mit fotos
mit fotos
"Der Star-Schneider" (Cosmopolitan)
Bei keinem anderen lassen Prominente so gern Haare wie bei Udo Walz. Mit COSMOPOLITAN sprach der Barbier von Berlin über Prominenz, Trends und die eigene Vergänglichkeit.
mit fotos
 

Herr Walz, kann es sein, dass Sie irgendwann “out“ sind?
Kann ich mir nicht vorstellen. Was mich erstaunt ist, dass in Deutschland einfach kein junger Frisör nachkommt. Es ist eben immer noch Meyr, Möller, Walz. Man nennt mich ja auch schon “Die Legende Udo Walz“ (lacht). Nein, “out“ , das glaub ich nicht.

Wie lange wollen Sie denn noch die Schere in die Hand nehmen?
Da ich ja kein großes Familienleben oder Kinder habe, denke ich, dass ich bis ins hohe Alter im Laden stehe. Oder sogar noch im Rollstuhl (lacht).

Was heißt denn hohes Alter?
Na ja, ich bin jetzt 57 und ich wüßte keinen Grund, aufzuhören. Das hat mit Geld überhaupt nichts zu tun. Ich werde so lange arbeiten, bis es nicht mehr geht.

Da rückt das 40-jährige Dienstjubiläum “Haare machen“ näher. Das muss doch irgendwann langweilig werden ...
So lange mache ich das schon? Ich kann nur sagen, mir macht es immer wieder aufs Neue Spaß. Egal ob Fotoreisen oder der Salon. Ich weiß gar nicht, wie man sich darauf freuen kann, in Rente zu gehen. Da steht man dann später auf und guckt mehr Fernsehen. Nein, Danke.

Sie sind, mit Möller und Meyr zusammen, der bekannteste Frisör im Land. Ist Prominenz gleichzeitig Ausdruck für Qualität?
Ich denke schon. Denn prominent wird man ja eigentlich nur, wenn man etwas besonderes Gutes geleistet hat. Eigentlich ... . Schaut man sich manche der Mädels an, Schauspielerinnen zum Beispiel, dann wundert es mich, wie die prominent werden. Wahrscheinlich ist es eine Modeerscheinung. Wer aber ständig prominent ist, muss schon etwas gemacht haben, was andere beeindruckt.

Jeder gute Schauspieler macht auch mal einen schlechten Film. Gilt deshalb auch, jeder gute und prominente Frisör legt auch mal eine schlechte Frisur hin?
Sicher. Nur bei der Beurteilung ist das natürlich noch schwieriger, schließlich ist ja alles Geschmackssache.

Aber Frisöre wie Sie machen doch den Geschmack. Dann kann man sich doch hinterher hinstellen und sagen, das war genau so geplant?
Nein, denn man kann ja trotzdem darüber streiten. Wenn die Frau hinterher sagt, das ist mir Wurscht, wie Sie sich das gedacht haben, mir gefällt das nicht, dann muss man das akzeptieren. Aber das passiert mir relativ selten. Vielleicht einmal in zwei Jahren.

Alle anderen verlassen zufrieden Ihren Salon?
Ja, die gehen sehr glücklich nach Hause (lacht). Sonst würden ja auch wohl kaum 60 Prozent meiner Klientel aus der ganzen Republik anreisen, um sich von mir die Haare schneiden zu lassen. Die bringen noch ihre Familie mit, wir machen Erinnerungsfotos. Das ist richtig schön.

Sie zaubern jemanden den perfekten Haarschnitt, alles passt wunderbar, man geht nach Hause, kommt man nächsten Tag aus dem Bett und es sitzt nie wieder so, wie am Tag zuvor. Verkaufen Sie nicht auch Illusionen?
Nein. Es ist einfach eine Frage des Könnens. Vielleicht schneiden wir oder ich Haare einfach anders, als die meisten. Denn wenn die Kunden sich die Haare zu Hause gewaschen und gestylt haben, dann sieht es wieder genau so aus, wie ich es gemacht habe. Ich mache nie etwas, was nur einen Tag hält.

