Der international genauso berühmt
wie berüchtigte Baulöwe kam, sah und ...
kaufte. Im Mai 1994 erwarb er die Paradise Island Resorts,
sechs Jahre und eine gute Milliarde Dollar später
gehört ihm Paradise Island bereits zu 80 Prozent.
Sagt er. Andere Quellen sprechen da eher von 60 Prozent.
Egal wieviel es nun derzeit wirklich ist, eine Investition
solchen Ausmaßes auf einem Terrain von der Größe
des Berliner Wannsees kann natürlich nicht unbemerkt
und unsichtbar im schneeweißen Sandstrand versickern.
Kerzner hat dem winzigen, der Hauptstadt Nassau vorgelagerten,
Eiland ein völlig neues Gesicht verpasst. Mit dem
Um- und Neubau von Atlantis entstand eine Kombination
aus Bettenpalast, Kasino und maritimem Themenpark von
ungeahnten und weltweit einzigartigen Ausmaßen.
Das marode Straßensystem wurde im selben Atemzug
runderneuert, sogar eine neue Brücke spendierte
der Sun City Gründer den Nassauern. Ein eigenes
Wasserwerk entstand, ein Golfplatz und Wohnanlage befinden
sich im Bau, die Preise für Haus und Hof im Steilflug.
Nach oben. Mario Carey, Immobilienmakler für die
Bahamas Realty macht aus seinem Herzen keine Mördergrube,
wenn er sagt, daß "die Investitionen von
Sun International unserer Wirtschaft einen enormen Schub
verschafften. Das ist natürlich sehr positiv, andererseits
sind jedoch einige seiner Bauwerke alles andere als
ästhetische Leckerbissen." Man merkt, Carey
ringt ein wenig mit sich, um moderate Worte zu finden.
Tatsächlich, über Atlantis, diesem sowohl
von den Dimensionen als auch vom architektonischen Stil
her durchaus fragwürdigen Blickfang, gehen die
Meinungen extrem auseinander. Kaum Diskussion jedoch
gibt es, wenn es um das Paradies auf Paradise Island
geht - dem Ocean Club. Hier hat sich Kerzner in weiser
und dementsprechend vornehmer Zurückhaltung geübt.
Und das ohne zu sparen. Dollarmillionen in zweistelliger
Höhe sorgten für ein äußerst subtiles
Facelifting und verhalfen dieser altehrwürdigen
Anlage zur verdienten Renaissance. Ocean Club - das
war und wird jetzt wieder der Inbegriff für Reisen
im absoluten Luxus. Zu den ursprünglich 58 Zimmer
sind jetzt noch einmal 50 hinzugekommen, darunter 10
Suiten mit fast 100 Quadratmeter Wohn- oder soll man
besser sagen, Entspannungsfläche. Der Stil? British
Colonial ... light! Türkische Mosaikfliesen im
Dialog mit edlem Marmor, Mahagoni Betten auf Sisalteppichen
und dunkellackierten Holzdielen runden das eklektische
Ambiente ab. Die Umgebung? Ein Spaziergang durch die
gepflegte, parkähnliche Anlage oberhalb des blitzblanken
Strandes hin zu den vom Chateau de Versailles inspirierten
Gärten, vorbei am Pool bis zum originalen Augustiner
Kreuzgang aus dem 12. Jahrhundert ist in Wahrheit eine
Zeitreise durch eine längst verblichene Epoche.
Den wahren Charme des Ocean Club aber komplettieren
seine Angestellten. Über 300 von ihnen versucht
der schweiz-amerikanische Hotelmanager Michael Hoffmann
täglich aufs neue den entscheidenden Schliff zur
Rund-um-die-Uhr-Betreuung der elitär-illusteren
Gäste zu verpassen. Das gelingt mal gut, mal weniger
gut. Klappt es mal nicht auf Anhieb, macht nichts, die
unermüdlich wirkende bahamesische Belegschaft hat
das entscheidende Arsenal im Gepäck - Freundlichkeit,
und zwar herzensgute und extrem ansteckende. Ganz anders
als der oft blasiert-aufgesetzte Eifer, den man besonders
aus Florida, aber auch von anderen karibischen Inseln
gewohnt ist. Wer einmal von Oneil und Jackson - so lauten
in der Tat deren Vornamen - am Eingang mit einem Grinsen
empfangen wird, das breiter ist, als die Tür, die
beide gerade mit Verve aufreißen, der muß
einfach innerlich schmunzeln. Wenn jetzt nur noch Herzlichkeit
und Geschwindigkeit harmonieren würden, es wäre
... zwar perfekt, aber nun wirklich zu viel verlangt.
Hier herrschen karibische Zustände, hier geht alles
etwas langsamer! Mancher Arbeitsbiene ließ sich
ohne große Mühe beim Gehen die Schuhe besohlen.
