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"Sex wie ein Rockstar"
(Maxim 5/2002)

Partys, Groupies, Exzesse: Wer will nicht die ganz große Show genießen? Wie und wo das geht, haben uns potente Künstler von Keith Richards bis Kid Rock vorgemacht.
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Ein Ort in Aufruhr. Skandal in Little Rock. Mit allen (gerichtlichen) Mitteln versuchten die Stadtväter, sich einer Dame aus dem Schuldienst zu entledigen. Der Grund, die High-School Lehrerin Connie Hamzy aus dem Verkehr zu ziehen, lag nicht auf der Hand, sondern vielmehr zwischen ihren Beinen: Frau H. hatte zuviel Verkehr. Mit zu vielen prominenten Menschen aus der Musikszene. So steht es jedenfalls in dem Buch “Rock Groupie“. Und das wird schon stimmen, schließlich hat Connie es selbst geschrieben.

Zugegeben, Übertreibung veranschaulicht. Also korrigiert man einige Zahlen leicht nach unten, streicht, nicht zuletzt wegen hartnäckiger Dementis, den ein oder anderen Namen – im Ergebnis wird sich nichts ändern. Die Pädagogin aus dem Bundesstaat Arkansas hat sich ganz nach oben gepoppt. Top-Groupie der Geschichte, dieser Titel ist ihr kaum streitig zu machen – zumindest was die Mannigfaltigkeit ihrer “Opfer“ anging. Von den späten 70ern bis in die frühen 90er, von Jimmy Page zu Vanilla Ice, von Roadie bis Background Vocals, die nimmersatte Paukerin blies und vögelte alles, was unfallfrei den Namen LP buchstabieren konnte.

Connies “erzieherische Leistungen“, um im Pädagogenjargon zu bleiben, stehen stellvertretend für ein Stück Musikgeschichte. Einige der unzähligen sexuellen Eskapaden zwischen willigen Rockstars und noch willigeren Groupies genießen ähnlichen Kultstatus, wie die Musik selbst. Manchmal gehen sie sogar Hand in Hand, der Song “Starfucker“ aus der Feder Jagger/Richards wird sicher nicht durch einen Museumsbesuch inspiriert worden sein. Connie fand sich in anderen Lyrics wieder. Mit den Worten “Sweet, sweet Connie doin`her act ...“ huldigte die legendäre Band Grand Funk in ihrer Hymne “We are an American Band“ den Nehmer- und Geberqualitäten der emsigen Mrs. Hamzy.

“Ein weiblicher Fan, der versucht, in möglichst engen Kontakt mit der von ihr verehrten Person zu kommen“, so lautet simplifiziert die Definition im Duden. Anders ausgedrückt, das Groupie will kein Autogramm, es will den Musikanten beschlafen. Prima, denn das harmoniert mit den Vorstellungen des Künstlers. O-Ton John Mellencamp “ Jemand, der nicht Gitarre spielt, um eine Braut flach zu legen, lügt.“ Dazu mische man die Aussage “Alle Instrumente, besonders aber die Gitarre, sind Phallus-Symbole“, von Bebe Buell, fertig sind zwei Drittel der berühmten Formel Sex & Drugs & Rock`n´Roll.

Bebe weiß, wovon sie spricht. Diesem Groupie und ihrer fruchtbaren Allianz mit dem Sänger einer Band namens Aerosmith verdankt die Nachwelt immerhin die Schauspielerin Liv Tyler. Unter ihren anderen Errungenschaften fand sich neben dem in allen Groupie-Listen immer wieder präsenten Mick Jagger, auch Klangkörper vom Kaliber eines Elvis Costello. Was zu einer weiteren Erkenntnis führt. Musik, besonders aber erfolgreiche Musik macht sexy. Wäre der Rock-Nerd Costello, eine Mischung aus Hühnerbrust, Hornbrille und Genie, bei dem ehemaligen Playmate Bebe gelandet, wenn er keine Platten verkauft hätte? Wohl kaum. Hätte der teilzeitparanoide Axl Rose das Modell Stephanie Seymour gebettet, wenn er Barkeeper in einer Musikkneipe gewesen wäre? Nicht wirklich. Und die damals 13-jährige Mandy Smith hätte sich sicher nicht bei dem kauzigen Bill Wyman in den Schoß gepflanzt, wenn der, statt bei den Rolling Stones, auf dem Finanzamt gearbeitet hätte.

