„Die Russen kommen!“ An
der Cote d´Azur sind sie längst eingebürgert,
in Miami gehören sie zum Ton - ob zum guten, da
dürfen Meinungen auseinander gehen - hört
man aber von ihnen, während man im winzigen Flughafen
von San Martin de los Andes auf die einzige Maschine
des Tages wartet und die Gespräche der Mitreisenden
belauscht, dann wird man hellhörig. Denn kommt
der Russe heute, dann kommt er ja nicht mit der Roten
Armee, sondern mit Geld. Meistens mit so viel, das
sich das Preisgefüge einer ganzen Region verändern
könnte.
Die Region? Patagonien, genauer: Die sieben Seen - „Siete
Lagos“, ein mehr als eine Million Hektar großes
Gebiet aus Wasser, Wäldern, Steppe und den drei
Nationalparks „Lanin“, „Los Arrayanes“ und „Nahuel
Huapi“. San Martin de los Andes ist das nördliche
Tor zu dieser einmaligen Landschaft. Und direkt vor
diesem Tor liegt mit dem Chapelco Golf & Resort
eine der attraktivsten Anlagen in der Gegend.
Von Russen will Jorge Taylor nichts wissen. Bisher
nicht. „Aber“, so erzählt er fröhlich, „ich
habe auch nicht von Jack Nicklaus gewusst.“ Jedenfalls
nicht 1991, als er mit der Idee spielte, die seit fast
einem Jahrhundert im Familienbesitz befindliche Estancia
einer neuen Bestimmung zuzuführen. Fast 15 Jahre
später schmückt ein von eben jener Golflegende
selbst entworfener 18-Loch-Golfplatz das 243 Hektar
große Terrain, ein 5 Sterne Hotel soll das Chapelco
Golf & Resort im kommenden Jahr krönen. Um
die Fairways herum standen insgesamt 430 Grundstücke
(alle komplett erschlossen, inklusive Broadband-Internet)
zum Verkauf. Standen, denn über 70% sind bereits
im Besitz einer sehr internationalen Klientel, darunter
Holländer, Franzosen und ein Deutscher – der
Name Jack Nicklaus zog. Und mit ihm zogen die Preise.
Nach oben: „Lots“, alle um die 2000 qm,
die noch vor 2 Jahren für 40.000 Dollar zu haben
waren, kosten heute das Doppelte. Bis 2007, so die
konservative Einschätzung Taylors, werden 100
Häuser stehen und das, obwohl ausdrücklich
kein Bauzwang herrscht.
Im Arelauquen Golf & Country Club sind die Bedingungen ähnlich – zum
Bauen wird niemand explizit aufgerufen. Warum auch,
schließlich ist erklärtes Ziel, dass von
den 700 Hektar ohnehin zwei Drittel naturbelassen bleiben
sollen. Der Club liegt etwas außerhalb Bariloches,
der mit über 100.000 Einwohnern größten
Ansiedlung in der Region. Hier am südlichen Ende
der „Siete Lagos“ zentrieren sich die wirtschaftlichen
und touristischen Aktivitäten. Im Winter ist die
von deutschen und schweizerischen Einwanderern mitgeprägte
Stadt das Epizentrum des weißen Sports, im Sommer
Ziel Erholungssuchender, die sich die Zeit mit Wassersport,
Angeln, Bergsteigen und Wandern vertreiben wollen.
Reisende aus Übersee aber auch die eigenen Landsleute
zieht es immer mehr in die Gegend – neben den
landschaftlichen Reizen vor allem eine Folge der Währungsschwäche.
Argentinier machen gezwungenermaßen, dem kränkelnden
Peso sei Dank, vermehrt Urlaub im eigenen Land. Das
erhöht die Nachfrage nach Privatunterkünften
und treibt die Preise für Land und Häuser.
