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Argentinien – Seen und kaufen! (Bellevue 9/2005)
Krise? Welche Krise? Bei den Immobilien im Gaucho-Land ist die Talsohle längst durchquert. Doch an den patagonischen “Sieben Seen” sind die Preise längst nicht über alle Berge.
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„Die Russen kommen!“ An der Cote d´Azur sind sie längst eingebürgert, in Miami gehören sie zum Ton - ob zum guten, da dürfen Meinungen auseinander gehen - hört man aber von ihnen, während man im winzigen Flughafen von San Martin de los Andes auf die einzige Maschine des Tages wartet und die Gespräche der Mitreisenden belauscht, dann wird man hellhörig. Denn kommt der Russe heute, dann kommt er ja nicht mit der Roten Armee, sondern mit Geld. Meistens mit so viel, das sich das Preisgefüge einer ganzen Region verändern könnte.

Die Region? Patagonien, genauer: Die sieben Seen - „Siete Lagos“, ein mehr als eine Million Hektar großes Gebiet aus Wasser, Wäldern, Steppe und den drei Nationalparks „Lanin“, „Los Arrayanes“ und „Nahuel Huapi“. San Martin de los Andes ist das nördliche Tor zu dieser einmaligen Landschaft. Und direkt vor diesem Tor liegt mit dem Chapelco Golf & Resort eine der attraktivsten Anlagen in der Gegend.

Von Russen will Jorge Taylor nichts wissen. Bisher nicht. „Aber“, so erzählt er fröhlich, „ich habe auch nicht von Jack Nicklaus gewusst.“ Jedenfalls nicht 1991, als er mit der Idee spielte, die seit fast einem Jahrhundert im Familienbesitz befindliche Estancia einer neuen Bestimmung zuzuführen. Fast 15 Jahre später schmückt ein von eben jener Golflegende selbst entworfener 18-Loch-Golfplatz das 243 Hektar große Terrain, ein 5 Sterne Hotel soll das Chapelco Golf & Resort im kommenden Jahr krönen. Um die Fairways herum standen insgesamt 430 Grundstücke (alle komplett erschlossen, inklusive Broadband-Internet) zum Verkauf. Standen, denn über 70% sind bereits im Besitz einer sehr internationalen Klientel, darunter Holländer, Franzosen und ein Deutscher – der Name Jack Nicklaus zog. Und mit ihm zogen die Preise. Nach oben: „Lots“, alle um die 2000 qm, die noch vor 2 Jahren für 40.000 Dollar zu haben waren, kosten heute das Doppelte. Bis 2007, so die konservative Einschätzung Taylors, werden 100 Häuser stehen und das, obwohl ausdrücklich kein Bauzwang herrscht.

Im Arelauquen Golf & Country Club sind die Bedingungen ähnlich – zum Bauen wird niemand explizit aufgerufen. Warum auch, schließlich ist erklärtes Ziel, dass von den 700 Hektar ohnehin zwei Drittel naturbelassen bleiben sollen. Der Club liegt etwas außerhalb Bariloches, der mit über 100.000 Einwohnern größten Ansiedlung in der Region. Hier am südlichen Ende der „Siete Lagos“ zentrieren sich die wirtschaftlichen und touristischen Aktivitäten. Im Winter ist die von deutschen und schweizerischen Einwanderern mitgeprägte Stadt das Epizentrum des weißen Sports, im Sommer Ziel Erholungssuchender, die sich die Zeit mit Wassersport, Angeln, Bergsteigen und Wandern vertreiben wollen. Reisende aus Übersee aber auch die eigenen Landsleute zieht es immer mehr in die Gegend – neben den landschaftlichen Reizen vor allem eine Folge der Währungsschwäche. Argentinier machen gezwungenermaßen, dem kränkelnden Peso sei Dank, vermehrt Urlaub im eigenen Land. Das erhöht die Nachfrage nach Privatunterkünften und treibt die Preise für Land und Häuser. So auch im Arelauquen Golf & Country Club, hier stiegen die Werte für „Lots“ (2.600 qm im Durchschnitt) innerhalb der letzten 2 Jahre um 100 Prozent – heute reicht die Spanne von 50.000 bis 300.000 Dollar. Merry Tuten, eine Amerikanerin, die selbst 5 Grundstücke kaufte und nun, quasi als Hobby, als Teilzeitmaklerin für den Club agiert, sieht noch kein Ende des Booms. „Sicher, solch explosive Zuwachsraten gehören der Vergangenheit an, trotzdem – der Markt wird weiter nach oben tendieren.“ Warum? „Ganz einfach, vergleichbare „Pakete“ – saubere Natur, hohe Sicherheit, vielfältigste Sport- und Erholungspotentiale – kosten in den USA und Europa ein Vielfaches.“

