Große
Ereignisse, so liest man immer wieder gern, werfen
ihre Schatten voraus. Eine Silberhochzeit qualifiziert sich durchaus
für ein solches Großereignis. Was tun, wo
feiern, wer kommt? Ungewissheiten, vor denen auch Thorsten
und Gesine Nitzschke vor ein paar Jahren standen. Besonders
die Frage nach dem „wo“ ließ die
nahe und ferne Verwandtschaft lebhaft diskutieren.
Irgendwann machten die beiden der Diskussion ein Ende
und beschlossen einfach, in ihrem neugebauten Haus
in Bali zu feiern. Eine Ansage, die Tür und Tor
für ein Problem öffnete, nein, eigentlich
für zwei. Auf Bali gab es zwar Häuser, aber
keines was ihnen gehörte. Und: Die Bescherung
war nur noch etwas über ein Jahr entfernt.
Wer das Glück hat, die beiden heute in ihrer Villa
Lila Cita (übersetzt: Haus des Genusses) besuchen
zu dürfen, der bekommt, im wahrsten Sinne des
Wortes, Großes zu sehen und Abenteuerliches zu
hören. „Ich hatte Null Plan,“ erinnert
sich Gesine heute, als sie sich aufmachte, erst einmal
das geeignete Grundstück zu finden. Es sollte
möglichst im Inland liegen, wenn möglich
inmitten der für Bali typischen Reisterrassen
und ein Fluss würde auch nicht stören – so
viel schien den beiden klar. Drei Grundstücksmakler
und einige Tage später hatten sie ihre Traumimmobilie
gefunden. 4000 Quadratmeter Paradies, eine Melange
aus Reisfeldern und Kokospalmen, in der Nähe von
Kaba-Kaba. Als der Kauf entsprechend der etwas komplexen
indonesischen Gesetzgebung abgewickelt war – die
Nitschkes sind de facto die Eigentümer, de jure
aber bleibt alles im Besitz einer balinesischen Familie – blieb
für das Bauen noch etwas über ein Dreivierteljahr.
Was dann geschah ist nicht nur für balinesische
Verhältnisse einmalig. In genau 10 Monaten stampfte
der australische Architekt Daryl Johns und seine 60-köpfige
Arbeiterbrigade 900 Quadratmeter überdachte Wohnfläche,
einen Infinity-Pool, Teich- und großzügige
Gartenanlagen sowie, als Verbeugung vor der balinesischen
Hindutradition, vier Tempel aus dem Boden ... und zwar
so im Einklang mit der Natur, dass man keine drei Jahre
nach Fertigstellung meinen möchte, die Nitzschkes
wohnen hier schon ewig. Eigentlich ist von einem Haus
zu sprechen eher eine Untertreibung, bei der Villa
Lila Cita handelt es sich um vier große Domizile,
das Haupthaus über zwei Ebenen beherbergt offene
Küche nebst Essbereich, Medienzimmer, Bibliothek
und Billardtisch, die drei kleineren Häuser dienen
als Schlafzimmer. Badezimmer im klassischen Sinne sucht
man vergeblich, stattdessen sind die Nassbereiche eher
vom Ausmaß kleinerer Freibäder, partiell überdacht. Überhaupt
ist eigentlich alles groß, nicht nur die Lebensbereiche,
geschmackvoll ausgestattet mit dem in Bali typischen
Mobiliar, sondern vor allen Dingen die Gastfreundschaft
und das Karma.
Und das kommt nicht von ungefähr. Sich mit den
lokalen Geflogenheiten vertraut zu machen und die Gebräuche
und Riten zu respektieren ist fast noch wichtiger,
als ein guter Bauleiter oder eine stetige Materialzufuhr.
Assimilieren ist das Zauberwort, dabei aber nie vergessen,
das man bei den Balinesen nur zu Gast ist, denen nämlich
gehört auch weiterhin Grund und Boden. Die Nitzschkes
haben ihre Hausaufgaben gemacht, erleichternd kommt
bei den beiden hinzu, dass sie seit mehr als 25 Jahren
in Südostasien zu Hause sind und perfekt die Sprache
beherrschen – Thorsten ist geschäftsführender
Partner einer internationalen Textilagentur mit Sitz
in Bogor in der Nähe von Jakarta.
In direkter Nachbarschaft, und doch nicht zu erahnen,
liegt das Arsana Estate – hier hat ein australischer
Banker seinen Bali-Traum verwirklicht. Diesen Traum
kann man mieten, das Wohnkonzept – mehrere Wohneinheiten
um ein Haupthaus gruppiert – ähnelt dem
der Deutschen, was hier an charmanter Behaglichkeit
fehlt, wird durch coole Funktionalität wieder
wettgemacht. 650 Dollar kostet die Nacht, das klingt
nach viel. Ist es aber nicht, wenn man bedenkt, dass
bis zu 8 Personen anreisen können.
1.7 Millionen Besucher reisten im vergangenen Jahr
auf das indonesischen Eiland. Diese 1.7 Millionen machten
Bali zum wiederholten Male zur „World´s
Best Island Holiday Destination.“ Alles paradiesisch?
Keine Frage, Bali ist ein Paradies. Aber ein zerbrechliches.
Wer „A“ wie Attentat sagt, für den
war „B“ wie Bali zeitweise fast wie eine
logische Ergänzung. Die beiden Bombenanschläge
aus den Jahren 2002 und 2005, sie sind verdrängt,
vergessen sind sie nicht. Die herzliche Freundlichkeit,
mit der die Balinesen ihre Gäste empfangen ist
allgegenwärtig. Genauso wie Metalldetektoren an
den Hotels mit mehr als drei Sternen. Die Insel der
Götter, sie hat etwas von ihrer Unschuld eingebüßt.
