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Bahamas-Welcome to Paradise (Bellevue 01/01)
It`s better in the Bahamas. Der vollmundige Slogan umschreibt einen hohen Anspruch. Wie schnell man Gefallen an einer der 700 Inseln finden kann, zeigt das Beispiel Sol Kerzners, des Erbauers der legendären Sun City in Südafrika. Bellevue besuchte ihn auf Paradise Island.
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Der international genauso berühmt wie berüchtigte Baulöwe kam, sah und ... kaufte. Im Mai 1994 erwarb er die Paradise Island Resorts, sechs Jahre und eine gute Milliarde Dollar später gehört ihm Paradise Island bereits zu 80 Prozent. Sagt er. Andere Quellen sprechen da eher von 60 Prozent. Egal wieviel es nun derzeit wirklich ist, eine Investition solchen Ausmaßes auf einem Terrain von der Größe des Berliner Wannsees kann natürlich nicht unbemerkt und unsichtbar im schneeweißen Sandstrand versickern. Kerzner hat dem winzigen, der Hauptstadt Nassau vorgelagerten, Eiland ein völlig neues Gesicht verpasst. Mit dem Um- und Neubau von Atlantis entstand eine Kombination aus Bettenpalast, Kasino und maritimem Themenpark von ungeahnten und weltweit einzigartigen Ausmaßen. Das marode Straßensystem wurde im selben Atemzug runderneuert, sogar eine neue Brücke spendierte der Sun City Gründer den Nassauern. Ein eigenes Wasserwerk entstand, ein Golfplatz und Wohnanlage befinden sich im Bau, die Preise für Haus und Hof im Steilflug. Nach oben. Mario Carey, Immobilienmakler für die Bahamas Realty macht aus seinem Herzen keine Mördergrube, wenn er sagt, daß "die Investitionen von Sun International unserer Wirtschaft einen enormen Schub verschafften. Das ist natürlich sehr positiv, andererseits sind jedoch einige seiner Bauwerke alles andere als ästhetische Leckerbissen." Man merkt, Carey ringt ein wenig mit sich, um moderate Worte zu finden.

Tatsächlich, über Atlantis, diesem sowohl von den Dimensionen als auch vom architektonischen Stil her durchaus fragwürdigen Blickfang, gehen die Meinungen extrem auseinander. Kaum Diskussion jedoch gibt es, wenn es um das Paradies auf Paradise Island geht - dem Ocean Club. Hier hat sich Kerzner in weiser und dementsprechend vornehmer Zurückhaltung geübt. Und das ohne zu sparen. Dollarmillionen in zweistelliger Höhe sorgten für ein äußerst subtiles Facelifting und verhalfen dieser altehrwürdigen Anlage zur verdienten Renaissance. Ocean Club - das war und wird jetzt wieder der Inbegriff für Reisen im absoluten Luxus. Zu den ursprünglich 58 Zimmer sind jetzt noch einmal 50 hinzugekommen, darunter 10 Suiten mit fast 100 Quadratmeter Wohn- oder soll man besser sagen, Entspannungsfläche. Der Stil? British Colonial ... light! Türkische Mosaikfliesen im Dialog mit edlem Marmor, Mahagoni Betten auf Sisalteppichen und dunkellackierten Holzdielen runden das eklektische Ambiente ab. Die Umgebung? Ein Spaziergang durch die gepflegte, parkähnliche Anlage oberhalb des blitzblanken Strandes hin zu den vom Chateau de Versailles inspirierten Gärten, vorbei am Pool bis zum originalen Augustiner Kreuzgang aus dem 12. Jahrhundert ist in Wahrheit eine Zeitreise durch eine längst verblichene Epoche. Den wahren Charme des Ocean Club aber komplettieren seine Angestellten. Über 300 von ihnen versucht der schweiz-amerikanische Hotelmanager Michael Hoffmann täglich aufs neue den entscheidenden Schliff zur Rund-um-die-Uhr-Betreuung der elitär-illusteren Gäste zu verpassen. Das gelingt mal gut, mal weniger gut. Klappt es mal nicht auf Anhieb, macht nichts, die unermüdlich wirkende bahamesische Belegschaft hat das entscheidende Arsenal im Gepäck - Freundlichkeit, und zwar herzensgute und extrem ansteckende. Ganz anders als der oft blasiert-aufgesetzte Eifer, den man besonders aus Florida, aber auch von anderen karibischen Inseln gewohnt ist. Wer einmal von Oneil und Jackson - so lauten in der Tat deren Vornamen - am Eingang mit einem Grinsen empfangen wird, das breiter ist, als die Tür, die beide gerade mit Verve aufreißen, der muß einfach innerlich schmunzeln. Wenn jetzt nur noch Herzlichkeit und Geschwindigkeit harmonieren würden, es wäre ... zwar perfekt, aber nun wirklich zu viel verlangt. Hier herrschen karibische Zustände, hier geht alles etwas langsamer! Mancher Arbeitsbiene ließ sich ohne große Mühe beim Gehen die Schuhe besohlen. Aber auch das hat durchaus seinen Reiz. Daß Tennis und Golf ebenso zu solch einem High-End Resort gehören, wie Massage oder kostenloser Limotransfer zum Flughafen ist selbstverständlich. Nicht unbedingt zu erwarten ist die Präsenz eines Restaurants, das mühelos mit der creme de la creme der Eßtempel aus New York konkurrieren kann. Vielleicht deshalb, weil es ein New Yorker Ableger ist? Das Dune, unter der Kochmütze des renommierten Chefs Jean Georges Vongerichten, hat zwar erst seit Oktober 2000 Feuer unterm Herd, darf aber schon jetzt als die Gastroentdeckung von Paradise Island und Umgebung gefeiert werden. Design und Küche sind auf perfekte Art aufeinander abgestimmt und sorgen für ein kulinarisches Erlebnis der besonderen Art. Ein ganz anderes Erlebnis - die Preise, weder Dune noch der Ocean Club sind etwas für den kleinen Geldbeutel. Übernachtungen bewegen sich im Durchschnitt nördlich der $500 Marke. Breakfast not included! Dafür aber der persönliche Butler. Der bringt dann das Frühstück. Oder packt die Koffer aus.

