Kleines Rätsel: Die schönste
Nebensache der Welt und sie beginnt mit einem „F“? Richtig. Die Fortpflanzung. Ein jeder ist so einigermaßen
informiert, wie es geht und Spaßmachen tut es
obendrein. Sieht man einmal von der immaculata conceptio,
der unbefleckten Empfängnis oder der Jungfrauengeburt
ab, beides Ereignisse, die weniger biologischen als
vielmehr religiösen Ursprungs sind, dann läuft
das ganze beim Homo Sapiens nach Schema F. F wie ...
Ficken. Die Damen und Herren kopulieren, indem ihre
Geschlechtsteile passgenau ineinander finden, Sperma
meets Eizelle und neun Monate später wird ein
neuer Steuerzahler geboren.
Wie aber vermehrt es sich im Tierreich? Wie machen
es beispielsweise Schlange, Hai oder Krokodil? Gäbe
es wenigstens einen aufklärerischen Reptilien-Porno,
man wäre schlauer. Bleibt also nur der Blick in
Brehms Tierleben oder in eine dieser pseudowissenschaftlichen
Tierdokus auf dem Discovery Channel, in denen Fachkräfte
wie „Crocodile Hunter“ Steve „vom
Rochen erstochen“ Irwin posthum vor weit aufgerissenen
Kinderaugen auch noch die kleinste Kreatur vor die
Kameralinse zerren. Was also lernen wir? Es gibt sie
doch, die Jungfrauengeburt. Ob vom Pontifex Maximus
sanktioniert oder nicht, in Flora und Fauna bedient
sich gleich eine ganze Reihe von Lebensformen der eingeschlechtlichen
Fortpflanzung. Parthenogenese nennt das die Wissenschaft,
ein Vorgang, der das Männchen überflüssig
macht und Alice Schwarzer aufhorchen lässt. Ein
Kandidat, der sich für diese zwar leidenschaftslose,
aber wohl stressfreie Vermehrung entschloss, ist Sphyrna
tiburo. Im Volksmund auch Schaufelnasen-Hammerhai genannt.
Eine Probandin im Zoo von Omaha konnte den Nachweis
zweifelsfrei erbringen, sie gebar Nachwuchs obwohl
weit und breit im Staate Nebraska kein männlicher
Hai aufzutreiben war. Dieses scheinbar willkürliche,
aber für die Arterhaltung durchaus wichtige Umschalten
von sexuelle auf asexuelle Vermehrung beherrscht auch
das Kommodo-Waran Weibchen. In Ermangelung eines potenten
Echsenkerls macht die Drachendame in Eigenbefruchtung.
Noch einen Schritt weiter in der Evolution – fragt
sich nur, in welche Richtung – ist ein nur 15
cm langes Reptil aus Südostasien: Die Blumentopfschlange.
So kurz, und so viel Genmaterial! Sie verfügt
gleich über einen dreifachen Chromosomensatz.
Toll. Und es gibt nur Weibchen! Nicht so toll. Da sich
die 6–20 mm langen Eier ohne männliche Spermien
entwickeln, schlüpfen aus den Eiern wieder nur
Töchter. Das sichert zwar auf Dauer den Bestand,
doch herrscht nicht gerade Vielfalt im Genpool.
Das Gros der Säuger, Schwimmer oder Flieger aber
frönt durchaus dem Geschlechtsverkehr. Äußerst
ruppig geht es bei den Knorpelfischen zu. Der Haimann
verfügt über einen Klasper (von der Funktionalität ähnlich
wie der Penis dieses Redakteurs), eine Art modifizierte
Bauchflosse, röhrenartig eingerollt. Die Haifrau
hat eine Kloake, das ist der Endabschnitt des Darmkanals,
in den die Genital- und Exkretionsorgane friedlich
vereint zu Hause sind. Ist Paarung angesagt, beißt
das Männchen dem Weibchen herzhaft in die Brustflossen,
einmal um sie in Position zu bringen, zum anderen um
sich ordentlich festzuhalten, damit der Klasper ausfahren
kann. Fertig ist die Haibrut.
Krokodilsex läuft ähnlich ab, allerdings
kommt noch Lärm und Gestank dazu. Das Männchen
signalisiert seine Geilheit mit ohrenbetäubenden
Brunftschreien und der Aussonderung von viel Moschus.
Da weißt die Krokodildame gleich, was auf sie
zu kommt. Das Männchen dockt in der stabilen Seitenlage
beim freischwebenden Weibchen an, zwei Kloaken finden
zu einander – beim maskulinen Reptil befindet
sich der Penis nämlich auch am Darmausgang. So
vereinigt, rubbeln die beiden bis zu 5 Minuten aufeinander
herum und tauchen dann ab. Pimpern Schlangen, dann
kommt ein so genannter Hemipenis (griech. „halb“)
zum Einsatz – das ist eine „Einstülpung
in der Kloakenwand auf beiden Seiten der Schwanzwurzel,
die zur Kopulation ausgestülpt wird.“ Je
nach Lage der Dinge, sprich des Weibchens, kommt immer
nur ein „halber“ Penis zum Einsatz.
Überhaupt weisen die Vermehrungsmodalitäten
im Tierreich viel Kurioses auf. So gilt das männliche
Seepferdchen als besonders vom Schicksal gebeutelt,
es wird nämlich – als einzige Tierart – schwanger.
Das Weibchen legt einfach die Eier in den Brustbeutel
des Männchens, checkt ab und an deren Wohlbefinden
und geht ansonsten mit ihren Seepferchenfreundinnen
shoppen. Was haben Tintenfisch und Sonnenbarsch gemeinsam?
Sie bedienen sich der sexuellen Mimikry. Zu Deutsch:
Sie werden zu Transvestiten ... anders als beim Menschen
ist diese Neigung allerdings aus der Not geboren. Weil
zur Paarungszeit ein Überangebot an kräftigen
Männchen zirkuliert, tarnen sich eher schwächere
Exemplare als Frau, drängen sich beim Vermehrungsakt
zwischen ihre größeren Nebenbuhler und pimpern
blitzschnell das perplexe Weibchen.
Und wie vögelt das Geflügel? Abseits von
Legebatterien, also dort wo der Gockel noch Herr im
Haus ist, kommt er nach einer fröhlichen Balz
ohne viel Federlesen zum Schuß. Tretakt heißt
der Vollzug des Ganzen, mittels seines Schnabels drückt
der Hahn die Henne nach unten und brummt ihr dann richtig
schön von hinten rein – geschockt hebt das
Federvieh den Hintern und so läuft dann die Samenflüssigkeit
in die ... da haben wir sie erneut ... Kloake. Den
wahren Vogel aber schießt Oxyura vittata ab,
die argentinischen Ruderente. Fröhliche 32.5 Zentimeter
misst des Erpels Rohr, die Spitze ist bürstenähnlich
beschaffen. Warum? Bevor er die Ente bürstet,
macht er angeblich bei der Gespielin noch schnell eine
Generalreinigung und befreit den Eileiter vom Ejakulat
des Vorgängers. Saubere Sache. Im erigierten Zustand übrigens
wächst das Arbeitsgerät auf stolze 42.5 Zentimeter,
das sind gerade einmal 1.5 weniger als Pornoikone Long
Dong Silver auswies – der hatte sicherlich niemals
gedacht, dass man sein Gemächt einmal mit dem
einer Ente vergleichen würde.
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