Wer noch ungebrochene Lebensfreude und Leichtigkeit
sucht, der findet sie, je weiter er sich vom Südzipfel
der Insel entfernt. Dort, in einem Kranz von 50 Kilometer
um den Flughafen herum, tobt der Tourismus, wie man
ihn klischeehaft kennt. Die Horden von Backpacker und
Surfer, die die Strände von Kuta und Legian besetzt
halten. Die Fünf-Sterne Bastionen aus Hotel und
Spa, die von Jimbaran hinauf auf die steilen Felsen
von Bukit reichen. Dazu die Einkaufs- und Restaurantmeilen
von Seminyak. Auch das hat seinen Charme. Bali kann
nicht enttäuschen, denn es hat sich auf alle Geschmäcker
und alle Budgets eingerichtet.
Auch auf dem Immobiliensektor hat man sich entsprechend
aufgestellt. Und profitiert vom Bau- und Grundstücksboom
in allen Preisklassen. Nutzungspräferenzen, Preisentwicklung,
Erschließung von Neuland, das alles verhält
sich fast deckungsgleich zu den touristischen Ausdehnungen,
Epizentrum ist der Süden, der Aktionsradius baulicher
Aktivitäten verhält sich wie die Welle eines
Erdbebens – je weiter man Richtung Norden unterwegs
ist, desto mehr nehmen „Erschütterungen“ oder
architektonischen Verwerfungen ab. Ein Blick auf die
Grundstückspreise dokumentiert das Phänomen:
Lagen im Jahr 2000 die Preise für Off-Beach Land
pro Are (das in Indonesien gängige Flächenmass,
entspricht 100 qm) in allen erfassten Regionen mit
2500 bis 5000 Euro (nach heutigem Wechselkurs) relativ
dicht beieinander, variieren sie heute zwischen 5000
und 20.000 Euro – wer Beachfront oder Steilküste
(Bukit) sucht, kalkuliert besser das jeweils doppelte
ein. Dominique Gattmann, Miteigentümer von Exotiq
Real Estate, Balis größtem unabhängigen
Maklerbüro fasst die Zahlen zusammen. „Die
durchschnittliche Wertsteigerung in den letzten 8 Jahren
beträgt 20% per anno.“ Und das, so fügt
er hinzu, ist eine eher konservative Einschätzung „für
Land, auf dem man einfach erst einmal nur sitzen bleibt.“ Daran
haben auch die beiden Anschläge nichts geändert.
Der Experte resümiert lächelnd. „Bali
ist relativ günstig und bietet Einmaliges, den
Service, die Qualität, die Infrastruktur für
den Preis bietet keine Region weltweit.“
Wer nun nicht wie die Nitzschkes Zeit, Mut und Muße
hat, alles selbst in die Hand zu nehmen, dem kann mit
einer Vielzahl von „turn-key“ Lösungen
geholfen werden. Für jedes Budget. Eine der interessantesten
Gebiete ist Bukit südlich vom Flughafen. Hier
haben große High-End Resorts wie Bulgari, Raffles
oder Banyan Tree Pionierarbeit geleistet und hoch über
der Steilküste thronende Wohnanlagen gepflanzt.
In diese Kategorie gehört auch das Karma Kandarra
Projekt. Die von dem ehemaligen Musikmanager John Spence
(Typ Richard Branson, nur „kleiner“) geführte
Kette hat vor kurzem ihr zweites Bali-Unternehmen komplettiert
und bietet noch einige, wenige Villen zum Kauf an.
Ab 350.000 U.S. Dollar kann man dabei sein und kauft
sich damit nicht nur ein wunderschönes Domizil,
sondern dazu noch alle “Amenities“ eines
5-Sterne-Hotels, also Spa, Room Service, 24-Stunden
Security und sogar einen Babysitter-Dienst. Schon für
130.000 Euro kann man sich im Danko Nirwana Projekt
einkaufen. Zwar reicht es dann nicht zum Meerblick,
aber immerhin für eine 400 qm große Parzelle
und einem 160 qm Haus, an das sich jeweils ein großer
Pool anschmiegt. Wer lieber zu einem Apartment in einer
modernen Wohnanlage neigt, der kommt am Outrigger Konzept
in Legian nicht vorüber. Die Betreiber versprechen
eine garantierte Verzinsung von 6% über die ersten
drei Jahre, falls sich der Verkäufer entschließt,
seine Immobilie in den Vermietungs-Pool mit einzubringen.
Ideal für Leute, die nur wenige Wochen in Bali
sein möchten. Ein-Zimmer Apartments kosten ab
155.000 U.S. Dollar aufwärts.
Egal, ob auf eigene Faust oder über Makler, die
hohe Schule besteht auf Bali darin, sich mit den richtigen „Experten“ einzulassen.
Nur so ist den etwas komplexen Property Rights Verhältnissen
beizukommen. Die Regierung hat bereits ihren Teil dazu
beigetragen und das System entsprechend simplifiziert,
nichtsdestotrotz bleiben die Indonesier die rechtmäßigen
Eigentümer ihres Landes. Das muss nichts Schlechtes
sein. Ein Grund mehr, die lokale Bevölkerung in
den Bauboom so einzubinden, das am Ende beide Seiten
davon profitieren. Dieser Spagat ist den Nitschkes
beispielhaft gelungen. Nicht ganz ohne Stolz meint
der Hausherr: „Bei uns lief es einfach ideal,
die Leute, von denen wir kauften, leben nebenan und
arbeiten nun auch für uns. Sie gehören zu
unser Familie, wir zu deren.“ Scheint so, als
müsse man sich über den Ort für die
Goldene Hochzeit keine Gedanken mehr machen.
|