mit fotos
mit fotos
mit fotos mit fotos mit fotos mit fotos
“Akschnfuim” Schwarzenegger (Maxim 8/2003)
Wie wurde der österreichische Träumer zum amerikanischen Traum. MAXIM machte sich auf die Suche nach den Wurzeln der steirischen Eiche.
mit fotos
 

Ein Schauspieler ist ein mittels Sprache, Mimik, und Gestik agierender Darsteller von Gestalten dramatischer Werken. So jedenfalls lehrt es uns, in eingekürzter Form, die Brockhaus Enzyklopädie. Eine Definition, die eine wichtige Frage aufwirft: Ist der Terminator 1 – 3 Schauspieler? Mitnichten. Arnold Schwarzenegger ist Filmstar. Im Hauptberuf. Mit einem Kaleidoskop an Nebenberufen, ehemaligen und aktuellen. Arnie machte einst eine Lehre als Einzelhandelskaufmann, er war das Maß aller Dinge im Bodybuilding, Student der Betriebswirtschaftslehre und Immobilienspekulant. Er ist vierfacher Vater und wird als die republikanische Allzweckwaffe im Kampf um den nächsten kalifornischen Gouverneursposten gehandelt. Vor allen Dingen aber ist er eins: Jemand, dem bereits mit 15 dämmerte, “dass ich in etwas der Beste werde. Ich wusste nur noch nicht in was.“ Anders als Muhammad Ali, der stets jedem ungefragt entgegenposaunte, er sei der Größte, ging Arnold Schwarzenegger stets subtiler mit den vermeidlichen Weihen von ganz oben um. Aber wie? Aus welchem Holz ist die “steirische Eiche“ wirklich geschnitzt? Und wo kommt sie eigentlich her?

In Thal, einem betulichen Dorf in der österreichischen Steiermark unweit von Graz, erinnert nichts an ein Biotop, in dem Helden gezüchtet werden. Die Kommune mit heute knapp 2000 Mann Besatzung hat zwei Sehenswürdigkeiten – eine Burgruine und eine Adresse. Thal-Linak 145. Heute Pilgerstätte für Fans, damals Domizil vom örtlichen Gendarmerie-Kommandanten Gustav Schwarzenegger und Gattin Aurelia, die sich bemühten, im ersten Obergeschoß ihre Söhne Meinhard und Arnold groß zu kriegen. Es lag nicht nur an den fehlenden Heizkörper, dass durch das unscheinbare, schon einige Jahrhunderte alte Biedermeier-Gemäuer ein frischer Wind pfiff. Gustav regierte mit harter Hand, die Dosen an menschlicher Wärme waren gering, die mit Zucht und Disziplin um so größer. Die Formel “no pain, no gain“ begriff Klein Arnie lange bevor er “Akschnfuim“ buchstabieren konnte. Wie aber wurde er vom Buam zum Baum?

Schuld hat der Fußballtrainer. Arnold, mittelmäßig begabter Kicker (dafür aber einst auch österreichischer Juniorenmeister im Eisstockschießen), verliebte sich im zarten Alter von 13 in seine erste Freundin. Sie war stumm und hieß Barbell. Aber sie war nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Stahl, denn Barbell ist im Deutschen (und auch im Österreichischen) schlicht eine Hantel. Denn der Coach führte seine Balljungs zum Trainieren ins Gym und Arnie fraß zum ersten Mal Eisen. Eine Leidenschaft war geboren. Kurz darauf, Arnie hing in einer Eiche am Thaler Badesee und übte Klimmzüge an einem Besenstil, traf er auf eine Gruppe lokaler Bodybuilder. Die Jungs um Kurt Marnul und Harald Maurer nahmen den ambitionierten Pennäler unter ihre Fittiche – schnell wurde den älteren Hasen klar, dass vor ihnen ein Diamant stand. Roh, ungeschliffen, und schon satte 1.80 m groß. Maurer erinnert sich. “Er war ein freundlicher, schlaksiger, aufgeschlossener Junge mit einem zu großen Kinn und einem etwas bäuerlichen Akzent.“ Der Dialekt klebt heute noch wie Zuckerwatte, das Schlaksige wich dank besessenen Trainingseifers immer gigantischeren Muskelpaketen. Man kann sich die Begeisterung regelrecht vorstellen, die dem schöngeistigen Schwarzenegger Senior im Gesicht geschrieben stand, als sich sein Sohn, eingeölt und im knappen Höschen, ersten Bodybuilding-Meriten entgegen poste.