Die Obsession vieler Frauen, einem Schönheitsideal hinterher zu hecheln, mit Botox oder Fettabsaugen der Natur ein Schnippchen zu schlagen, ist da nicht langsam eine kritische Grenze erreicht?
Ich habe Kundinnen aus New York, die sich alle zwei Monate Botox spritzen lassen. Charmante, intelligente Frauen. Das ist sehr bedenklich, besonders bei den über 50-jährigen. Da hat man dann ein “junges“ Gesicht mit einem alten Körper. Das ist schizophren. Eine Frau mit Stil hat so etwas nicht nötig und sollte, wenn überhaupt, nur kleine Eingriffe vornehmen – zum Beispiel vielleicht an der Stirn etwas wegspritzen. Ich bin aber eigentlich dagegen, dass eine Frau ab einem gewissen Alter versucht, die Jugend einzuholen.

Dieser ganze Schönheitswahn ist doch eine Zeitgeisterscheinung. Als Sie in den 60ern Frauen, wie Romy Schneider die Haare machten, gab es doch so etwas nicht?
Gab es nicht, richtig! Da hat man doch an so etwas gar nicht gedacht. Heute sorgen Werbung und Medien dafür, dass dieser Hype um die Schönheit kultiviert wird. Aber eine intelligente Frau weiß, dass es die ewige Jugend nicht gibt und richtet ihr Leben danach aus. Denn nur schön oder jung zu sein, das kann ja nun auch nicht der Nabel der Welt sein, oder?

Manchmal hat man schon den Eindruck! Und viele Journalisten hypen ja auch kräftig mit. Bei Ihrer Prominenz, hätten Sie da nicht die Möglichkeit, gegen zu steuern?
Bei manchen Frauen bestimmt. Aber viele von denen, die ich kenne, machen sowieso diesen Schönheitswahn nicht mit. Andere wiederum ... in meinem Lieblingsrestaurant in New York, das Cypriani sehen 80 Prozent aller Frauen gleich aus. Unglaublich! Alle zwischen 50 und 60, die gleichen Haare, die gleichen Strähnen, die gleichen Nasen. Das ist Amerika, da herrschen aber auch andere Schönheitsideale.

Solche Beobachtungen unterstreichen die Vermutung, dass einfach immer mehr vom Äußeren abhängt. Kann man das so sagen?
Ich glaube ja. Fangen wir einmal beim Mann an. Sieht er gut aus, hat er es viel leichter, einen Job zu kriegen. Das Gleiche gilt für die Frauen. Ich bin mir sicher, dass Optik heute eine viel größere Rolle spielt, als in den 60er Jahren. Wenn man gut aussieht, stehen einem mehr Türen offen – bis sich dann zeigt, dass sich hinter der schönen Fassade nichts Gehaltvolles verbirgt. Aber dann kann man wenigstens noch Model werden (grinst).

Wenn für viele also das Aussehen Ausdruck der eigenen Identität ist, wieweit ist dann bei Ihrer Arbeit der Handwerker gefragt. Und wieweit der Therapeut? Wenn Frauen zu Ihnen kommen und wollen aussehen wie Julia Roberts und es genügt ein Blick, und Sie wissen, das wird nichts.
Solche Frauen kommen nicht zu mir. Ich habe ein ganz einfaches Rezept: Ich schaue auf die Handtasche, ich schaue auf die Schuhe und schon weiß ich, welchen Geschmack sie hat. Eine Frau mit Schuhen und Tasche von Chanel ist der klassische Typ. Die will weder eine Punkfrisur noch Grünsträhnen. Das ist eine Psychologie, mit der ich noch nie daneben gelegen habe. Und das funktioniert weltweit, egal ob ich einer Kundin aus Frankreich oder Amerika begegne, trägt sie Chanel, weiß ich, dass ich ihr bestimmte Frisuren gar nicht vorschlagen muss.

Gibt es auch mal welche, die ohne Handtasche kommen?
Selten. Auch merkwürdig, nicht? (grinst).

