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"Miami Action" (Wellfit)
Floridas Metropole ist ein einzigartiges Outdoor-Gym – nicht nur beim Fitness Festival im März. Doch auch wer Strand- und Nachtleben genießen will, findet hier jede Menge Fun.
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“Wir wollen sofort baden!“ Kürzer und prägnanter ist dies nie gesagt worden. Ich stehe am Ankunftsterminal des Miami International Airports. Vor mir Susanne und Barbara, zwei Freundinnen, leicht übermüdet, mit einem Teint, aus dem sechs Wochen nieselndes Spätherbstwetter aus den Metropolen Hamburg und München grüßen. Ich muss grinsen, denn Südfloridas zu erwartenden Niederschläge sind zur Zeit Schweißperlen. Es ist heiß. Ich komplimentiere die beiden Bleichgesichter nebst größerem Marschgepäck in ein amerikanisches Cabrio älteren Baujahrs. An Bord bricht erste Hektik aus, kaum dass der Oldtimer Richtung Beach spurtet. Sonnenbrillen werden vermisst, Kopftücher fliegen davon und die Sonnencreme hat einen zu schwachen Lichtschutzfaktor. Verständlich, dass die Damen angesichts solch widriger Umstände kaum einen Blick haben für die glitzernden Glaspaläste Downtowns, für die Traumschiff-Flotte zur rechten und für die zur linken vorgelagerten Inseln Palm-, Hibiscus- und Star Island. Auch eine Anekdote über Fisher Island und den Becker-Rosenkrieg verhallt ungehört im Fahrtwind, schließlich lautet die Mission: Strand, Sun & Fun.

Nun ist in SoBe (South Beach), wie die Eingeborenen den südlichen Zipfel von Miami Beach getauft haben, Strand längst nicht gleich ... Strand. Zwar ist der Sand derselbe, allein wer sich darin aalt, ist je nach Location von lebhafter Abwechslung. Ich bemerke den verdutzten Ausdruck in den Gesichtern meiner Neuankömmlinge, als eine Phalanx knackig gebauter Jungs an ihnen vorbei pilgert, ohne sie eines Blickes zu würdigen. 12. Straße, kläre ich auf. Auf der Höhe Ocean Drive und 12. Straße tummeln sich die Herrschaften, die mehr für ihresgleichen übrig haben. Nach spätestens drei Tagen, weiß man, wo man selbst am liebsten liegen mag – ich empfehle meist den Abschnitt zwischen 2. und 3. Straße. Hier sonnt eine fröhliche Melange aus Einheimischen und Touristen, jung und nicht mehr ganz so jung, Models und Surfern – letztere dümpeln oft stundenlang im badewannenwarmen Wasser, um irgendwann triumphierend eine Welle abzureiten, die höher als 50 Zentimeter ist. Miami ist viel, ein Surfparadies ist es nicht.

Nach dem Bad im Meer, das in der Menge. Wo? Für viele ist es der längste Laufsteg der Welt, für andere schlicht der Ocean Drive. Kulisse unzähliger Filme, Schauplatz eines unvergessenen Verbrechens und Bühne für eine Karawane der Eitelkeiten, die scheinbar ziellos den palmengesäumten Asphalt entlang paradiert. People-Watching statt Whale-Watching – ich bitte in das Gastro-Fossil, das seit über 10 Jahren allen Trends trotzt: das New Café.

Stunden später, es ist früher Abend - die Damen haben sich müde gekuckt. Wie gut, dass die Unterkunft nur einen Block entfernt liegt. Im Mekka der Sonnenanbeter gibt es mehr als 400 Hotels. Und seit neuestem auch wieder das "Clinton". Jahrelang fristete das aus der Blütezeit des Art déco stammende Gebäude ein Mauerblümchendasein, es kam bestenfalls als Absteige für finanzschwache Rentner in Frage. Vor einem Jahr hat es sich neu herausgeputzt und gehört nun zu den ersten Adressen unter den Boutique-Herbergen. Bevor jetzt der Jetlag zuschlägt, fahren wir noch auf einen Drink in mein momentanes Lieblings ... . Hier sollte eigentlich eine gastronomisch taugliche Beschreibung folgen, aber das Segafredo ist alles und nichts. Benannt nach der italienischen Kaffeesorte, denkt man an ein Café – ganz falsch ist das nicht. Restaurant? Auch nicht verkehrt. Bar? Ebenso. Bistro? Vielleicht. Eigentlich aber sind es ein paar liebevoll inszenierte Stühle und Tische, die am oberen Ende der Lincoln Road, der Open-Air Einkaufsmeile, stehen. Und meistens steht dort auch Sergio, ein wieselflinker, kleiner Italiener, was bedeutet, dass wir wie von Geisterhand doch noch einen Sitzplatz bekommen – abends herrscht meist dichtes Gedränge. Kein Wunder, der Cuba Libre ist der beste der Stadt. An uns vorbei schwärmen schöne Menschen in die wie an einer Perlenkette aufgereihten Restaurants.