So auch im Arelauquen Golf & Country Club, hier
stiegen die Werte für „Lots“ (2.600
qm im Durchschnitt) innerhalb der letzten 2 Jahre um
100 Prozent – heute reicht die Spanne von 50.000
bis 300.000 Dollar. Merry Tuten, eine Amerikanerin,
die selbst 5 Grundstücke kaufte und nun, quasi
als Hobby, als Teilzeitmaklerin für den Club agiert,
sieht noch kein Ende des Booms. „Sicher, solch
explosive Zuwachsraten gehören der Vergangenheit
an, trotzdem – der Markt wird weiter nach oben
tendieren.“ Warum? „Ganz einfach, vergleichbare „Pakete“ – saubere
Natur, hohe Sicherheit, vielfältigste Sport- und
Erholungspotentiale – kosten in den USA und Europa
ein Vielfaches.“
Bariloche bietet auch abseits von Golfplätzen
und „Gated Communities“ interessante Investitionsmöglichkeiten.
Klaus Zinggrebe, ein 41 jähriger Deutscher, folgte
vor knapp eineinhalb Jahren dem Lockruf der patagonischen
Natur. An der Playa Bonita, in unmittelbarer Seenähe
und unweit vom Stadtzentrum kaufte er ein 240 qm großes
Haus auf einem 1600 qm großen, bewaldeten Grundstück.
Preis damals: 80.000 Dollar. Wert heute – nach
einer großzügigen Renovierung: ca. 200.000
Dollar. Inzwischen hat er sich ein weiteres Haus zugelegt
und steckt mitten im Umbau. Zu erwartender Gewinn?
Zinggrebe schmunzelt und bedeutet salomonisch: „ Genug,
um davon hier bequem 2 Jahre leben zu können.“ Doch
wer jetzt glaubt, das sei ein Selbstgänger, aufgemerkt! „Zeit
und Geduld ist mitzubringen“, rät Zinggrebe,
der sich auch durchaus vorstellen könnte, auf
Auftragsbasis für Interessenten aus Deutschland
zu arbeiten. „Die Objekte sind teilweise in einem
sehr schlechten Zustand, zu dem müssen die Eigentumsverhältnisse
genauestens recherchiert werden, damit es hinterher
keine Überraschung gibt, wenn alles frisch renoviert
ist und plötzlich ehemalige Besitzer aufzukreuzen
meinen.“
Ein Risiko, das sich natürlich ausschließt,
baut man selbst. Angesichts einer Fülle neu erschlossener
Grundstücke durchaus eine Option. Die Filetstücke
befinden sich in der Nähe Bariloches, zum Beispiel
in der Gegend von Llao Llao (dort liegt das berühmte,
gleichnamige Hotel) aber vor allem in der idyllischen
3000 Seelen-Gemeinde Villa Angostura, ungefähr
auf halber Strecke zwischen San Martin und Bariloche.
Die jüngsten Wertzuwächse - hier schwollen
die Preise je nach Lage auf 120 bis 160 Dollar pro
qm an – haben ihren Grund. „Vor zwei Jahren
verschärften sich die Bauvorschriften,“ weiß Maria
Reynolds von Reynolds Propiedades, „jetzt muss,
wer bauen will, ein größeres Grundstück
erwerben.“ Die Stadtväter dachten voraus.
Ihre kleine, exklusive Gemeinde wird weiter wachsen,
aber viel kontrollierter, mit einer geringeren Konzentration
an Bauvorhaben – an Nachfrage hingegen mangelt
es nicht, die Aussicht, am See zu wohnen lockt viele.
Nur anscheinend die Russen nicht. Jedenfalls will sie
bisher niemand gesehen haben. Noch nicht. Vielleicht
waren die, von denen eingangs die Rede war, auch nur
zum Angeln da. Fly-Fishing ist eine der großen
Attraktionen. Eine teure übrigens, bis zu 1000
Dollar kann so ein Abenteuer kosten. Pro Tag!
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