Bariloche bietet auch abseits von Golfplätzen und „Gated Communities“ interessante Investitionsmöglichkeiten. Klaus Zinggrebe, ein 41 jähriger Deutscher, folgte vor knapp eineinhalb Jahren dem Lockruf der patagonischen Natur. An der Playa Bonita, in unmittelbarer Seenähe und unweit vom Stadtzentrum kaufte er ein 240 qm großes Haus auf einem 1600 qm großen, bewaldeten Grundstück. Preis damals: 80.000 Dollar. Wert heute – nach einer großzügigen Renovierung: ca. 200.000 Dollar. Inzwischen hat er sich ein weiteres Haus zugelegt und steckt mitten im Umbau. Zu erwartender Gewinn? Zinggrebe schmunzelt und bedeutet salomonisch: „ Genug, um davon hier bequem 2 Jahre leben zu können.“ Doch wer jetzt glaubt, das sei ein Selbstgänger, aufgemerkt! „Zeit und Geduld ist mitzubringen“, rät Zinggrebe, der sich auch durchaus vorstellen könnte, auf Auftragsbasis für Interessenten aus Deutschland zu arbeiten. „Die Objekte sind teilweise in einem sehr schlechten Zustand, zu dem müssen die Eigentumsverhältnisse genauestens recherchiert werden, damit es hinterher keine Überraschung gibt, wenn alles frisch renoviert ist und plötzlich ehemalige Besitzer aufzukreuzen meinen.“

Ein Risiko, das sich natürlich ausschließt, baut man selbst. Angesichts einer Fülle neu erschlossener Grundstücke durchaus eine Option. Die Filetstücke befinden sich in der Nähe Bariloches, zum Beispiel in der Gegend von Llao Llao (dort liegt das berühmte, gleichnamige Hotel) aber vor allem in der idyllischen 3000 Seelen-Gemeinde Villa Angostura, ungefähr auf halber Strecke zwischen San Martin und Bariloche. Die jüngsten Wertzuwächse - hier schwollen die Preise je nach Lage auf 120 bis 160 Dollar pro qm an – haben ihren Grund. „Vor zwei Jahren verschärften sich die Bauvorschriften,“ weiß Maria Reynolds von Reynolds Propiedades, „jetzt muss, wer bauen will, ein größeres Grundstück erwerben.“ Die Stadtväter dachten voraus. Ihre kleine, exklusive Gemeinde wird weiter wachsen, aber viel kontrollierter, mit einer geringeren Konzentration an Bauvorhaben – an Nachfrage hingegen mangelt es nicht, die Aussicht, am See zu wohnen lockt viele.

Nur anscheinend die Russen nicht. Jedenfalls will sie bisher niemand gesehen haben. Noch nicht. Vielleicht waren die, von denen eingangs die Rede war, auch nur zum Angeln da. Fly-Fishing ist eine der großen Attraktionen. Eine teure übrigens, bis zu 1000 Dollar kann so ein Abenteuer kosten. Pro Tag!