Wer gleich für die nächsten Jahre Gepäck mitbringen möchte, auch dem will Sol Kerzner helfen. Mit den Ocean Club Estate. Am südlichen Zipfel des Inselchen breitet sich laut eigenem Bekunden eines seiner ambitioniertesten Projekte aus. Ein Par 72 Golfplatz mit einer bespielbaren Länge von gut 6.5 Kilometer umgeben von 120 Hektar vollständig erschlossenem Bauland in allerfeinster Lage. Für Bunker und Greens verantwortlich zeichnet der bekannte Golfprofi- und Architekt Tom Weisskopf. Im Dezember ist dieser einzigartige Flecken fertig geworden, Mitte Januar erfährt er seine Feuertaufe, wenn Michael Jordan zu den Celebrity Invitation einlädt. Die Basketballegende muß von den Plänen Kerzners so begeistert gewesen sein, daß er sich auch gleich ein Grundstück zulegte. Damit ist eines von nur 120 Liegenschaften bereits weg. Eigentlich drei, denn Jordan griff gleich mehrmals zu. Die Größe der Parzellen variiert zwischen 1600 und 5200 Quadratmeter, die Preise zwischen $800.000 bis über $2 Millionen je nach Lage. Eigentlich aber sind alle weg. Eigentlich ... ist es ist ein wenig kompliziert. Vom ursprünglichen Grund und Boden gingen 80 Einheiten in den freien Verkauf. Die sind weg, 40 Einheiten hingegen sind reserviert. Für die oberen Zehntausend. Die Jordans, die Estefans und andere Größen aus Showbiz, Sport und Wirtschaft. Und immer wenn einer der Prominenten vom Vorkaufsrecht zurücktritt, geraten die Grundstücke in die Hände der Bahamas Realty. Mario Carey ruft ständig bei Sun International an, die Nachfrage ist ungebrochen hoch. Nennt man endlich ein Grundstück sein eigen, muß gebaut werden. Innerhalb von drei Jahren. Nach strengen Bauvorschriften. "Hier soll es nicht zugehen, wie in den Hamptons, wo jeder dem anderen einen Riesenpalast vor die Nase bauen kann", erklärt Kerzner. Wem die Nachbarschaft mit Jordan, Golf Profi Ernie Els oder den Estefans sowieso eine Nummer zu groß ist, der übt sich noch ein paar Monate in Geduld. Als nächstes und damit auch letztes Projekt auf dem Ocean Club Gelände will Kerzner noch Eigentumswohnungen errichten. Größe und Preise dieser Einheiten konnte er allerdings noch nicht verraten.

