Augen und unterdrückt ein Grinsen bei der Analyse. "George Kellman boxt auf einem anderen Planeten. Aber er ist tough. Und in seiner Karriere noch nicht einmal wirklich K.O. gegangen." "Kein Wunder" meint Trainer Talhami, "der hat im Ring den schnellsten Rückwärtsgang und ist somit kaum zu treffen." Das glaubt man gern, wenn man dem Boxautodidakten Kellman beim Training zusieht. Die 38 Lenze stecken in einem Körper, der mindestens 15 Jahre jünger ist. Die Bewegungen sind nach 25 Jahre Tai-Chi ein Muster an Geschmeidigkeit. Auge, Nase, Unterkiefer – alles intakt. Warum hängt er die Boxhandschuhe nicht einfach an den Nagel? Weil er es genauso hält, wie ein von Oates zitierter Weltergewichtsboxer, der fast jeden Kampf den er focht, verlor: "Ich weiß, daß ich nicht schlecht bin. Was ich tue, tue ich gern. Ich liebe es zu boxen. ... Ich sehe mich schon, wie ich den Titel gewinne." Ähnlich sehen das auch die Wootens, die Kellmans, die Mondays und die Cues. Wenn alle so "erfolgreich" weiterboxen, werden sie irgendwann einen Champion mit ganz besonderen Meriten herausfordern. Reginald Strickland aus Indiana. 44 mal hat der gewonnen. Und 187 Mal verloren. Das macht ihn zum ultimativen Fall Guy im ganzen Land.