“Hätte mir jemand erzählt, ich müsse ein Kilo Scheiße essen, um Muskeln aufzubauen, ich hätte es getan“. Sagt Arnold. Oder sagt jemand, der sagt, er hätte es gesagt. Vieles rankt sich um das in den 60er Jahren noch jungfräuliche steiermarksche Gewächs: Gerüchte, Legenden und sicher auch Lügen. Spricht man mit Zeitzeugen und klopft man mit ihnen verschiedene Stationen des frühen Arnold S. ab, weiß garantiert jeder einen anderen Hergang zu erzählen. Einig aber waren sie sich alle in einem, zumindest heute. Arnold hatte das Zeug, ein ganz großer zu werden und ... er wurde es. Er war kaum volljährig, da war sein Body bereits so gebuildet, dass eine Einladung zum Mr. Europa Junior Wettbewerb ins Haus flatterte. Besser gesagt in die Kaserne, denn kurz zuvor begann Arnies Wehrdienst. Was tun? Rekrut Schwarzenegger wehrte sich gegen den Dienst und gewann gleich dreimal: Die Meisterschaft in Stuttgart, die Aufmerksamkeit der europäischen Bodybuilding-Szene und sieben Tage Einzelhaft bei Wasser und Brot wegen unerlaubten Fernbleiben von der Truppe.

In dem frischgekürten Mr. Europa reifte nun der Entschluss, endlich das Thal der Ahnungslosen zu verlassen. Sein “Entdecker“, Albert Busek, lud den neuen Stern am Hantel-Himmel ein, nach München zu kommen und dort im Sportstudio von Rolf Putziger zu arbeiten. Als Trainer, aber auch als Faktotum, Arnie war Mädchen für alles. Er putzte, er wischte, vor allem aber, er trainierte. Weil aber auch ein Herkules von morgen neben Eisen noch etwas anderes fressen muss, begann für das unbekümmerte Landei eine Zeit, in der es das Leben von einer völlig neuen Seite kennen lernen sollte. Sein “Entdecker“, Kurt Marnul – also ein anderer! – der des öfteren die Reise von Graz zu den Bajuwaren machte, rauft sich heute noch die Haare. “Er war ja a junger Bauernbub, was hat der schon gewusst von einer Großstadt wie München?“ Herzlich wenig. Und so schlitterte der junge Grazer mit stolz geschwelltem Brustkorb, einem frechen Grinsen und einer Extraportion ländlichem Charme ins bayrische Großstadtleben. Glaubt man Wendy Leigh, Autorin einer umstrittenen Schwarzenegger Biographie, dann vögelte er eine Schneise der Verwüstung durch die Phalanx lokaler Mädchen. Gerd Heinlein, Arnie-Intimus seit diesen Zeiten, gibt sich da deutlich moderater. “Er hat halt Fröhlichkeit und ein lockeres Leben ausgestrahlt und von 10 Frauen ist dann eine dabei, die sagt toll, diese Muskeln, die finde ich toll. Und die hatte dann sicher mehr vor, als nur einen Kaffee zu trinken.“ Die Wahrheit liegt, wie immer, irgendwo in der Mitte. Fakt ist aber, der Mann war kein Kind von Traurigkeit. Arnie gab Gas. In alle Richtungen – bei der Münchner Polizei liegen wahrscheinlich heute noch stapelweise Knöllchen – also auch in solche, wo “es hätte für den Arnold schlimm ausgehen können.“ So reminisziert Mentor Marnul, denn sein ehemaliger Protegé ist “in eine Clique von mehreren jungen Burschen hineingekommen, die einschlägige ... da will ich mich nicht zu äußern. Anfangs war Arnold dabei, später wurden dann aber alle wegen verschiedener Dinge verhaftet. Dem Arnold wollte man damals auch etwas anhängen.“