Natürlich kann man auch woanders wohnen. Auf Paradise Island werden mangels Platz hauptsächlich Eigentumswohnungen angeboten. Dabei ist die Preisentwicklung ähnlich diffus, wie die Unternehmungen des Herrn Kerzner. "Manche Objekte verteuerten sich innerhalb eines Jahres um 30 Prozent, manche hingegen überhaupt nicht". Andrea G. Brownrigg ist seit 16 Jahren Maklerin auf Paradise Island, sie kennt den Markt wie kein Zweiter. "Vor acht Jahren wollte niemand kaufen, der damalige Bestand richtete sich hauptsächlich an Urlauber, heute hingegen kommen immer mehr, um sich hier ganz niederzulassen." Deshalb wird mit Hochdruck gebaut, daß Geschäft mit Eigentumswohnungen und Time-Sharing brummt. Hans-Peter Kugler, erfolgreicher Kaufmann aus Hamburg, zog bereits 1978 ins Paradies und sieht die Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Kugler ist ein erklärter Kerzner Widersacher. Die beiden streiten sich sogar vor Gericht. "Wie der die Insel kosmetisch vergewaltigt hat, ist eine Schande", regt sich der 66-jährige auf. Andererseits kommt das gestiegene Preisniveau auch seinem Paradise Harbour Club & Marina zu Gute. Dort verwaltet der lebhafte Privatier eine große Anzahl Time-Sharing Einheiten. Was trieb ihn damals, was treibt viele heute auf die Bahamas? "Der große Vorteil: Keine Steuern und es gilt hier der letzte Wille, d.h. die deutschen Erbschaftsgesetze greifen hier nicht, für viele ein wichtiger Grund". Das und die scheinbare Leichtigkeit mit der Grund und Boden erworben werden kann. Jeder der über $500.000 investiert, erwirbt automatisch das Recht auf eine permanente Aufenthaltsgenehmigung. Und entwischt somit der Steuerpflicht seines Herkunftslandes. Selbst Mieter können sich über eine begrenzte Aufenthaltsgenehmigung, die jährlich neu beantragt werden muß, Steuervorteile verschaffen. "Im Bermuda-Dreieck verschwinden Boote und Flugzeuge, im Bahamas-Dreieck verschwindet Geld". Kugler bringt die Vorteile, aber auch die Probleme der Bahamas auf einen Punkt. Besonders die Amerikaner drängen auf eine radikale Änderung der Steuergesetzgebung. Dem großen Nachbarn im Westen verdankt das Inselvolk auch einen Listeneintrag, auf den man gern verzichtet hätte. Den in die "black list". Ein von der "Financial Action Task Force" der OECD geführte Liste mit Ländern, die sich dadurch hervor tun, daß sie Bankkonten und deren Inhaber vor den viel zu neugierigen Fragen aus anderen Staaten schützen. Liechtenstein steht übrigens auf dem gleichen Index.

Wer mit der Idee kokettiert, sich längerfristig auf den Bahamas zu engagieren, der sollte einige Dinge wissen. Die Bahamas sind teuer, in Ermangelung von Steuern finanziert sich der Staat gern über Zölle - das macht bei einem Luxuswagen auch schon mal 60 Prozent auf den Neupreis aus. Und es wird alles importiert, der Benzinpreis entspricht schon fast dem deutschen. Die Gesetzgebung birgt Tücken. "In jedem Fall einen bahamesischen Anwalt einschalten", rät John Christie von H.G. Christie ,"denn sonst könnte ein Relikt des englischen "Common Law" aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts für eine böse Überraschung sorgen." Es geht um die Grundbuchproblematik. Während in Deutschland und mittlerweile auch in Großbritannien ein Grundbucheintrag der rechtliche Beweis für den Besitz (oder Nichtbesitz) an einem Objekt ist, liegen die Dinge auf den Inseln diffiziler. Der jüngste Eintrag in der "Registry" ist lediglich ein Hinweis auf den vermeintlich legitimen Besitzer. Aber ein Anwalt muß teilweise fast 200 Jahre zurückgehen, um eindeutig zu klären, daß nicht doch noch jemand aus grauer Vorzeit Ansprüche erheben kann. Und auch will, sobald ein ahnungsloser Käufer das neue Domizil mit viel Geld generalüberholt hat. Dieser juristische Beistand ist teuer, garantiert aber auch hinterher die Rechtmäßigkeit des Erwerbs. Sollte es zu Anfechtungen kommen, haftet der Anwalt.

In jedem Fall gilt: Hausaufgaben machen. Das heißt, sich soweit es geht mit der neuen Wahlheimat vertraut machen. Die Bahamas sind "very britisch"! Und sehr karibisch. "Wer aus Europa oder Amerika kommt und erwartet, daß das tägliche Leben hier ähnlich reibungslos abläuft wie zu Hause, der wird enttäuscht.", warnt Mario Carey. Noch heute erzählt man sich eine Anekdote aus den 70er Jahren. Ein Brüderpaar aus dem Schwäbischen erwirbt auf Lyford Cay, dort wohnt auch Sean Connery, Land zum Bau von sieben Reihenhäuser. Die Geschwister beauftragen einen deutschen Architekten und einen bahamesischen Bauunternehmer. Alles geht seinen Gang, die Häuser sind zum Teil fertig, da ereilt die Schwaben ein Anruf von der Insel. Ob ein Pygmäenstamm einziehen wollte? Ein Bruder reist sofort vor Ort und, so will es die Legende, stirbt noch während der Besichtigung an einem Herzinfarkt. Der Architekt hatte in Meter gezeichnet, der Bauunternehmer in "feet" gebaut - Deckenhöhe somit knapp 1.60m!


Der Offensive in die Bahamas hat diese Episode nicht geschadet. Als Hot Spots gelten derzeit Freeport, weil es vergleichsweise günstig ist. Lyford Cay und Harbor Island, weil es exklusiver noch immer kaum geht. Abaco, die Exumas und Eleuthera sind weiterhin im Kommen. Je weiter es in den Süden (z.B. Long Island) geht, desto günstiger werden die Angebote, allerdings ist der Transfer dorthin oft mühsam und teuer. Und abschießend gilt auch oben beschwörtes Motto: Es IST besser in den Bahamas.