Ein Ort in Aufruhr. Skandal
in Little Rock. Mit allen (gerichtlichen) Mitteln
versuchten die Stadtväter, sich einer Dame aus
dem Schuldienst zu entledigen. Der Grund, die High-School
Lehrerin Connie Hamzy aus dem Verkehr zu ziehen, lag
nicht auf der Hand, sondern vielmehr zwischen ihren
Beinen: Frau H. hatte zuviel Verkehr. Mit zu vielen
prominenten Menschen aus der Musikszene. So steht es
jedenfalls in dem Buch “Rock Groupie“. Und
das wird schon stimmen, schließlich hat Connie
es selbst geschrieben.
Zugegeben, Übertreibung veranschaulicht. Also korrigiert
man einige Zahlen leicht nach unten, streicht, nicht
zuletzt wegen hartnäckiger Dementis, den ein oder
anderen Namen – im Ergebnis wird sich nichts ändern.
Die Pädagogin aus dem Bundesstaat Arkansas hat
sich ganz nach oben gepoppt. Top-Groupie der Geschichte,
dieser Titel ist ihr kaum streitig zu machen –
zumindest was die Mannigfaltigkeit ihrer “Opfer“
anging. Von den späten 70ern bis in die frühen
90er, von Jimmy Page zu Vanilla Ice, von Roadie bis
Background Vocals, die nimmersatte Paukerin blies und
vögelte alles, was unfallfrei den Namen LP buchstabieren
konnte.
Connies “erzieherische Leistungen“, um im
Pädagogenjargon zu bleiben, stehen stellvertretend
für ein Stück Musikgeschichte. Einige der
unzähligen sexuellen Eskapaden zwischen willigen
Rockstars und noch willigeren Groupies genießen
ähnlichen Kultstatus, wie die Musik selbst. Manchmal
gehen sie sogar Hand in Hand, der Song “Starfucker“
aus der Feder Jagger/Richards wird sicher nicht durch
einen Museumsbesuch inspiriert worden sein. Connie fand
sich in anderen Lyrics wieder. Mit den Worten “Sweet,
sweet Connie doin`her act ...“ huldigte die legendäre
Band Grand Funk in ihrer Hymne “We are an American
Band“ den Nehmer- und Geberqualitäten der
emsigen Mrs. Hamzy.
“Ein weiblicher Fan, der versucht, in möglichst
engen Kontakt mit der von ihr verehrten Person zu kommen“,
so lautet simplifiziert die Definition im Duden. Anders
ausgedrückt, das Groupie will kein Autogramm, es
will den Musikanten beschlafen. Prima, denn das harmoniert
mit den Vorstellungen des Künstlers. O-Ton John
Mellencamp “ Jemand, der nicht Gitarre spielt,
um eine Braut flach zu legen, lügt.“ Dazu
mische man die Aussage “Alle Instrumente, besonders
aber die Gitarre, sind Phallus-Symbole“, von Bebe
Buell, fertig sind zwei Drittel der berühmten Formel
Sex & Drugs & Rock`n´Roll.
Bebe weiß, wovon sie spricht. Diesem Groupie und
ihrer fruchtbaren Allianz mit dem Sänger einer
Band namens Aerosmith verdankt die Nachwelt immerhin
die Schauspielerin Liv Tyler. Unter ihren anderen Errungenschaften
fand sich neben dem in allen Groupie-Listen immer wieder
präsenten Mick Jagger, auch Klangkörper vom
Kaliber eines Elvis Costello. Was zu einer weiteren
Erkenntnis führt. Musik, besonders aber erfolgreiche
Musik macht sexy. Wäre der Rock-Nerd Costello,
eine Mischung aus Hühnerbrust, Hornbrille und Genie,
bei dem ehemaligen Playmate Bebe gelandet, wenn er keine
Platten verkauft hätte? Wohl kaum. Hätte der
teilzeitparanoide Axl Rose das Modell Stephanie Seymour
gebettet, wenn er Barkeeper in einer Musikkneipe gewesen
wäre? Nicht wirklich. Und die damals 13-jährige
Mandy Smith hätte sich sicher nicht bei dem kauzigen
Bill Wyman in den Schoß gepflanzt, wenn der, statt
bei den Rolling Stones, auf dem Finanzamt gearbeitet
hätte.