Aber auch das hat durchaus seinen Reiz. Daß Tennis
und Golf ebenso zu solch einem High-End Resort gehören,
wie Massage oder kostenloser Limotransfer zum Flughafen
ist selbstverständlich. Nicht unbedingt zu erwarten
ist die Präsenz eines Restaurants, das mühelos
mit der creme de la creme der Eßtempel aus New
York konkurrieren kann. Vielleicht deshalb, weil es
ein New Yorker Ableger ist? Das Dune, unter der Kochmütze
des renommierten Chefs Jean Georges Vongerichten, hat
zwar erst seit Oktober 2000 Feuer unterm Herd, darf
aber schon jetzt als die Gastroentdeckung von Paradise
Island und Umgebung gefeiert werden. Design und Küche
sind auf perfekte Art aufeinander abgestimmt und sorgen
für ein kulinarisches Erlebnis der besonderen Art.
Ein ganz anderes Erlebnis - die Preise, weder Dune noch
der Ocean Club sind etwas für den kleinen Geldbeutel.
Übernachtungen bewegen sich im Durchschnitt nördlich
der $500 Marke. Breakfast not included! Dafür aber
der persönliche Butler. Der bringt dann das Frühstück.
Oder packt die Koffer aus.
Wer gleich für die nächsten Jahre Gepäck
mitbringen möchte, auch dem will Sol Kerzner helfen.
Mit den Ocean Club Estate. Am südlichen Zipfel
des Inselchen breitet sich laut eigenem Bekunden eines
seiner ambitioniertesten Projekte aus. Ein Par 72 Golfplatz
mit einer bespielbaren Länge von gut 6.5 Kilometer
umgeben von 120 Hektar vollständig erschlossenem
Bauland in allerfeinster Lage. Für Bunker und Greens
verantwortlich zeichnet der bekannte Golfprofi- und
Architekt Tom Weisskopf. Im Dezember ist dieser einzigartige
Flecken fertig geworden, Mitte Januar erfährt er
seine Feuertaufe, wenn Michael Jordan zu den Celebrity
Invitation einlädt. Die Basketballegende muß
von den Plänen Kerzners so begeistert gewesen sein,
daß er sich auch gleich ein Grundstück zulegte.
Damit ist eines von nur 120 Liegenschaften bereits weg.
Eigentlich drei, denn Jordan griff gleich mehrmals zu.
Die Größe der Parzellen variiert zwischen
1600 und 5200 Quadratmeter, die Preise zwischen $800.000
bis über $2 Millionen je nach Lage. Eigentlich
aber sind alle weg. Eigentlich ... ist es ist ein wenig
kompliziert. Vom ursprünglichen Grund und Boden
gingen 80 Einheiten in den freien Verkauf. Die sind
weg, 40 Einheiten hingegen sind reserviert. Für
die oberen Zehntausend. Die Jordans, die Estefans und
andere Größen aus Showbiz, Sport und Wirtschaft.
Und immer wenn einer der Prominenten vom Vorkaufsrecht
zurücktritt, geraten die Grundstücke in die
Hände der Bahamas Realty. Mario Carey ruft ständig
bei Sun International an, die Nachfrage ist ungebrochen
hoch. Nennt man endlich ein Grundstück sein eigen,
muß gebaut werden. Innerhalb von drei Jahren.
Nach strengen Bauvorschriften. "Hier soll es nicht
zugehen, wie in den Hamptons, wo jeder dem anderen einen
Riesenpalast vor die Nase bauen kann", erklärt
Kerzner. Wem die Nachbarschaft mit Jordan, Golf Profi
Ernie Els oder den Estefans sowieso eine Nummer zu groß
ist, der übt sich noch ein paar Monate in Geduld.
Als nächstes und damit auch letztes Projekt auf
dem Ocean Club Gelände will Kerzner noch Eigentumswohnungen
errichten. Größe und Preise dieser Einheiten
konnte er allerdings noch nicht verraten.
Natürlich kann man auch woanders wohnen. Auf Paradise
Island werden mangels Platz hauptsächlich Eigentumswohnungen
angeboten. Dabei ist die Preisentwicklung ähnlich
diffus, wie die Unternehmungen des Herrn Kerzner. "Manche
Objekte verteuerten sich innerhalb eines Jahres um 30
Prozent, manche hingegen überhaupt nicht".
Andrea G. Brownrigg ist seit 16 Jahren Maklerin auf
Paradise Island, sie kennt den Markt wie kein Zweiter.
"Vor acht Jahren wollte niemand kaufen, der damalige
Bestand richtete sich hauptsächlich an Urlauber,
heute hingegen kommen immer mehr, um sich hier ganz
niederzulassen." Deshalb wird mit Hochdruck gebaut,
daß Geschäft mit Eigentumswohnungen und Time-Sharing
brummt. Hans-Peter Kugler, erfolgreicher Kaufmann aus
Hamburg, zog bereits 1978 ins Paradies und sieht die
Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden
Auge. Kugler ist ein erklärter Kerzner Widersacher.