Schön. Schönes Stichwort. Die meisten der flanierenden Passanten sehen im Durchschnitt einfach besser aus, als Besucher und Einheimische andernorts. Miami Beach, Pool der genetisch Gesegneten? Oder Epizentrum gewandter Chirurgenskalpelle? Sicherlich von beidem nicht zu wenig. Das meiste jedoch ist Ausdruck harter Arbeit – zwischen Ocean Drive und Lincoln Road, zwischen 1. und 23. Straße wird ein hartes Fitnessregiment geführt. Jemanden zu finden, der sich nicht in einem der zahlreichen Fitness-Clubs trimmt, der kilometerlang über den Strand joggt oder über die durch kleine Brücken verbundenen Inseln skatet oder radelt, ist ebenso selten, wie zwei Regentage hintereinander zu erleben. Das mit dem Wetter ist nicht neu, das mit dem ausgeprägten Körperbewusstsein schon: Noch vor 20 Jahren war “Amerikas Riviera“ die geriatrische Endstation Sehnsucht – im einstmals so titulierten “Wartesaal Gottes“ residierten Amerikas Rentner und harrten dem letzten Sonnenuntergang. Dann kam Otto. Andere Katalogunternehmen folgten und entdeckten die Art déco Kulissen, die Strände und den ewig blauen Himmel. Es kamen die Fotografen, die Models. Dann die Immobilienspekulanten, die Homosexuellen, die Künstler. Und sie alle blieben und machten Miami, zu dem was es heute ist: Ein kosmopolitischer Tummelplatz äußerlich fröhlicher Leute, die scheinbar alle Probleme hinter sich gelassen haben.

Dem Lockruf des Sports können sich Susanne und Barbara natürlich nicht entziehen. Strandlauf ist angesagt. Im sandigen Geläuf wird man zu jeder Tageszeit Zeuge besonderer Sportsfreu(n)de. Morgens trifft man den selbst ernannten “Body Architect“ Antonio Almeido. Wenn die zierliche Person in seinem Schlepptau die Baseballkappe tief ins Gesicht gezogen hat, dann muss man nicht lange raten, es ist Miamis First Lady Gloria Estefan. Nachmittags, eine Begegnung besonderer Art, Robert “Raven“ Kraft, ein ganz in schwarz gekleideter, bärtiger 52-jähriger trabt am Wasser entlang. Warum besonders? Er macht das jeden Tag. Ununterbrochen seit Januar 1975. Im letzten Jahr im Mai kam der 10.000ste Tag – bei knapp 12 Kilometer pro Runde hat er nun schlappe 120.000 Kilometer auf dem Buckel, beziehungsweise unter den Füssen. Skurrile Fitnesstypen dieser Art hat Miami Beach eine Menge. Im Golds Gym an der Alton Road verprügelt ein ehemaliger Boxer seinen eigenen Schatten. Santa Fe nennt sich der Mann, wie er wirklich heißt, verrät er nicht. Er stammt aus Kuba, hat früher Mickey Rourke in Los Angeles in Form gebracht, trainiert heute Tennis Diva Anna Kournikova und lässt nun in der kultigen “Cardio-Kickboxing Class“ den Schweiß kübelweise von seinen keuchenden Zöglingen rinnen. Noch mehr gefürchtet, sein “Boot Camp“ – seine stakkatoähnlichen Anweisungen “bam bam bam“ treiben die Teilnehmer erst zu Höchstleistungen und dann fast ins Koma. Dass sich Santa Fe selbst der beste Kunde ist, zeigt ein Blick auf seinen Bauch, ihn Waschbrett zu nennen, wäre untertrieben, in den definierten Muskelpartien können Socken verschwinden.

Wer viel sportet, muss viel essen. Dachte ich mir. Wir machen Station im Nexxt, das Doppel-X steht für “extra large“. Anders sind die Portionen nicht zu begreifen. Als das Omelett in Radkappengröße serviert wird, ernte ich missbilligende Blicke. Etwas lustlos stochern die beiden in den Proteinbomben. Vielleicht hätte ich doch ein leichtes Lunch im mondänen Delano Hotel spendieren sollen. Na ja, als Wiedergutmachung für den Abend merke ich mir auf jeden Fall das Nobu im Shore Club Hotel vor, ein Gastro-Tempel der feineren, asiatisch-peruanisch inspirierten (und leider auch der etwas überteuerten) Küche, vor dem man wirklich niederkniet. Die Gelegenheit, auch gleich mit dem Klischee aufzuräumen, dass kulinarisch ausschließlich Hot Dogs und Hamburger reagieren. Im Amerika vielleicht, nicht aber im körperbewußten Miami Beach.

