"First in Flight"
- dieser Spruch ziert das Kennzeichen aller Autos,
die im Bundesstaat North Carolina zugelassen sind. Fragt
man den gemeinen Amerikaner, so wissen die wenigsten,
was es mit diesen drei Worten auf sich hat. Eine Ignoranz,
die ein klein wenig symptomatisch ist. Und die für
North und South Carolina gleichermaßen gilt. Den
beiden Staaten im Südosten der USA eilte lange
der Ruf voraus, Amerikas Wiege für Hinterwäldler
zu sein. Zu lange. Zeit also, das Bild von vermeidlich
schlafwandelnden Regionen, Städten und Landschaften
zurecht zu rücken. Dabei hilft ein Griff in die
Geschichtskiste genauso, wie ein Blick auf den rasanten
wirtschaftlichen Wandel der letzten Jahrzehnte.
In den hohen Dünen der Outer Banks, NC, lernten
die Gebrüder Wright das Fliegen, die moderne Flugzeugbauindustrie
nahm ihren Anfang ... daher die Reminiszenz auf den
Nummernschildern. In der Nähe von Asheville, NC
steht mit dem Biltmore Estate die größte
Privatresidenz Amerikas - der exzentrische Millionär
George Vanderbilt ließ sich ein französisches
Möchtegern-Renaissanceschloß mit 250 Zimmern
mitten in die Berge basteln. In Charleston, SC, fiel
der Schuß, der den amerikanischen Bürgerkrieg
anzettelte.
Zu den historischen Superlativen gesellen sich moderne.
BMW errichtete ein riesiges Automobilwerk in Spartanburg,
SC. Die Millionenstadt Charlotte, NC, zählt heute
zu einem der wichtigsten Bankenplätze des Landes.
In North Carolina läßt die Traumfabrik Hollywood
nach Los Angeles und New York die meisten Filme produzieren.
Kurzum - die Carolinas sind in. Ob Golfenthusiast oder
Strandfan, ob der Berg ruft oder die Stadt lockt, beide
Staaten sind von einer solch landschaftlichen Vielfalt,
daß niemand sagen wird, er hätte nichts gefunden.
Und das zu Preisen, die größtenteils als
moderat gelten dürfen.
Am Fuße der Great Smoky und Blue Ridge Mountains
liegt Asheville. Der 70.000 Seelen große Ort im
gebirgigen Westen von North Carolina verbindet ländlichen
Charme mit urbanem Flair. In Downtown scheint die Zeit
stehen geblieben zu sein, ein pittoreskes Sammelsurium
liebevoll restaurierter Art deco Gebäude sind Dreh-
und Angelpunkt für eine interessante Melange aus
alten Einwandererfamilien, zugereisten Hippies und Tagestouristen.
In unmittelbarer Nähe befindet sich das Biltmore
Estate und der Beginn des Blueridge Mountain Parkway,
dieser legendären, fast 700 Kilometer langen Traumroute
über die Kämme der Appalachen. Die durchschnittlichen
Preise für Häuser in der Gegend betragen zwischen
$150.000 und $250.000 je nach Größe
Die Outer Banks. Sie verhalten sich zu Asheville ungefähr
so, wie Friesland zum Schwarzwald. Angefangen am nördlichen
Zipfel North Carolinas zieht sich eine, der Küste
vorgelagerte, Inselkette perlenschnurartig Richtung
Süden. Landschaftlich erinnert das Ganze sehr an
Sylt: Dünen wie an der Nordsee, soweit das Auge
reicht. Und wie auch auf der deutschen Promi-Insel gilt
hier - nicht zu nah am Wasser bauen. Die Elemente meinen
es nicht gut mit den Inseln, jedes Jahr schrumpfen die
Banks ein wenig zusammen. Doch wer nichts für die
Ewigkeit sucht - die Beachhäuser in Nags Head,
in Kitty Hawk oder in Cape Hattaras sind überwältigend.
Strandhäuser, wie man sie aus zahlreichen Filmen
kennt, haben natürlich einen stolzen Preis.
Günstiger geht es in Myrtle Beach, SC, zu. Vor
gut 100 Jahren gänzlich unbesiedelt, galt der Landstrich
Ende der 80 Jahre als eine der am schnellsten wachsenden
Ballungszentren im ganzen Land. Auslöser des Booms
- der Golfsport. Über 80 Plätze, dazu noch
an die 40 Minigolfplätze machen die 180.000 Einwohner
starke Region um den "Grand Strand" (der ist
wirklich "grand", nämlich 100 Kilometer
lang) zum Mekka für Freunde des kleinen, weißen
Balles. Über 10 Millionen Besucher zählt die
Gegend jährlich. Viele bleiben für immer,
das amerikanische Money Magazine lobte Myrtle Beach
unlängst zum Top Spot für Leute aus, die einen
Alterswohnsitz für sich suchen. Kein Wunder, bei
Neubaupreisen von durchschnittlich knapp $125.000 (180
qm, 3 Zimmer, 2 Bäder und Doppelgarage)
Das Pendant zu Myrtle Beach, jedoch für den etwas
festeren Geldbeutel, ist Hilton Head - auf halbem Weg
zwischen Savannah und Charleston. Wer sich noch an den
Film "Forrest Gump" erinnert, der hat eine
ungefähre Vorstellung davon, wie es in und um Hilton
Head herum aussieht; "Low Country" eben. Riesige,
mit spanischem Moos überzogene Eichen säumen
den Weg in Richtung Atlantik, durch dicken Nadelwald
und endloses Marschland geht die Fahrt bis an den Intracoastal
Waterway. Dort warten dann jenseits der Brücke
knappe 35.000 Menschen auf über 100 qkm gepflegtem
Terrain auf den Ansturm der Besucher. Und auf Bauwillige,
denn noch wird reichlich Bauland erschlossen. Die Preise
pendeln zwischen $60.000 und $380.000, je nach Parzelle
und deren Lage. Für das fertige Häuschen muß
durchschnittlich $450.000 berappt werden, los geht es
um die $100.000. Schwierig wird es, mehr als eine Million
Dollar auszugeben - wahrscheinlich verleiht der Bürgermeister
dann gleich den goldenen Schlüssel.
Fazit: Anders als das populäre Florida, bieten
die Carolinas noch reichlich Platz zum Wohnen. Besonders
für Golffans wird die Region immer interessanter,
inzwischen soll es in beiden Staaten mehr als 1000 Plätze
geben. In ein paar Jahren wird dann auf den Autokennzeichen
von South Carolina wohl "First in Golf" stehen.
|