Zu Ihnen kommt aber viel Stammkundschaft. Manche seit über 20 Jahren zweimal die Woche. Warum? Man kann ja nicht ständig nachschneiden, oder?
Solche Besuche sind natürlich eine Frage des Geldes. Und solche Kundinnen, die nehmen halt den Fön nicht mehr selbst in die Hand, wollen aber ständig gut frisiert sein. Da helfen wir dann nach. In Frankreich wäre das nichts Ungewöhnliches, da rennen die Frauen viel öfter zum Frisör.

Was sind Sie eigentlich? Man liest mal Frisör, dann wieder Hair-Stylist. Auf Ihrer Website steht Coiffeur.
Ich bin Frisör! Ich kümmere mich nicht um diese ganzen Bezeichnungen. Wenn mich jemand fragt, ich bin Frisör – das ist mein Beruf.

Gibt es Momente, wo der Beruf Ihnen keinen Spaß macht?
Nein. Hat es auch noch nie gegeben. Gäbe es sie, würde ich wahrscheinlich denken, “oh je, jetzt wirst du schlecht, jetzt geht die Kreativität flöten.“ Sollte das einmal passieren, würde ich mich zur Ruhe setzen –wenn ich es mir leisten könnte. In den letzten 40 Jahren habe ich vielleicht insgesamt drei Monate nicht im Salon gestanden.

Wenn Sie nicht so prominent geworden wären und so vielen prominenten Menschen die Haare schneiden dürften, wäre die Lust am puren Handwerk die gleiche?
Ja ... ich glaube, ja. Und es ist heute immer noch so, dass ich aufgeregt bin, wenn ich berühmte Persönlichkeiten frisieren soll. Ich denke dann manchmal, “warum ich“. Wenn ich Claudia Schiffer frisieren darf, kann ich die Nacht vorher nicht schlafen. Oder bei Frauen wie Gwyneth Paltrow, Julia Roberts oder Julianne Moore, da wünsch ich mir, ich hätte einen Autounfall und müsste nicht zum Termin. Wenn ich Sie dann aber vor mir sitzen habe, ihre Haare anfasse, ist die ganze Aufregung wie weggeblasen. Ich hatte wirklich noch nie einen Tag, wo ich dachte “Scheiße, du musst jetzt schneiden.“

Inwieweit ist das Prominentsein an sich für Sie von Bedeutung? Werden Sie sich irgendwann einmal zurückziehen, zum Beispiel in Ihren Salon nach Mallorca?
Kann ich mir nicht vorstellen, jedenfalls noch nicht. Dafür fühle ich mich auch noch zu jung. Und prominent zu sein, das hat schon so seine Vorteile. Ich kriege in jedem Restaurant einen Tisch, werde immer zuvorkommend behandelt. Oder es gibt eben auch diese skurrilen Alltagserlebnisse. Neulich an der Wursttheke hat mich jemand erkannt, der hat dabei fast die Fassung verloren. Über so etwas muss ich schmunzeln. Aber auch auf Mallorca, wo mich dann junge Leute am Flughafen erkennen und “Ey Udo“ schreien.

Aber es muss doch auch die Schattenseiten im Leben eines berühmten Frisörs geben ...
Ja, denn meine Popularität hat manchmal ein Stadium erreicht, wo ich selbst erschrecke. Wenn Menschen in Restaurants an meinen Tisch kommen und ein Autogramm wünschen. Oder im Flugzeug, wenn jemand angeblich von seiner Tante ein Foto machen will, sich aber so hinstellt, dass ich auch noch mit aufs Bild passe – selbst wenn die angebliche Tante dann kaum noch zu erkennen ist, das ist schon ein wenig bedenklich.

Erklären Sie uns in diesem Zusammenhang Ihren Big Brother Ausritt?
Alle meine Freunde haben mir davon abgeraten. Ich habe dann nächtelang darüber nachgedacht, warum mir das schaden könnte. Schließlich hatte es ja mit meinem Beruf zu tun. Ich habe es dann durchgezogen, war anfangs sehr aufgeregt. Hinterher, als ich aus dem Container kam, kannte mich in Deutschland 90 Prozent der Jugend. Das war ein genialer Schachzug. Selbst der Spiegel hat darüber geschrieben. Positiv übrigens. Im Nachhinein finden meine Freunde das Ganze jetzt auch ganz lustig.