“Wenn es irgendwelche Kerle gibt, die noch hässlicher
sind, als ich, dann weiß ich nicht wo die sind.“
Ungeschminkte Wahrheiten aus den geistigen Untiefen
eines Herren, dem ständig die Zunge wie eine Serpentine
aus dem Gesicht fällt. Make-up oder nicht, Gene
Simmons von KISS ist hässlich. Was ihn nicht davon
abhält, sich nonchalant zum “King of Pussy“
zu krönen – und diesen zweifelhaften Anspruch
mit ca. 3000 Polaroids von Groupies zu untermalen, die
ihm in seiner langen Karriere sexuell gefällig
waren. Wie gut, dass da schon die eigene Band relativiert.
“In einer Rockband zu spielen und mit Sexabenteuern
zu prahlen, ist in etwa so, einen Wasserhahn aufzudrehen
und stolz zu verkünden, Wasser entdeckt zu haben“
, weist Bassist Paul Stanley seinen Sänger in die
Schranken.
Wie die Musik selbst, so unterlag das Paarungsverhalten
von Musikern und Mädels gewissen Modeströmungen.
In der Flowerpowerzeit der späten 60er war das
Schicksal von Star und Groupie enger verknüpft,
man feierte was das Zeug hielt, nahm Drogen und starb
dann. Kurz nacheinander. Beispiel Jimi Hendrix und Devon
Wilson. In dieser Zeit war das Verhältnis zwischen
den Geschlechtern noch persönlicher, befand Pamela
des Barres, ein berühmtes Groupie, das die Latte
besonders hoch legte. Nachzulesen in ihrem Buch “I
am with the Band“. Als monatelange Konzerttourneen
immer mehr die Musikszene prägten, änderte
sich das Bild. Jede zweite Nacht waren neue Horden anonymer
Groupies den Rockgrößen zu Diensten. Der
Sturm leichtbeschürzter Frauen auf die ungeschützten
Bastionen Backstage oder Reisebus ließ beispielsweise
Van Halen Versicherungen gegen Vaterschaftsklagen abschliessen.
Denn ... Touren hinterließ Spuren. Musikantennachwuchs,
en passant gezeugt, ging sprunghaft in die Höhe,
kein Wunder also, dass potente Artisten wie Jagger oder
Rod Stewart vielleicht das ein oder andere Kind zuviel
in die Welt setzten. Nirgends aber ging es so sehr zur
Sache, wie bei den Hard Rock Combos. Immer wieder gern
zitiert, die “Fisch-Nummer“ Led Zeppelins.
Die Jungs um Plant und Page, so geht die Mär, angelten
einst vom Hotel in Seattle aus einen kleinen Hai. Und
erweiterten mit dem kleinen Schwimmer den sexuellen
Horizont eines unbedarften Groupies. Sodom und Gomorrha
mit Musik. Gruppen wie Motley Crue oder Whitesnake machten
dann dort weiter, wo der Stairway to Heaven aufhörte.
Legendäres weiß auch die Truppe Def Leppard
zu berichten. Um sie von Freunden und Familien abzugrenzen,
wurden an besonders blasfreudige Probandinnen Back-Stage
Pässe mit der Aufschrift “Dik Likker“
ausgelobt. Das war in den 80er. Und heute? Boy Groups
und Aidsängste regieren das Terrain und halbgare
Troubadeure wie Marilyn Manson oder Kid Rock lösen
eben keine flächendeckende Hysterie wie Jim morrison
oder Mick Jagger aus. Von dem Ober-Stone heißt
es allerdings, dass er auch mit knapp 60 immer noch
nichts anbrennen läßt.
Anders als das Haltbarkeitsdatum von Jagger, ist das
der namhaften Groupies abgelaufen. Auch Connie Hamzy
kam in die Jahre. Aber aus dem Amt ließ sich übrigens
genauso wenig entfernen, wie ein anderer berühmter
Sohn der Stadt: Bill Clinton. Bei genauerem Hinsehen
eine interessante Duplizität der Ereignisse: er
geriet nicht zuletzt wegen einer zweckentfremdeten Zigarre
in die Bredouille. Sie unter anderem, weil sie sich
von Who-Drummer Keith “The loon“ Moon mit
einer Banane penetrieren ließ. Und dann soll ja
auch noch etwas zwischen Bill und Connie gelaufen sein.
Damals ... in Little Rock.
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