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North & South Carolina (Bellevue 05/01)
Golf- und Strandfans kennen die beiden Bundesstaaten im Südosten der USA längst. Was bieten sie?
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"First in Flight" - dieser Spruch ziert das Kennzeichen aller Autos, die im Bundesstaat North Carolina zugelassen sind. Fragt man den gemeinen Amerikaner, so wissen die wenigsten, was es mit diesen drei Worten auf sich hat. Eine Ignoranz, die ein klein wenig symptomatisch ist. Und die für North und South Carolina gleichermaßen gilt. Den beiden Staaten im Südosten der USA eilte lange der Ruf voraus, Amerikas Wiege für Hinterwäldler zu sein. Zu lange. Zeit also, das Bild von vermeidlich schlafwandelnden Regionen, Städten und Landschaften zurecht zu rücken. Dabei hilft ein Griff in die Geschichtskiste genauso, wie ein Blick auf den rasanten wirtschaftlichen Wandel der letzten Jahrzehnte.

In den hohen Dünen der Outer Banks, NC, lernten die Gebrüder Wright das Fliegen, die moderne Flugzeugbauindustrie nahm ihren Anfang ... daher die Reminiszenz auf den Nummernschildern. In der Nähe von Asheville, NC steht mit dem Biltmore Estate die größte Privatresidenz Amerikas - der exzentrische Millionär George Vanderbilt ließ sich ein französisches Möchtegern-Renaissanceschloß mit 250 Zimmern mitten in die Berge basteln. In Charleston, SC, fiel der Schuß, der den amerikanischen Bürgerkrieg anzettelte.

Zu den historischen Superlativen gesellen sich moderne. BMW errichtete ein riesiges Automobilwerk in Spartanburg, SC. Die Millionenstadt Charlotte, NC, zählt heute zu einem der wichtigsten Bankenplätze des Landes. In North Carolina läßt die Traumfabrik Hollywood nach Los Angeles und New York die meisten Filme produzieren. Kurzum - die Carolinas sind in. Ob Golfenthusiast oder Strandfan, ob der Berg ruft oder die Stadt lockt, beide Staaten sind von einer solch landschaftlichen Vielfalt, daß niemand sagen wird, er hätte nichts gefunden. Und das zu Preisen, die größtenteils als moderat gelten dürfen.

Am Fuße der Great Smoky und Blue Ridge Mountains liegt Asheville. Der 70.000 Seelen große Ort im gebirgigen Westen von North Carolina verbindet ländlichen Charme mit urbanem Flair. In Downtown scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, ein pittoreskes Sammelsurium liebevoll restaurierter Art deco Gebäude sind Dreh- und Angelpunkt für eine interessante Melange aus alten Einwandererfamilien, zugereisten Hippies und Tagestouristen. In unmittelbarer Nähe befindet sich das Biltmore Estate und der Beginn des Blueridge Mountain Parkway, dieser legendären, fast 700 Kilometer langen Traumroute über die Kämme der Appalachen. Die durchschnittlichen Preise für Häuser in der Gegend betragen zwischen $150.000 und $250.000 je nach Größe

Die Outer Banks. Sie verhalten sich zu Asheville ungefähr so, wie Friesland zum Schwarzwald. Angefangen am nördlichen Zipfel North Carolinas zieht sich eine, der Küste vorgelagerte, Inselkette perlenschnurartig Richtung Süden. Landschaftlich erinnert das Ganze sehr an Sylt: Dünen wie an der Nordsee, soweit das Auge reicht. Und wie auch auf der deutschen Promi-Insel gilt hier - nicht zu nah am Wasser bauen. Die Elemente meinen es nicht gut mit den Inseln, jedes Jahr schrumpfen die Banks ein wenig zusammen. Doch wer nichts für die Ewigkeit sucht - die Beachhäuser in Nags Head, in Kitty Hawk oder in Cape Hattaras sind überwältigend. Strandhäuser, wie man sie aus zahlreichen Filmen kennt, haben natürlich einen stolzen Preis.

Günstiger geht es in Myrtle Beach, SC, zu. Vor gut 100 Jahren gänzlich unbesiedelt, galt der Landstrich Ende der 80 Jahre als eine der am schnellsten wachsenden Ballungszentren im ganzen Land. Auslöser des Booms - der Golfsport. Über 80 Plätze, dazu noch an die 40 Minigolfplätze machen die 180.000 Einwohner starke Region um den "Grand Strand" (der ist wirklich "grand", nämlich 100 Kilometer lang) zum Mekka für Freunde des kleinen, weißen Balles. Über 10 Millionen Besucher zählt die Gegend jährlich. Viele bleiben für immer, das amerikanische Money Magazine lobte Myrtle Beach unlängst zum Top Spot für Leute aus, die einen Alterswohnsitz für sich suchen. Kein Wunder, bei Neubaupreisen von durchschnittlich knapp $125.000 (180 qm, 3 Zimmer, 2 Bäder und Doppelgarage)

Das Pendant zu Myrtle Beach, jedoch für den etwas festeren Geldbeutel, ist Hilton Head - auf halbem Weg zwischen Savannah und Charleston. Wer sich noch an den Film "Forrest Gump" erinnert, der hat eine ungefähre Vorstellung davon, wie es in und um Hilton Head herum aussieht; "Low Country" eben. Riesige, mit spanischem Moos überzogene Eichen säumen den Weg in Richtung Atlantik, durch dicken Nadelwald und endloses Marschland geht die Fahrt bis an den Intracoastal Waterway. Dort warten dann jenseits der Brücke knappe 35.000 Menschen auf über 100 qkm gepflegtem Terrain auf den Ansturm der Besucher. Und auf Bauwillige, denn noch wird reichlich Bauland erschlossen. Die Preise pendeln zwischen $60.000 und $380.000, je nach Parzelle und deren Lage. Für das fertige Häuschen muß durchschnittlich $450.000 berappt werden, los geht es um die $100.000. Schwierig wird es, mehr als eine Million Dollar auszugeben - wahrscheinlich verleiht der Bürgermeister dann gleich den goldenen Schlüssel.

Fazit: Anders als das populäre Florida, bieten die Carolinas noch reichlich Platz zum Wohnen. Besonders für Golffans wird die Region immer interessanter, inzwischen soll es in beiden Staaten mehr als 1000 Plätze geben. In ein paar Jahren wird dann auf den Autokennzeichen von South Carolina wohl "First in Golf" stehen.