Ein Udo Walz, der nicht prominent geworden wäre, ist das überhaupt denkbar?
Davon würde ich mal nicht ausgehen. Obwohl, und das möchte ich betonen, ich war nie ehrgeizig. Ich war einfach meistens zur rechten Zeit am richtigen Ort. Ich habe mich ja nie um einen Job beworben, weder bei den Shows oder bei den deutschen Zeitschriften – für die Brigitte habe ich ja über 10 Jahre fast 90 Prozent der Titelbilder gemacht.

Was genau macht den Erfolg von Udo Walz aus?
Man erwartet von mir Höchstleistungen. Und merkwürdigerweise schaffe ich die auch.

Was heißt das genau?
Dass die Kundin zufrieden rausgeht. Man sieht ja, wie sie rein kommt und man sieht, wie sie rausgeht. Wenn sie dann mit viel Selbstsicherheit den Salon verläßt, hat sie einen ganz anderen Gang. Das zu erleben, ist großartig. Das geht soweit, dass sich die Frau sogar als Person ändert. Ich kenne einen ganz krassen Fall, von einer Frau, die nach einem Besuch bei mir nach Hause kam, ihr Mann fand die Frisur scheußlich und sie hat sich dann von ihm getrennt.

Schneiden Sie eigentlich nach einem gewissen Trend oder sind Sie der Trend?
Trend machen ja leider nicht die Frisöre, sondern die Modemacher. Die skizzieren bei einem Modell gleich die Haare dazu. Ich habe viel für Lagerfeld gemacht. Oder für Ralph Lauren, Thierry Mugler – die schreiben die Frisuren dann quasi vor. Frisöre machen nicht den Trend, sie interpretieren ihn.

Was erwartet die Frau in nächster Zeit?
Wir hatte ja lange Zeit minimalistische Köpfe. Also gefranst, gestuft oder ganz glatt. Jetzt fängt es wieder an, femininer zu werden. Er wird lockiger, so ein bisschen wie in der Hippie-Zeit, schließlich versucht man ja immer wieder Elemente aus den 60, 70 oder 80 Jahre wiederzubeleben. Wenn eine Frau ganz mutig ist, geht sie wieder mit Afro-Locken ... schrecklich! Natürlich wird nichts genau so, wie es war, aber es wird wieder femininer und glamouröser.

Und das in diesen Zeiten ...
Je schlechter die wirtschaftlichen Zeiten, desto glamouröser das Outfit. Nach dem 11. September gingen alle Geschäfte zurück. Nur bei mir lief es besser denn je. Nach dem Motto: Die Frau weiß nicht, was alles passieren wird, aber das gönnt sie sich in jedem Fall.

Ein typischer Tag im Leben des Udo Walz, wie muss man sich den vorstellen?
Um 9.15 im Salon. Ich habe dann im Durchschnitt 20 Frauen, den ich die Haare schneide. Zwischendurch gebe ich Interviews oder mache auch mal einen TV-Auftritt.

Jeden Tag?
Fast jeden. Ich habe in der Woche 30 bis 40 Anfragen. Vom Interviewwunsch bis zur Tankstelleneröffnung. Meine Pressereferentin sondiert dann, welche Auftritte sinnvoll sind. Hier liegt auch so ein bisschen die Kehrseite der Medaille. Man schreibt ja schon über den “immerpräsenten“ Udo Walz. Da muss ich einfach bei einigen Events anfangen, kürzer zu treten.

Ständig auf der Piste zu sein, dass muss einem doch irgendwann über sein?
Ich amüsiere mich immer. Und wenn nicht, gehe ich. Sofort. Vorne über den roten Teppich rein, hinten wieder raus. (lacht)

Man liest viel, wo man Udo Walz trifft, wenig hingegen über sein Privatleben. Ist das Tabu?
Das interessiert doch niemand.

Wenn Sie morgen aufwachen und allen Menschen sind über Nacht die Haare ausgegangen, was würden Sie dann machen?
Dann mache ich irgendwo eine kleine Pension auf. Würde ich vielleicht sogar machen, wenn die Leute ihre Haare behalten und ich genügend Geld habe ...