“Jetzt!“ Kürzer
und prägnanter hätte die Antwort nicht ausfallen
können. Und es ist auch kein zögerliches,
sondern ein entschiedenes “Jetzt“, das Guillermo
Vinelli auf die Frage serviert, wann man sich wieder
mit dem Immobilienmarkt in Argentinien beschäftigen
sollte. Paul Reynolds und Ian Colvill-Jones teilen seine
Einschätzung. Ohne wenn und aber, was nicht wundern
braucht, alle drei Herren sind seit langen Jahren Immobilenmakler
in Buenos Aires, sie wollen Geschäfte machen, aber
sie kennen auch den Markt.
Der, dafür sprechen nicht nur die Experten, sondern
auch alle Indikatoren, befindet sich im Vorwärtsgang.
Noch weiter rückwärts, allerdings, so wie
unmittelbar nach dem Quasi-Zusammenbruch im Anschluss
an die Währungskrise vor gut eineinhalb Jahren
wäre auch kaum gegangen. Ende 2001, nach mehrjähriger
Rezession leistete die Mitte-Links Regierung den wirtschaftlichen
Offenbarungseid, Konten wurden eingefroren, auf den
Straßen brachen gewaltsame Proteste aus, innerhalb
von nur 12 Tagen verschliss das Land fünf Präsidenten.
Angesichts ausufernder Auslandsschulden und verheerender
Handelsbilanzdefizite wurde die Dollarbindung der heimische
Währung aufgeben – der Peso begann zu floaten
und verlor sofort 75 % seines Wertes. Inzwischen hat
er sich erholt und notiert im Verhältnis 3 zu 1
zum Dollar. Anschließend gelang der Regierung
Duhalde zweierlei - überraschenderweise: Ruhe und
Ordnung, sowie das Vertrauen sowohl beim Volk als auch,
bedingt, im Ausland wiederherzustellen. Und das Inflationsgespenst
wirksam zu bekämpfen.
Folgt nun daraus: Vor der Abwertung war Argentinien
teuer, jetzt ist es billig? Auch wenn das reichlich
simpel klingt, im Grunde schon. Maria Reynolds von Reynolds
Propiedades Buenos Aires gibt ein exemplarisches Beispiel.
“Eine Immobilie, die 1997, als der Markt begann,
nach unten zu drehen, 200.000 Dollar, respektive Peso
kostete, war Ende 2001 noch 160.000 wert. In den ersten
drei Monaten in 2002 ging sie dann zurück bis auf
85.000 Dollar. Und jetzt, je nach Lage, notiert sie
wieder zwischen 100.000 und 115.000 Dollar. Es ist also
noch viel Luft nach oben.“ Der Markt für
Büroraum kam faktisch zum Erliegen und hat auch
heute noch das größte Potential, bei Wohnungen
und Häusern wurden ca. 50% des Wertes eingebüßt.
Anders der Markt für Farmland. Die Preise für
Estancias blieb relativ stabil. Warum? “Es ist
ein sehr enger Markt, auch wenn es natürlich unheimlich
viel Land gibt“, referiert Ian Colvill Jones,
dessen Firma sich auf landwirtschaftliche Investments
spezialisiert hat. “Durch die Währungsreform
zogen die Exporte Argentiniens schlagartig an, gerade
die landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die Weltmarktpreise
waren stabil und viele Farmer, deren Schulden durch
die Abwertung quasi wegfielen, hatten nun genug Kapital,
zusätzliches Land zu erwerben“, lautet seine
Analyse. Es setzte ein regelrechter Boom auf Parzellen
ein, traditionell Land, das großflächig veräußert
wird, denkt man beispielsweise an die Bennetton-Brüder,
die zu den größten Schafhirten im Land gehört.
Und so richtet sich auch das wieder steigende Interesse
aus Deutschland vermehrt in Richtung Landwirtschaft.
Reinhold Meyer, geschäftsführender Vorstand
der deutsch-argentinischen IHK weiß von einigen
Anfragen zu berichten. Einige davon mit etwas abenteuerlichen
Vorstellungen. “Manche glauben, es genügen
200.000 Euro, um eine Estancia zu betreiben. Andere
möchten sich über landwirtschaftliche Investmentfonds
an Betrieben beteiligen, am Liebsten als Mehrheitsaktionär.
Natürlich ist aber kaum ein Betreiber hier gewillt,
sofort 50% seines Betriebes abzugeben.“
Gibt es Risiken angesichts dieser Goldgräberstimmung?
Meyers Einschätzung ist natürlich objektiver,
als die vieler Makler. “Vielleicht eine gewisse
Rechtsunsicherheit. Wir mussten ja im letzten Jahr erleben,
wie rigoros in die Eigentumsrechte eingegriffen wurde,
wenn auch nur auf dem Geldmarkt. Es gab aber keine Enteignungen,
Beschränkungen für Ausländer oder Anzeichen,
dass ausländische Investoren ihr Geld verlieren
könnten, Es bleiben aber Restriktionen beim Verkauf
und dem Rücktransfer der Gelder ins Ausland, aber
auch dort wird immer mehr liberalisiert.“ Fazit:
Es kann also “jetzt“ losgehen, allerdings
wohl überlegt und gut vorbereitet.
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