„Ich will dich blasen,“ bettelt
das Modell Marke geile Hausfrau mit osteuropäischem
Akzent, nestelt an ihren Plastiktitten und schaut mir
dabei eindringlich in die Augen. Fasziniert-geil starre
zurück. Und ich bin nicht allein. Laut Statistik
teile ich die blasfreudige Dame bereits mit einer halben
Million anderer Voyeure. Denn natürlich blickt
sie mir nicht wirklich in die Augen, sondern in die
Linse eines erregt-erigiert schwenkenden Kameramannes,
der Anstalten macht, ihr mehr als nur sein Arbeitsgerät
in den Mund zu stecken. Abzurufen ist das 13-minütige
Spektakel unter dem Appetitmachenden Namen „Geiler
Fick in der Küche“ im Internet. Genauer:
Auf www.youporn.com
Was genau ist YouPorn? Vordergründig ein Riesenerfolg.
Weiß Alexa. Und die muss es wissen. Dabei gehört
sie nicht zu den Millionen von Exhibitionisten, die
ihre Haut dort digital zu Markte tragen, Alexa ist
ein Serverdienst, der Daten über Webverkehr dokumentiert.
Bei YouPorn stehen die Zeichen auf Dauerhoch, es herrscht
so viel Verkehr, dass die Seite von Platz 400 bis auf
derzeit Platz 27 (in Deutschland gar Platz 15) der
meistbesuchtesten Websites hochgeschnellt ist – innerhalb
nur eines Jahres. YouPorn, das ist die Manifestation
von Porn 2.0, das ist YouTube ohne Höschen, das
ist ein sexuelles Kuriositätenkabinett mit Tausenden
von Kurzvideos, in denen Amateure und Profis ihre Höhepunkte
einem Millionenpublikum vorejakulieren. Vor allen Dingen
aber ist das Sehen und Gesehenwerden bei YouPorn umsonst.
Mitmachen kann jeder, es reicht Kamera und Internetanschluss,
einen Darstellernachweis braucht es nicht und so dilettieren
in der Hauptsache Menschen wie du und ich mit wackeligem
Hintern und noch wackeligeren Handycams und filmen
sich tiefer denn je unter die Gürtellinie. Früher
hieß dieser Bereich Intimsphäre – ein
schnelles Uploading und intim war gestern. Das eigene
Schlafzimmer, wahlweise auch der Fahrstuhl, das Klassenzimmer
(„Geiler Wix in der Schulstunde“), eine
Waldlichtung („English Mature Outside Fuck“ – eine
schwergewichtige Britin wird von ihrem angelschnurdünnen
Beschäler ins Geäst genagelt) oder die H&M
Umkleidekabine, sie alle werden zum Tor ins virtuelle
Sodom & Gomorrha. Anders als prominente Vorreiterinnen
wie Pamela Anderson oder Paris Hilton, deren Sexkapaden
einen gewissen Kultstatus genießen, warten auf
Otto und all die anderen Normalverbraucher nicht Andy
Warhols sprichwörtliche 15 Minutes of Fame. Und
doch kennt die Schamgrenze auf dem Weg ins Bodenlose
kein Halten. Der gern zitierte Medienpsychologe Prof.
Dr. Jo Goebel kam dem Massenphänomen mit den Worten „So
eine Seite ist der neue Kegelclub. Die Leute fühlen
sich aufgehoben als Teil einer Gemeinschaft.“ auf
die Spur. Virtueller Bumsclub wäre die vielleicht
treffendere Bezeichnung. Eine COSMOPOLITAN Umfrage
will herausgefunden haben, dass 15% aller Frauen schon
einmal ein Sexvideo gedreht hat, inklusive ihrer Zustimmung.
Keine Zahlen gibt es darüber, wie viele von denen
damit einverstanden sind, wenn der spätere Ex-Freund
die Nümmerchen unter dem Label „Ich ficke
meine Ex von hinten“ ins Netz stellt.
Täglich buhlen im Netz über 250 neue Seiten
mit pornografischen Inhalten um Aufmerksamkeit, 30.000
User schalten sich zu – pro Sekunde. File Sharing
und User-Generated Content sind die Gebote der Stunde.
Während sich YouPorn und deren grassierende Klons
wie TimTube, PornFlag, RedTube und PornoTube über
Bannerwerbung finanziell gesund stoßen, gucken
kommerzielle Pornoanbieter in die Röhre, ihr Kerngeschäft,
der Verkauf von Sex-DVDs knickt ein. Die 10 Milliarden
Euro schwere Adult Entertainment Industrie ist waidwund
und keiner röhrt lauter als der schwerste Industrielle
von allen – der Chef von Vivid Entertainment,
Steve Hirsch. Er zerrte unlängst YouPorn vor Gericht.
Begründung: Dort seien vermehrt Inhalte kommerzieller
Pornos gesichtet worden, deren Copyright bei ihm lägen.
Doch wer ist eigentlich YouPorn?
So glasklar der Erfolg scheint, so milchig-trüb
sind die Besitzverhältnisse. Hirsch selber hatte
vor gut einem Jahr mit einem YouPorn Macher zu tun.
Angeblich. Ein Mann namens Stephen Paul Jones, 28,
Big Player von eigenen Gnaden aus Silicon Valley schneite
vorbei und bot ihm den Laden für 20 Millionen
Dollar an – ein Schnäppchen im Vergleich
zu den mehr als 1.5 Mrd. Dollar die Google für
YouTube hinblätterte. Hirsch lehnte ab, Jones
verschwand. Allerdings nicht ohne Duftmarken in verschiedenste
Richtungen zu setzen. Ein Malaysier namens Zach Hong
mit Wohnsitz in Australien soll einer der Strippenzieher
von YouPorn sein, auf Anfrage bestätigt er sein
Engagement, mehr aber auch nicht. Der Firmenmantel
heißt Midstream Media International, der Firmensitz
ist kaum mehr als ein Postfach in den Niederländischen
Antillen. Von dort führt die Spur zu einer Firma
namens VISIT-X B.V, sie sitzt im holländischen
Ijmuiden und gibt sich als Eigentümer von der
YouPorn Live Cam Seite aus. Verwirrend? Und dann kursiert
in der Branche noch das Gerücht, das ein unbekannter
Deutscher hinter allem steckt. Bisher jedenfalls hat
noch niemand einen wirklich nachvollziehbaren Eigentumsnachweis
erbracht. Den Heerscharen von Usern ist der sowieso
egal, so lange ihnen bei der täglichen Fleischschau
niemand in die Parade fährt. So wie unlängst
der deutsche Internet-Provider Arcor, der kurzfristig
den Zugang kappte und Millionen von Wichsern ohne Vorlage
verweisen ließ.´
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