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"Mögen Sie es hart?" Jean Reno (Maxim)
Er brilliert im Stillen. Durch seine Präsenz. Durch die markigen Gesichtszüge, den notorischen Dreitagebart. Doch hinter der rauen Schale verbirgt sich ein weicher Kern.
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Interview: Jean Reno
Netter Mantel!

Jean Reno: Wie bitte?
Der Pelz, den Sie sich in “Rollerball“ gönnen dürfen.

Jean Reno (lacht): Ach so. Ja, der ist echt prima. Den habe ich mir sogar selbst aussuchen können. Leider durfte ich ihn nicht behalten.

Ehrlich gesagt, Ihr Auftritt und der Pelz zählen schon zu den wenigen Highlights des Films.

Jean Reno: Finden Sie? Ich kann das nicht beurteilen, ich habe den Film nämlich noch gar nicht gesehen.

Wie bitte?

Jean Reno: Jetzt komme ich gerade aus Japan. Im Anschluss an die Dreharbeiten zu “Rollerball“ habe ich gleich mit einem neuen Film begonnen, da ergab sich einfach noch keine Gelegenheit.

Dann verschonen wir Sie einmal mit Details. Nur soviel: Der Film ist stellenweise äußerst brutal. Haben Sie nicht vor kurzem gesagt, nur noch Filme drehen zu wollen, die sich auch Ihre Kinder ansehen können?

Jean Reno: Sie haben Recht, das habe ich gesagt. Ich werde mich bei meinen Kindern entschuldigen müssen. Andererseits, ist die Gewalt doch nur vordergründig. Es ist immer eine Gratwanderung. Wie viel Brutalität soll und muss man zeigen, um genau diese Brutalität anzuprangern? Denn darum geht es doch in diesem Film – der Sport wird nur noch mittels Gewalt salon- beziehungsweise sendefähig. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Monsieur Reno als Kreuzzügler für den Fair Play im Sport? Haben Sie sich deshalb auf die Rolle des skrupellosen russischen Moguls eingelassen?

Jean Reno: Ganz ehrlich? Es kam das Angebot, mit John McTiernan zu drehen. Da habe ich mich nicht lange mit dem Drehbuch aufgehalten.

Sind Sie selbst ein Gratwanderer? Sie wechseln scheinbar mühelos zwischen amerikanischen Blockbustern (Mega-Produktionen) wie “Godzilla“ oder jetzt “Rollerball“ und kleineren französischen Produktionen wie “Das Geheimnis der purpurnen Flüsse“ oder “Wasabi“ hin und her.

Jean Reno: Ich drehe sehr gern mit den Amerikanern. Die Wohnwagen an den Sets sind einfach viel größer und bequemer (lacht). Aber dort leben? Sobald ein Film im Kasten ist, breche ich die Zelte wieder ab. Denn meine Wurzeln, meine Heimat, meine Familie - das alles ist in Frankreich. Logisch, dass ich deshalb immer wieder die Gelegenheit suche, zu hause zu arbeiten.

Aber hier sind Sie doch bekannt wie ein bunter Hund.

Jean Reno: Leider. Und Leute wie Sie machen es mir auch nicht leichter (lacht).

Wieso?

Jean Reno: Weil man einfach mein Privatleben nicht respektieren will! Es gab mal einen Reporter, mit dem habe ich mir eine regelrechte Verfolgungsfahrt durch Paris geliefert. Der ließ sich einfach nicht abschütteln. Später hielt er dann vor meiner Wohnung und wartete, dass ich wieder herauskomme. Den Kollegen habe ich mir dann nachdrücklich zur Brust genommen (grinst) und ihm klargemacht, dass auch ich ein Recht auf Privatleben habe. Ich glaube, er hat es begriffen, als wir uns Monate später wiedersahen, war er sehr freundlich.

Was tun Sie um, sich dem ganzen Trubel zu entziehen?

Jean Reno: Ich geh aufs Land. In der Provence gehört mir ein großes Stück Land mit einem Hof aus dem 17. Jahrhundert. Dorthin ziehe ich mich zurück und züchte ich Oliven. Sehr entspannend, sollten Sie auch mal probieren.

Olivenzüchten? Oder aufs Land gehen?

Jean Reno: Wenn Sie können, beides. Für mich hat das Landleben nur Vorteile. Ich bin bei meiner Familie und ich kann mich unbeschwert bewegen. Auf dem Dorf interessiert sich nämlich kein Schwein für Jean Reno.

Das heißt die wilden Zeiten des Jean Reno sind vorbei? Durchzechte Nächte in Paris, die spontanen Ferrari-Spritztouren, alles passé? Stattdessen trautes Familienglück auf dem Bauernhof?

Jean Reno: So in etwa. Erstens bin ich ja nicht mehr der Jüngste. Und zweitens, ob Sie es glauben oder nicht, fällt es mir mit zunehmenden Alter auch leichter mit (meiner Frau zusammen zu leben. Die Prioritäten verschieben sich einfach.

Sie haben auch einmal in Deutschland gelebt. Können Sie sich daran noch erinnern?

Jean Reno: Wie könnte ich das je vergessen! Es war in den späten 60er. Im Winter. Es war saukalt. Ich war damals in der Armee und irgendwo in der Nähe von Stuttgart stationiert. Zusammen mit Deutschen und Amerikanern. Beide bekamen doppelt so viel Sold wie wir. Unser bisschen Geld ging für Pizza drauf. Die war nämlich echt gut.