Schon gar nicht jetzt, stehen doch gleich zwei Fitness-Events an, bei dem noch mehr als sonst überschüssiges Fett abgerüstet gehört. Im Februar feiert das vom Ocean Drive Magazine inszenierte Volleypalooza seinen 11. Geburtstag. Was dieses Strandvolleyballturnier von anderen unterscheidet? Es dürfen nur Models pritschen, jedes Jahr melden die ansässigen Modellagenturen ihre hübschen und oft sogar auch schlagfähigen Truppen zum Netzangriff. Hunderte von Zuschauern und die Fernsehkameras von MTV und E! Entertainment baggern um die besten Plätze zur freien Sicht auf den perfekt schmetternden Körper. Im März sind dann nicht Hunderte, sondern Hunderttausende auf den Beinen, das Miami Fitness Festival jährt sich zu sechsten Mal. Das Motto frei nach Olivia Newton John “Let`s get physical“: Ob Spinning, Free Climbing an künstlichen Wänden, oder einer Runde Sparring im Boxring mit Profiboxern, hier kann sich jeder nach Herzenslust austoben. Nebenbei servieren die Veranstalter die neuesten Trends in Sachen Fashion, Ernährung und Ausrüstung. “So richtig erklären können wir uns den Erfolg auch nicht“, erzählt Organisatorin Donna Cyrus, “zumal wir im letzten Jahr sogar begannen, Eintritt zu nehmen.

Wir nehmen uns nach soviel Fitness eine Auszeit. Ich denke mir, ein Abstecher in die Everglades ist eine willkommene Abwechslung, lade in den Cadillac und steuere Kurs Richtung Key West. Auf halber Strecke bei Florida City liegt, längst abseits vom touristischen Airboat-Rummel, ein Abzweiger in den Everglades National Park. Schnell sind links und rechts die letzte Überreste der Zivilisation verschwunden, eine Moorlandschaft, aus dem ab und zu ein einsamer Baum wie ein stummer Vorwurf ragt fliegt am offenen Auto vorbei. Nicht sonderlich aufregend, bemerken die beiden Sumpf-Novizinnen nach einer guten halben Stunde. Da ist aber schon dreiviertel der 60 Kilometer langen Strecke, an deren Ende eine Tankstelle und eine kleine Hafenanlage namens Flamingo wartet, geschafft. Und dort ist wirklich Endstation, dort plumpst Florida sanft in den Golf von Mexiko. Hier steigen wir um aufs Wasser (wahlweise, je nach Fitness, Kanus oder größere Motorboote mit oder ohne Führung) und hier hebt sich dann auch sofort die Laune, fallen doch Flora und Fauna quasi in den Schoß. Mit ein wenig Glück stellen sich während einer Fahrt gleichzeitig Delfine UND Alligatoren ein ... ich hatte natürlich vorbestellt. Dazu Schildkröten, Schmetterlinge, kreischende Seevögel und eine Vielfalt exotisch blühender Pflanzen – all das nur knapp eine Autostunde vom brodelnden Miami entfernt.

Man kann auch in Flamingo übernachten, wir hingegen beließen es bei einem Tagesausflug. Schließlich wollen die Mädels ja auch noch tauchen, und zwar kopfüber in die Nacht. Aber wo? Viele Clubs haben die gleiche Halbwertszeit wie die derzeit nicht versiegende Quelle deutscher “Superstars“, was heute hip ist, schließt morgen schon wieder seine Pforten. Nicht erst seit dieser Saison angesagt, das Mynt. Dort lümmelt sich sogar manchmal ein Boris Becher in die Lounge-Kissen. In dieser gestylten Lounge-Club klingt die Nacht in mitten Miamis szenigem Partyvolk aus. Beginnen tut sie auf einen Drink an der Bar im Casa Tua. Nicht weil der dort am besten schmecken, sondern weil das Ambiente stilsicher einen Dialog zwischen einer Prise Toskana, ein wenig “Jenseits von Afrika“ und vornehmen Understatement des Miami von einst spinnt, etwas Einmaliges in der Glitzerwelt von South Beach.

Wahrscheinlich mehr als anderorts gilt für den schillernden Mikrokosmos Miami Beach die Devise: Mehr Schein als Sein. Doch der Schein, er ist ein schöner, die Leichtigkeit – böse Zungen werden jetzt von Oberflächlichkeit sprechen - mit der es sich hier leben lässt, man erträgt sie gern. Meinen auch Susanne und Barbara vor dem Abflug ins winterschlafende Deutschland. Die Sonne im Handgepäck, sie wird nicht lange halten. Deshalb gehört Florida einfach in den Koffer. Im April findet das Miami Fitness Festival erstmals auf deutschem Boden statt. Im Olympiapark von München. Garantiert mit Sun & Fun.