Die beiden streiten sich sogar vor Gericht. "Wie
der die Insel kosmetisch vergewaltigt hat, ist eine
Schande", regt sich der 66-jährige auf. Andererseits
kommt das gestiegene Preisniveau auch seinem Paradise
Harbour Club & Marina zu Gute. Dort verwaltet der
lebhafte Privatier eine große Anzahl Time-Sharing
Einheiten. Was trieb ihn damals, was treibt viele heute
auf die Bahamas? "Der große Vorteil: Keine
Steuern und es gilt hier der letzte Wille, d.h. die
deutschen Erbschaftsgesetze greifen hier nicht, für
viele ein wichtiger Grund". Das und die scheinbare
Leichtigkeit mit der Grund und Boden erworben werden
kann. Jeder der über $500.000 investiert, erwirbt
automatisch das Recht auf eine permanente Aufenthaltsgenehmigung.
Und entwischt somit der Steuerpflicht seines Herkunftslandes.
Selbst Mieter können sich über eine begrenzte
Aufenthaltsgenehmigung, die jährlich neu beantragt
werden muß, Steuervorteile verschaffen. "Im
Bermuda-Dreieck verschwinden Boote und Flugzeuge, im
Bahamas-Dreieck verschwindet Geld". Kugler bringt
die Vorteile, aber auch die Probleme der Bahamas auf
einen Punkt. Besonders die Amerikaner drängen auf
eine radikale Änderung der Steuergesetzgebung.
Dem großen Nachbarn im Westen verdankt das Inselvolk
auch einen Listeneintrag, auf den man gern verzichtet
hätte. Den in die "black list". Ein von
der "Financial Action Task Force" der OECD
geführte Liste mit Ländern, die sich dadurch
hervor tun, daß sie Bankkonten und deren Inhaber
vor den viel zu neugierigen Fragen aus anderen Staaten
schützen. Liechtenstein steht übrigens auf
dem gleichen Index.
Wer mit der Idee kokettiert, sich längerfristig
auf den Bahamas zu engagieren, der sollte einige Dinge
wissen. Die Bahamas sind teuer, in Ermangelung von Steuern
finanziert sich der Staat gern über Zölle
- das macht bei einem Luxuswagen auch schon mal 60 Prozent
auf den Neupreis aus. Und es wird alles importiert,
der Benzinpreis entspricht schon fast dem deutschen.
Die Gesetzgebung birgt Tücken. "In jedem Fall
einen bahamesischen Anwalt einschalten", rät
John Christie von H.G. Christie ,"denn sonst könnte
ein Relikt des englischen "Common Law" aus
dem Anfang des letzten Jahrhunderts für eine böse
Überraschung sorgen." Es geht um die Grundbuchproblematik.
Während in Deutschland und mittlerweile auch in
Großbritannien ein Grundbucheintrag der rechtliche
Beweis für den Besitz (oder Nichtbesitz) an einem
Objekt ist, liegen die Dinge auf den Inseln diffiziler.
Der jüngste Eintrag in der "Registry"
ist lediglich ein Hinweis auf den vermeintlich legitimen
Besitzer. Aber ein Anwalt muß teilweise fast 200
Jahre zurückgehen, um eindeutig zu klären,
daß nicht doch noch jemand aus grauer Vorzeit
Ansprüche erheben kann. Und auch will, sobald ein
ahnungsloser Käufer das neue Domizil mit viel Geld
generalüberholt hat. Dieser juristische Beistand
ist teuer, garantiert aber auch hinterher die Rechtmäßigkeit
des Erwerbs. Sollte es zu Anfechtungen kommen, haftet
der Anwalt.
In jedem Fall gilt: Hausaufgaben machen. Das heißt,
sich soweit es geht mit der neuen Wahlheimat vertraut
machen. Die Bahamas sind "very britisch"!
Und sehr karibisch. "Wer aus Europa oder Amerika
kommt und erwartet, daß das tägliche Leben
hier ähnlich reibungslos abläuft wie zu Hause,
der wird enttäuscht.", warnt Mario Carey.
Noch heute erzählt man sich eine Anekdote aus den
70er Jahren. Ein Brüderpaar aus dem Schwäbischen
erwirbt auf Lyford Cay, dort wohnt auch Sean Connery,
Land zum Bau von sieben Reihenhäuser. Die Geschwister
beauftragen einen deutschen Architekten und einen bahamesischen
Bauunternehmer. Alles geht seinen Gang, die Häuser
sind zum Teil fertig, da ereilt die Schwaben ein Anruf
von der Insel. Ob ein Pygmäenstamm einziehen wollte?
Ein Bruder reist sofort vor Ort und, so will es die
Legende, stirbt noch während der Besichtigung an
einem Herzinfarkt. Der Architekt hatte in Meter gezeichnet,
der Bauunternehmer in "feet" gebaut - Deckenhöhe
somit knapp 1.60m!
Der Offensive in die Bahamas hat diese Episode nicht
geschadet. Als Hot Spots gelten derzeit Freeport, weil
es vergleichsweise günstig ist. Lyford Cay und
Harbor Island, weil es exklusiver noch immer kaum geht.
Abaco, die Exumas und Eleuthera sind weiterhin im Kommen.
Je weiter es in den Süden (z.B. Long Island) geht,
desto günstiger werden die Angebote, allerdings
ist der Transfer dorthin oft mühsam und teuer.
Und abschießend gilt auch oben beschwörtes
Motto: Es IST besser in den Bahamas.
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