Wohnen bei den Göttern (Bellevue 03/08)
Bali hat alles. Ein prima Klima. Freundliche Menschen. Tolle Landschaften.
Tausende Tempel. Und einen Immobilienmarkt, der richtig durchstartet
 

Große Ereignisse, so liest man immer wieder gern, werfen ihre Schatten voraus. Eine Silberhochzeit qualifiziert sich durchaus für ein solches Großereignis. Was tun, wo feiern, wer kommt? Ungewissheiten, vor denen auch Thorsten und Gesine Nitzschke vor ein paar Jahren standen. Besonders die Frage nach dem „wo“ ließ die nahe und ferne Verwandtschaft lebhaft diskutieren. Irgendwann machten die beiden der Diskussion ein Ende und beschlossen einfach, in ihrem neugebauten Haus in Bali zu feiern. Eine Ansage, die Tür und Tor für ein Problem öffnete, nein, eigentlich für zwei. Auf Bali gab es zwar Häuser, aber keines was ihnen gehörte. Und: Die Bescherung war nur noch etwas über ein Jahr entfernt.

Wer das Glück hat, die beiden heute in ihrer Villa Lila Cita (übersetzt: Haus des Genusses) besuchen zu dürfen, der bekommt, im wahrsten Sinne des Wortes, Großes zu sehen und Abenteuerliches zu hören. „Ich hatte Null Plan,“ erinnert sich Gesine heute, als sie sich aufmachte, erst einmal das geeignete Grundstück zu finden. Es sollte möglichst im Inland liegen, wenn möglich inmitten der für Bali typischen Reisterrassen und ein Fluss würde auch nicht stören – so viel schien den beiden klar. Drei Grundstücksmakler und einige Tage später hatten sie ihre Traumimmobilie gefunden. 4000 Quadratmeter Paradies, eine Melange aus Reisfeldern und Kokospalmen, in der Nähe von Kaba-Kaba. Als der Kauf entsprechend der etwas komplexen indonesischen Gesetzgebung abgewickelt war – die Nitschkes sind de facto die Eigentümer, de jure aber bleibt alles im Besitz einer balinesischen Familie – blieb für das Bauen noch etwas über ein Dreivierteljahr. Was dann geschah ist nicht nur für balinesische Verhältnisse einmalig. In genau 10 Monaten stampfte der australische Architekt Daryl Johns und seine 60-köpfige Arbeiterbrigade 900 Quadratmeter überdachte Wohnfläche, einen Infinity-Pool, Teich- und großzügige Gartenanlagen sowie, als Verbeugung vor der balinesischen Hindutradition, vier Tempel aus dem Boden ... und zwar so im Einklang mit der Natur, dass man keine drei Jahre nach Fertigstellung meinen möchte, die Nitzschkes wohnen hier schon ewig. Eigentlich ist von einem Haus zu sprechen eher eine Untertreibung, bei der Villa Lila Cita handelt es sich um vier große Domizile, das Haupthaus über zwei Ebenen beherbergt offene Küche nebst Essbereich, Medienzimmer, Bibliothek und Billardtisch, die drei kleineren Häuser dienen als Schlafzimmer. Badezimmer im klassischen Sinne sucht man vergeblich, stattdessen sind die Nassbereiche eher vom Ausmaß kleinerer Freibäder, partiell überdacht. Überhaupt ist eigentlich alles groß, nicht nur die Lebensbereiche, geschmackvoll ausgestattet mit dem in Bali typischen Mobiliar, sondern vor allen Dingen die Gastfreundschaft und das Karma.

Und das kommt nicht von ungefähr. Sich mit den lokalen Geflogenheiten vertraut zu machen und die Gebräuche und Riten zu respektieren ist fast noch wichtiger, als ein guter Bauleiter oder eine stetige Materialzufuhr. Assimilieren ist das Zauberwort, dabei aber nie vergessen, das man bei den Balinesen nur zu Gast ist, denen nämlich gehört auch weiterhin Grund und Boden. Die Nitzschkes haben ihre Hausaufgaben gemacht, erleichternd kommt bei den beiden hinzu, dass sie seit mehr als 25 Jahren in Südostasien zu Hause sind und perfekt die Sprache beherrschen – Thorsten ist geschäftsführender Partner einer internationalen Textilagentur mit Sitz in Bogor in der Nähe von Jakarta.

In direkter Nachbarschaft, und doch nicht zu erahnen, liegt das Arsana Estate – hier hat ein australischer Banker seinen Bali-Traum verwirklicht. Diesen Traum kann man mieten, das Wohnkonzept – mehrere Wohneinheiten um ein Haupthaus gruppiert – ähnelt dem der Deutschen, was hier an charmanter Behaglichkeit fehlt, wird durch coole Funktionalität wieder wettgemacht. 650 Dollar kostet die Nacht, das klingt nach viel. Ist es aber nicht, wenn man bedenkt, dass bis zu 8 Personen anreisen können.

