"So machen es Krokodil, Hai und Hahn" (Penthouse 05/08)
Eigenbefruchtung, Transvestitentum, sexuelle Mimikry – die Tierwelt kennt neben dem klassischen “Rein, Raus” viele Formen der Fortpflanzung.
 

Kleines Rätsel: Die schönste Nebensache der Welt und sie beginnt mit einem „F“? Richtig. Die Fortpflanzung. Ein jeder ist so einigermaßen informiert, wie es geht und Spaßmachen tut es obendrein. Sieht man einmal von der immaculata conceptio, der unbefleckten Empfängnis oder der Jungfrauengeburt ab, beides Ereignisse, die weniger biologischen als vielmehr religiösen Ursprungs sind, dann läuft das ganze beim Homo Sapiens nach Schema F. F wie ... Ficken. Die Damen und Herren kopulieren, indem ihre Geschlechtsteile passgenau ineinander finden, Sperma meets Eizelle und neun Monate später wird ein neuer Steuerzahler geboren.

Wie aber vermehrt es sich im Tierreich? Wie machen es beispielsweise Schlange, Hai oder Krokodil? Gäbe es wenigstens einen aufklärerischen Reptilien-Porno, man wäre schlauer. Bleibt also nur der Blick in Brehms Tierleben oder in eine dieser pseudowissenschaftlichen Tierdokus auf dem Discovery Channel, in denen Fachkräfte wie „Crocodile Hunter“ Steve „vom Rochen erstochen“ Irwin posthum vor weit aufgerissenen Kinderaugen auch noch die kleinste Kreatur vor die Kameralinse zerren. Was also lernen wir? Es gibt sie doch, die Jungfrauengeburt. Ob vom Pontifex Maximus sanktioniert oder nicht, in Flora und Fauna bedient sich gleich eine ganze Reihe von Lebensformen der eingeschlechtlichen Fortpflanzung. Parthenogenese nennt das die Wissenschaft, ein Vorgang, der das Männchen überflüssig macht und Alice Schwarzer aufhorchen lässt. Ein Kandidat, der sich für diese zwar leidenschaftslose, aber wohl stressfreie Vermehrung entschloss, ist Sphyrna tiburo. Im Volksmund auch Schaufelnasen-Hammerhai genannt. Eine Probandin im Zoo von Omaha konnte den Nachweis zweifelsfrei erbringen, sie gebar Nachwuchs obwohl weit und breit im Staate Nebraska kein männlicher Hai aufzutreiben war. Dieses scheinbar willkürliche, aber für die Arterhaltung durchaus wichtige Umschalten von sexuelle auf asexuelle Vermehrung beherrscht auch das Kommodo-Waran Weibchen. In Ermangelung eines potenten Echsenkerls macht die Drachendame in Eigenbefruchtung. Noch einen Schritt weiter in der Evolution – fragt sich nur, in welche Richtung – ist ein nur 15 cm langes Reptil aus Südostasien: Die Blumentopfschlange. So kurz, und so viel Genmaterial! Sie verfügt gleich über einen dreifachen Chromosomensatz. Toll. Und es gibt nur Weibchen! Nicht so toll. Da sich die 6–20 mm langen Eier ohne männliche Spermien entwickeln, schlüpfen aus den Eiern wieder nur Töchter. Das sichert zwar auf Dauer den Bestand, doch herrscht nicht gerade Vielfalt im Genpool.

Das Gros der Säuger, Schwimmer oder Flieger aber frönt durchaus dem Geschlechtsverkehr. Äußerst ruppig geht es bei den Knorpelfischen zu. Der Haimann verfügt über einen Klasper (von der Funktionalität ähnlich wie der Penis dieses Redakteurs), eine Art modifizierte Bauchflosse, röhrenartig eingerollt. Die Haifrau hat eine Kloake, das ist der Endabschnitt des Darmkanals, in den die Genital- und Exkretionsorgane friedlich vereint zu Hause sind. Ist Paarung angesagt, beißt das Männchen dem Weibchen herzhaft in die Brustflossen, einmal um sie in Position zu bringen, zum anderen um sich ordentlich festzuhalten, damit der Klasper ausfahren kann. Fertig ist die Haibrut.

Krokodilsex läuft ähnlich ab, allerdings kommt noch Lärm und Gestank dazu. Das Männchen signalisiert seine Geilheit mit ohrenbetäubenden Brunftschreien und der Aussonderung von viel Moschus. Da weißt die Krokodildame gleich, was auf sie zu kommt. Das Männchen dockt in der stabilen Seitenlage beim freischwebenden Weibchen an, zwei Kloaken finden zu einander – beim maskulinen Reptil befindet sich der Penis nämlich auch am Darmausgang. So vereinigt, rubbeln die beiden bis zu 5 Minuten aufeinander herum und tauchen dann ab. Pimpern Schlangen, dann kommt ein so genannter Hemipenis (griech. „halb“) zum Einsatz ­– das ist eine „Einstülpung in der Kloakenwand auf beiden Seiten der Schwanzwurzel, die zur Kopulation ausgestülpt wird.“ Je nach Lage der Dinge, sprich des Weibchens, kommt immer nur ein „halber“ Penis zum Einsatz.

Überhaupt weisen die Vermehrungsmodalitäten im Tierreich viel Kurioses auf. So gilt das männliche Seepferdchen als besonders vom Schicksal gebeutelt, es wird nämlich – als einzige Tierart ­– schwanger. Das Weibchen legt einfach die Eier in den Brustbeutel des Männchens, checkt ab und an deren Wohlbefinden und geht ansonsten mit ihren Seepferchenfreundinnen shoppen. Was haben Tintenfisch und Sonnenbarsch gemeinsam? Sie bedienen sich der sexuellen Mimikry. Zu Deutsch: Sie werden zu Transvestiten ... anders als beim Menschen ist diese Neigung allerdings aus der Not geboren. Weil zur Paarungszeit ein Überangebot an kräftigen Männchen zirkuliert, tarnen sich eher schwächere Exemplare als Frau, drängen sich beim Vermehrungsakt zwischen ihre größeren Nebenbuhler und pimpern blitzschnell das perplexe Weibchen.

Und wie vögelt das Geflügel? Abseits von Legebatterien, also dort wo der Gockel noch Herr im Haus ist, kommt er nach einer fröhlichen Balz ohne viel Federlesen zum Schuß. Tretakt heißt der Vollzug des Ganzen, mittels seines Schnabels drückt der Hahn die Henne nach unten und brummt ihr dann richtig schön von hinten rein – geschockt hebt das Federvieh den Hintern und so läuft dann die Samenflüssigkeit in die ... da haben wir sie erneut ... Kloake. Den wahren Vogel aber schießt Oxyura vittata ab, die argentinischen Ruderente. Fröhliche 32.5 Zentimeter misst des Erpels Rohr, die Spitze ist bürstenähnlich beschaffen. Warum? Bevor er die Ente bürstet, macht er angeblich bei der Gespielin noch schnell eine Generalreinigung und befreit den Eileiter vom Ejakulat des Vorgängers. Saubere Sache. Im erigierten Zustand übrigens wächst das Arbeitsgerät auf stolze 42.5 Zentimeter, das sind gerade einmal 1.5 weniger als Pornoikone Long Dong Silver auswies – der hatte sicherlich niemals gedacht, dass man sein Gemächt einmal mit dem einer Ente vergleichen würde.