“Wenn es irgendwelche Kerle gibt, die noch hässlicher sind, als ich, dann weiß ich nicht wo die sind.“ Ungeschminkte Wahrheiten aus den geistigen Untiefen eines Herren, dem ständig die Zunge wie eine Serpentine aus dem Gesicht fällt. Make-up oder nicht, Gene Simmons von KISS ist hässlich. Was ihn nicht davon abhält, sich nonchalant zum “King of Pussy“ zu krönen – und diesen zweifelhaften Anspruch mit ca. 3000 Polaroids von Groupies zu untermalen, die ihm in seiner langen Karriere sexuell gefällig waren. Wie gut, dass da schon die eigene Band relativiert. “In einer Rockband zu spielen und mit Sexabenteuern zu prahlen, ist in etwa so, einen Wasserhahn aufzudrehen und stolz zu verkünden, Wasser entdeckt zu haben“ , weist Bassist Paul Stanley seinen Sänger in die Schranken.

Wie die Musik selbst, so unterlag das Paarungsverhalten von Musikern und Mädels gewissen Modeströmungen. In der Flowerpowerzeit der späten 60er war das Schicksal von Star und Groupie enger verknüpft, man feierte was das Zeug hielt, nahm Drogen und starb dann. Kurz nacheinander. Beispiel Jimi Hendrix und Devon Wilson. In dieser Zeit war das Verhältnis zwischen den Geschlechtern noch persönlicher, befand Pamela des Barres, ein berühmtes Groupie, das die Latte besonders hoch legte. Nachzulesen in ihrem Buch “I am with the Band“. Als monatelange Konzerttourneen immer mehr die Musikszene prägten, änderte sich das Bild. Jede zweite Nacht waren neue Horden anonymer Groupies den Rockgrößen zu Diensten. Der Sturm leichtbeschürzter Frauen auf die ungeschützten Bastionen Backstage oder Reisebus ließ beispielsweise Van Halen Versicherungen gegen Vaterschaftsklagen abschliessen. Denn ... Touren hinterließ Spuren. Musikantennachwuchs, en passant gezeugt, ging sprunghaft in die Höhe, kein Wunder also, dass potente Artisten wie Jagger oder Rod Stewart vielleicht das ein oder andere Kind zuviel in die Welt setzten. Nirgends aber ging es so sehr zur Sache, wie bei den Hard Rock Combos. Immer wieder gern zitiert, die “Fisch-Nummer“ Led Zeppelins. Die Jungs um Plant und Page, so geht die Mär, angelten einst vom Hotel in Seattle aus einen kleinen Hai. Und erweiterten mit dem kleinen Schwimmer den sexuellen Horizont eines unbedarften Groupies. Sodom und Gomorrha mit Musik. Gruppen wie Motley Crue oder Whitesnake machten dann dort weiter, wo der Stairway to Heaven aufhörte. Legendäres weiß auch die Truppe Def Leppard zu berichten. Um sie von Freunden und Familien abzugrenzen, wurden an besonders blasfreudige Probandinnen Back-Stage Pässe mit der Aufschrift “Dik Likker“ ausgelobt. Das war in den 80er. Und heute? Boy Groups und Aidsängste regieren das Terrain und halbgare Troubadeure wie Marilyn Manson oder Kid Rock lösen eben keine flächendeckende Hysterie wie Jim morrison oder Mick Jagger aus. Von dem Ober-Stone heißt es allerdings, dass er auch mit knapp 60 immer noch nichts anbrennen läßt.

Anders als das Haltbarkeitsdatum von Jagger, ist das der namhaften Groupies abgelaufen. Auch Connie Hamzy kam in die Jahre. Aber aus dem Amt ließ sich übrigens genauso wenig entfernen, wie ein anderer berühmter Sohn der Stadt: Bill Clinton. Bei genauerem Hinsehen eine interessante Duplizität der Ereignisse: er geriet nicht zuletzt wegen einer zweckentfremdeten Zigarre in die Bredouille. Sie unter anderem, weil sie sich von Who-Drummer Keith “The loon“ Moon mit einer Banane penetrieren ließ. Und dann soll ja auch noch etwas zwischen Bill und Connie gelaufen sein. Damals ... in Little Rock.