“If you
build it, they will come”. So in etwa
lauteten die Worte, die ein Landwirt aus Iowa zu
hören glaubte. Daraufhin pflanzte dieser ein
kleines Baseballstadion mitten in seinen Maisanbau,
fertig war das Feld der Träume, denn bald pilgerten
Fans aus Nah und Fern herbei, um das Spektakel zu
sehen. Der Landwirt allerdings war Kevin Costner,
das “Feld der Träume” ein Hollywoodfilm
von 1989, der einprägsame Satz Teil des Drehbuchs.
Gleiches aber muss ein Developer aus Malaysia im
Sinn gehabt haben, als er ein Jahr zuvor sein eigenes
Skript schrieb – in der Hauptrolle er selbst
und eine Zinnmine. Hollywoodträume dauern selten
länger als 2 Stunden, der von Tan Sri Lee Kim
Yew geht demnächst ins dritte Jahrzehnt. Er
baute und alle kamen.
Die Hong Fatt Mines galt als die weltweit größte
Tagebau-Mine für Zinn. Als der Rohstoff zur Neige
ging, schrieb die Regierung das Gelände für
freizeit- und erholungsdienliche Zwecke aus. Lee Kim
Yew, mit 23 Selfmade-Millionär und gerade 33 Jahre
alt geworden, ließ sich nicht lange bitten. 50
Millionen Ringits (nach heutigem Kurs etwa 10.5 Millionen
Euro oder 2 Euro pro Quadratmeter) später und ihm
gehörten 525 Hektar abgewirtschaftete Bergbaulandschaft.
Das Wasser stand ihm nicht nur finanziell bis zum Hals – aus
der Mine selbst waren in der Zwischenzeit zwei bis zu
200 Meter tiefe Seen geworden. Keine Frage, der Mann
hatte eine Vision, eine, die zunächst allerdings
wohl niemand teilte. „Die meisten meiner Freunde
machten sich wohl Sorgen um meinen Verstand“, erinnert
sich der Tycoon heute, fast zwanzig Jahre später,
jovial. „Vielen war mein Vorhaben aber einfach
nur suspekt. Und vielleicht auch einfach eine Nummer
zu groß.“ Wie wahr. Denn als kleine Nummer
das zu bezeichnen, was er und seine Firma Country
Heights Holding Bhd. am Reisbrett entstehen ließ,
das wäre so, als behaupte man, Rom wäre doch
an einem Tag gebaut. Aufbauend auf ihrer Konzeption MICE
(Meetings, Incentives, Convention, Exhibition) wurde
innerhalb der nächsten zehn Jahre Mines Resort
City aus dem Boden gestampft, ein urbaner Kosmos
mit dem Flair des Ländlichen, von den Einheimischen
voller Ehrfurcht „Seven Wonders of Malaysia“ getauft.
Angefangen von einer großzügigen Golfanlage über
einer von einem Kanal durchzogenen Shopping Mall hin
zu einem Business Park, Messehallen und einem 5-Sterne
Hotel. Letzteres, das imposante Palace of the Golden
Horses, legte in verschiedener Hinsicht den Grundstein
für das finale Prunkstück im Immobilien-Mosaik
des Tan Sri Lee.
Am 27. August dieses Jahres wurde mit viel Aufwand und
lokaler Polit-Prominenz das enthüllt, was Tan Sri
Lee als „The Icing on the Cake“ beschreibt,
das gern zitierte I-Tüpfelchen. Es ist eher ein
Ausrufezeichen. Neben dem in einem bauherrlichen Mischmasch
aus maurischer und arabischer Architektur entstandene
Bettenburg, ragt demnächst ein 19-stöckiger
Annex komplett mit Tourellen und Minaretten in den Himmel über
Kuala Lumpur: Die Palace Residence Suites. 332
Wohneinheiten von 80 bis knapp 400 Quadratmeter, ab 1.2
mio Ringits aufwärts (ca. 250.000 Euro) kann man
sich in den Wohnpalast einkaufen. Verglichen mit aktuellen
Bauvorhaben in den USA, Australien oder Dubai ist der
Quadratmeterpreis von etwas über 3000 Euro noch
günstig, ein vergleichbares Projekt in Kuala Lumpur
aber kostet nur die Hälfte. Stellt sich die Frage:
Ist der Markt für ein solch ambitioniertes Projekt
bereit? Beim Visionär von einst herrscht nicht die
Spur eines Zweifels. „Wir haben bei all unseren
Unternehmungen nie geschaut, ob der Markt bereit war,
wir waren stets sicher, bereit für den Markt zu
sein“, orakelt der Mann, der aus der Zinn- bis
dato eine Goldmine machte, etwas kryptisch. Natürlich
ist ihm, wie auch den geladenen Gästen klar, dieses
Bauvorhaben will sich nicht nur mit internationalen Maßstäben
messen lassen, es soll und muss auch Investoren aus fernen
Ländern gefallen. Vielleicht ist deshalb der Begriff „Branding“ einer,
der an jenem Abend am häufigsten fällt. Klar,
im Sog eines renommierten Hotels, in dem schon die Queen,
Kofi Annan, Al Gore und Tiger Woods abstiegen, (ver-)kauft
man im gleichen Atemzug auch gleich ein feines Produkt
und schönes Stück Historie mit. Aber die Macher
ruhten sich nicht nur auf ihrem guten Ruf aus, sondern
brachten zusätzlich noch namhafte „Brands“ mit
ins Boot. Beziehungsweise ins Haus. Allen voran den deutschen
Möbel-Hersteller Hülsta, der für die Premiere
eigens zwei Show-Rooms mit ausstatte und komplett für
den Wohn- und Schlafbereich verantwortlich zeichnete – mit
zwei völlig gegensätzlich anmutenden, dennoch
komplementär wirkenden Einrichtungskonzeptionen.
