18 Millionen
Euro ... und eine Abrissbirne! So in etwa
würde die Schlagzeile in der BILD lauten, hätte
sich ähnliches in deutschen Landen abgespielt.
Was sich unlängst im vom Immobilienfieber geschüttelten
Sydney zutrug, war der lokalen Presse eine entsprechende
Headline wert. Denn im exklusiven Stadtteil
Vaucluse wechselte das „Tahiti“ den Besitzer:
2046 qm Wassergrundstück mit Blick auf Sydney
Harbour und die City, 1100 qm Wohnfläche inklusive
diverser Gästehäuser, einer Poollandschaft
und einer eigenen Diskothek. Ein Anwesen mit einem
Touch von Südsee, das führt der Name zweifellos
im Schilde. Die neuen Besitzer, Millionäre aus
Südafrika, führen ebenfalls exotisches
im Schilde, sie ließen durchsickern, dass sie
alles abzureißen gedachten. „29.5
Million ... only to knock it down“ titelte
daraufhin der Sydney Morning Herald und widmete sich
genüsslich der wertvollsten Immobilientransaktion,
die die Stadt je gesehen hatte. Bis dato. Für
John McGrath, einer der erfolgreichsten Makler des
Landes – seine Firma wickelte auch den Tahiti-Deal
ab – ist der Preis weder Rekord für die
Ewigkeit, noch kommt er sonderlich überraschend. „Wir
hatten 12 Interessenten für „Tahiti“,
die alle zwischen 25 und 30 Millionen zu zahlen bereit
gewesen wären. Noch vor zwei Jahren wären
es nur zwei potentielle Käufer gewesen“,
erklärt McGrath.
Es ist nicht nur Luft nach oben, sie wird auch nicht
dünner. Die Märkte in Australien, sie boomen
seit Jahren und das nicht nur in Sydney, sondern auch
in den anderen Metropolen wie Melbourne und Perth. Jüngste
Zinserhöhungen, Sub-Prime Krise weltweit, ein Regierungswechsel,
nichts davon scheint auf die Goldgräberstimmung
zu drücken. „Besonders der High-End Markt
ist autark,“ weiß McGrath zu berichten,“ CEOs,
Fond Manager oder Investmentbanker sind die Kunden und
die sind auch durch eine Zinserhöhungen kaum zu
beeindrucken.“ Nur eine nachhaltige Korrektur an
den internationalen Finanzmärkten oder eine Rezession
könnte den galoppierenden Preisauftrieb bremsen.
533. So viele „Properties“ – also Apartments
und Häuser – fanden in Downtown Sydney und
den östlichen Vororten einen Käufer, der mehr
als eine Million Dollar berappen musste. Das war im September
2006. Gleicher Monat in diesem Jahr? 705, ein Zuwachs
von über 30%. In 74 Vororten liegt inzwischen der
Durchschnittspreis nördlich der Millionenmarke – letztes
Jahr waren es „nur“ 65.
Bei solchen Zahlen nimmt es nicht Wunder, dass die lokale
Immobilienmakler-Zunft mit rosaroter Brille in die Zukunft
schaut. Und bereits Preise von mehr als 40 Millionen
um die Ecke biegen sieht. Vor einigen Monaten soll sich
Russell Crowe für „Altona“ interessiert
haben – ein Anwesen in Point Piper, dem Beverly
Hills von Sydney. Doch bei den angeblich geforderten
60 Millionen wird sich der „Gladiator“ gedacht
haben, die spinnen, die Römer. Beziehungsweise die
Sydneysider. Für den Augenblick ist „Altona“ vom
Markt genommen, doch für McGrath steht fest, dass
der Verkauf nur eine Frage der Zeit ist. Auch in der
Größenordnung. “Es gibt derzeit mehr
Interesse an solchen Objekten, als es tatsächliche
Objekte gibt, die auch zum Verkauf anstehen“. Das
Tahiti beispielsweise, da ist McGrath sich sicher, wird
schon in den nächsten drei Jahren bis zu 40 Millionen
wert sein, Abriss oder nicht. Ob „auf“ Tahiti
demnächst tatsächlich die Bulldozer anrücken,
steht indes noch nicht mit Sicherheit fest. Dass man
aber als Millionär gern etwas rustikaler vorgeht,
zeigte unlängst Tiger Woods. Der Sportsfreund ließ die
ca. 2300 qm seines 30 Millionen Euro Anwesen auf Jupiter
Island in Florida dem Erdboden gleichmachen. Nun baut
er neu. Und angeblich sogar kleiner.
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