1.7 Millionen Besucher reisten im vergangenen Jahr auf das indonesischen Eiland. Diese 1.7 Millionen machten Bali zum wiederholten Male zur „World´s Best Island Holiday Destination.“ Alles paradiesisch? Keine Frage, Bali ist ein Paradies. Aber ein zerbrechliches. Wer „A“ wie Attentat sagt, für den war „B“ wie Bali zeitweise fast wie eine logische Ergänzung. Die beiden Bombenanschläge aus den Jahren 2002 und 2005, sie sind verdrängt, vergessen sind sie nicht. Die herzliche Freundlichkeit, mit der die Balinesen ihre Gäste empfangen ist allgegenwärtig. Genauso wie Metalldetektoren an den Hotels mit mehr als drei Sternen. Die Insel der Götter, sie hat etwas von ihrer Unschuld eingebüßt. Wer noch ungebrochene Lebensfreude und Leichtigkeit sucht, der findet sie, je weiter er sich vom Südzipfel der Insel entfernt. Dort, in einem Kranz von 50 Kilometer um den Flughafen herum, tobt der Tourismus, wie man ihn klischeehaft kennt. Die Horden von Backpacker und Surfer, die die Strände von Kuta und Legian besetzt halten. Die Fünf-Sterne Bastionen aus Hotel und Spa, die von Jimbaran hinauf auf die steilen Felsen von Bukit reichen. Dazu die Einkaufs- und Restaurantmeilen von Seminyak. Auch das hat seinen Charme. Bali kann nicht enttäuschen, denn es hat sich auf alle Geschmäcker und alle Budgets eingerichtet.

Auch auf dem Immobiliensektor hat man sich entsprechend aufgestellt. Und profitiert vom Bau- und Grundstücksboom in allen Preisklassen. Nutzungspräferenzen, Preisentwicklung, Erschließung von Neuland, das alles verhält sich fast deckungsgleich zu den touristischen Ausdehnungen, Epizentrum ist der Süden, der Aktionsradius baulicher Aktivitäten verhält sich wie die Welle eines Erdbebens – je weiter man Richtung Norden unterwegs ist, desto mehr nehmen „Erschütterungen“ oder architektonischen Verwerfungen ab. Ein Blick auf die Grundstückspreise dokumentiert das Phänomen: Lagen im Jahr 2000 die Preise für Off-Beach Land pro Are (das in Indonesien gängige Flächenmass, entspricht 100 qm) in allen erfassten Regionen mit 2500 bis 5000 Euro (nach heutigem Wechselkurs) relativ dicht beieinander, variieren sie heute zwischen 5000 und 20.000 Euro – wer Beachfront oder Steilküste (Bukit) sucht, kalkuliert besser das jeweils doppelte ein. Dominique Gattmann, Miteigentümer von Exotiq Real Estate, Balis größtem unabhängigen Maklerbüro fasst die Zahlen zusammen. „Die durchschnittliche Wertsteigerung in den letzten 8 Jahren beträgt 20% per anno.“ Und das, so fügt er hinzu, ist eine eher konservative Einschätzung „für Land, auf dem man einfach erst einmal nur sitzen bleibt.“ Daran haben auch die beiden Anschläge nichts geändert. Der Experte resümiert lächelnd. „Bali ist relativ günstig und bietet Einmaliges, den Service, die Qualität, die Infrastruktur für den Preis bietet keine Region weltweit.“

Wer nun nicht wie die Nitzschkes Zeit, Mut und Muße hat, alles selbst in die Hand zu nehmen, dem kann mit einer Vielzahl von „turn-key“ Lösungen geholfen werden. Für jedes Budget. Eine der interessantesten Gebiete ist Bukit südlich vom Flughafen. Hier haben große High-End Resorts wie Bulgari, Raffles oder Banyan Tree Pionierarbeit geleistet und hoch über der Steilküste thronende Wohnanlagen gepflanzt. In diese Kategorie gehört auch das Karma Kandarra Projekt. Die von dem ehemaligen Musikmanager John Spence (Typ Richard Branson, nur „kleiner“) geführte Kette hat vor kurzem ihr zweites Bali-Unternehmen komplettiert und bietet noch einige, wenige Villen zum Kauf an. Ab 350.000 U.S. Dollar kann man dabei sein und kauft sich damit nicht nur ein wunderschönes Domizil, sondern dazu noch alle “Amenities“ eines 5-Sterne-Hotels, also Spa, Room Service, 24-Stunden Security und sogar einen Babysitter-Dienst. Schon für 130.000 Euro kann man sich im Danko Nirwana Projekt einkaufen. Zwar reicht es dann nicht zum Meerblick, aber immerhin für eine 400 qm große Parzelle und einem 160 qm Haus, an das sich jeweils ein großer Pool anschmiegt. Wer lieber zu einem Apartment in einer modernen Wohnanlage neigt, der kommt am Outrigger Konzept in Legian nicht vorüber. Die Betreiber versprechen eine garantierte Verzinsung von 6% über die ersten drei Jahre, falls sich der Verkäufer entschließt, seine Immobilie in den Vermietungs-Pool mit einzubringen. Ideal für Leute, die nur wenige Wochen in Bali sein möchten. Ein-Zimmer Apartments kosten ab 155.000 U.S. Dollar aufwärts.

Egal, ob auf eigene Faust oder über Makler, die hohe Schule besteht auf Bali darin, sich mit den richtigen „Experten“ einzulassen. Nur so ist den etwas komplexen Property Rights Verhältnissen beizukommen. Die Regierung hat bereits ihren Teil dazu beigetragen und das System entsprechend simplifiziert, nichtsdestotrotz bleiben die Indonesier die rechtmäßigen Eigentümer ihres Landes. Das muss nichts Schlechtes sein. Ein Grund mehr, die lokale Bevölkerung in den Bauboom so einzubinden, das am Ende beide Seiten davon profitieren. Dieser Spagat ist den Nitschkes beispielhaft gelungen. Nicht ganz ohne Stolz meint der Hausherr: „Bei uns lief es einfach ideal, die Leute, von denen wir kauften, leben nebenan und arbeiten nun auch für uns. Sie gehören zu unser Familie, wir zu deren.“ Scheint so, als müsse man sich über den Ort für die Goldene Hochzeit keine Gedanken mehr machen.