Für die potentielle Klientel, die sich aus dem asiatischen
Raum rekrutiert, entstand der „Zen Room“,
mit durchgehend warmen Farben, die fließend ineinander übergehen.
Der „Contemporary Room“ hingegen setzt vermehrt
auf Kontraste, mutet eher italienisch-modern an und richtet
sich eindeutig an eine Kundschaft aus Europa oder Amerika.
208 Wohnungen gilt es zunächst einzurichten, welches
der beiden Wohnkonzepte sich vermehrt durchsetzen wird,
ist derzeit noch genauso offen, wie auch, ob noch eventuell
weitere hinzukommen. Hülsta ist in jedem Fall vorbereitet,
für die Möbel-Macher aus dem Westfälischen/dem
Münsterland sind Projekte dieser Größenordnung
und in diesen Breitengraden längst nichts Ungewöhnliches
mehr, der gute Ruf „Made in Stadtlohn“ hallt schon
länger durch den Fernen Osten. „Seit 5 Jahren
ist Hülsta sehr erfolgreich in Asien aktiv. Angefangen
in China sind wir inzwischen in Singapur, Indonesien,
Taiwan, den Philippinen und nun auch Malaysia präsent“,
erzählt der Asia Area Manager Marcel Kuriger.
In Malaysia wird Hülsta exklusiv von der Firma Möbel
Design (M) vertreten, diese Vertretung war es auch, die
den Kontakt zum Bauherren herstellte. Was folgte waren
Ausschreibungen, Briefings, eine Studie eines unabhängigen
Innendesigners nach der anschließend in-house 3-D
Computeranimationen angefertigt wurden und schließlich
die Lieferung der ersten Möbel selbst. Kuriger kennt
genau seinen Wettbewerbsvorteil. „Natürlich
wissen wir, dass die einheimischen Hersteller wesentlich
günstiger anbieten können, sie aber einfach
nicht in der Lage sind, unsere Qualität zu liefern.“ Die
Ware selbst ist übrigens keine Sonderanfertigung,
sondern kommt komplett aus den verschiedenen, gängigen
Produktlinien und wird dann individuell kombiniert. Ein
kleines Problem gab es hingegen doch, erinnert sich Kuriger
schmunzelnd. „Die Deckenhöhe. Wir mussten
unsere Schrankwände und Raumteiler auf 3 Meter anpassen,
normal bei uns sind nur 2.50 Meter.“
Der Asiate mag eher kleiner sein, doch er denkt groß.
Neben Hülsta, dem ebenfalls aus Deutschland stammenden
Küchenanbieter Häcker, wurde auch „The
Registry Collection“ gewonnen, der Mercedes unter
den Time Share Anbietern. Das englische Unternehmen hat
unter dem Zusatz „Fine Leisure Assets“ 108
ultraluxuriöse Ferienanlagen und Domizile im Angebot,
die Palace Residence Suites sind als erstes malaysisches
Unternehmen Teil dieses exklusiven Portfolios.
Ende des Jahres ist Spatenstich für den 125 Millionen
Euro teuren Palast, Anfang 2011 soll er bezugsfertig
sein, inklusive Ballsaal für 3000 Gäste, Spa,
diversen Restaurants auf den ersten beiden Stockwerken
und einem 5 Sterne Hotel-Service. Potentielle Investoren,
die noch immer nicht überzeugt sind, werfen vielleicht
einen Blick auf die Wertsteigerung der anderen Liegenschaften – der
Quadratmeter Boden rund um die eingangs genannte Mine,
der vor knapp 20 Jahren umgerechnet 2 Euro kostete, geht
heute nicht unter 20 Euro weg ... mit Luft nach oben.
Vom „Minenfeld“ zu Kevin Costners Maisfeld – in
dem Film geht es um die Erfüllung von Träumen
einerseits und um verpasste Gelegenheiten andererseits:
Tan Sri Lee hat ihn verstanden, er ließ keine aus
und erfüllte sich mehr als nur einen Traum.
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