Was man ihm aber stets anhängen konnte, war sein manchmal etwas ausufernde Sinn für Humor. Zeugnis der harmloseren Art war “Die Reifeprüfung“. Ein Bodybuilder in spe bat um Aufnahme ins Münchner Eisen-Mekka. Welchen Beruf er denn ausübe, begehrte Arnold zu wissen. Bergsteiger. Daraufhin ließ er den Bewerber in voller Montur vom zweiten Stock des Studios abseilen, auf halber Strecke innehalten und lauthals losjodeln. “Sogar die Polizei hat applaudiert“, will Heinlein sich erinnern. Echten Spaß bedeuteten ihm die naiv-devote Haltung von Neulingen, die um das Geheimnis seines Erfolges bettelten. Ebenso legendär, wie ernährungsphysiologisch eine tour de force für die Verdauungstrakte seiner dümmlichen Jünger, waren Tipps aus Arnies Ernährungsfibel. Immer noch ein Dauerbrenner am Schwarzenegger-Stammtisch – die Salzanekdote. Den Trottel, der sich Arnies Diätplan aus geriebenen Nußschalen und sich täglich steigernden Sodiumchlorid-Dosen mit geradezu religiösen Eifer verschrieb, bis er am Monatsende bei 30 Teelöffel Salz pro Mahlzeit angekommen wäre, hat es tatsächlich gegeben. Am 17. Tag allerdings brach der Mann ab ... und zusammen. Einem anderen jubelte er unter, er müsse täglich mindestens ein gutes Kilo Eiscreme essen – der Mann war so entzückt, dass er weitere neun Kollegen von dieser Idee begeisterte.

In den 107 kg, den 56 cm Bizeps- und dem 1.45 m Brustkorbumfang, die der 20-jährige bei der Mr. Universum Wahl in London zu Markte trug, steckten weder Salz noch Zucker. Dafür aber jede Menge Anabolika. Arnie hat später nie ein Hehl daraus gemacht, dass er nicht nur Weltmeister war, sondern auch wie einer spritzte. War ja auch nicht verboten! Der Zweck heiligte die Mittel, er dopte und poste sich immer höheren Würden entgegen. Was noch fehlte, war der Olymp der Bodybuilder, die Wahl zum Mr. Universum in Amerika. Eine Einladung ließ auch hier nicht lange warten, Joe Weider, die inzwischen graue Eminenz der Szene, lockte den österreichischen Muskelmann zur Ausscheidung nach Florida. Arnie goes America, im September 1968 sollte er das europäische Kapitel beenden, vielleicht zu dem Zeitpunkt noch, ohne es zu wissen – der Frühaussiedler hatte gerade einmal eine kleine Sporttasche gepackt. In die vielleicht die entscheidenden Präparate nicht mehr gepasst haben, denn was sich ein paar Tage später den Juroren kalkweiß beim Wettkampf in Miami Beach präsentierte, war mehr Fleischklops als Muskelberg. Dennoch reichte es zum Mr. Vize-Universum. Weider gab seinem neuen Schützling einen Vertrag und besorgte ihm ein keines Apartment in Santa Monica in Kalifornien. Wieder startete er durch. Andere, ohne Vision und geistigem Horizont, wären wahrscheinlich zufrieden gewesen, sich in der berühmten Gold`s Gym weiter nach oben zu pumpen. Nicht der Ösi. Seine neue Heimat verhieß schließlich etwas mit unbegrenzten Möglichkeiten. Arnie belegt Kurse in Betriebswirtschaftslehre beginnt einen schwunghaften Versandhandel mit Ernährungspräparaten, verdingt sich unter dem Firmenschild “Pumping Bricks“ zusammen mit seinem engen Hantel-Freund Franco Columbu als Maurer, findet nicht nur eine feste Freundin, sondern darüber hinaus genügend Zeit, noch zahllose andere zu beschlafen. Kurz – Arnie war nicht nur busy, aus Arnie sollte bald Ah-nuld werden, schließlich stand er vor den Toren Hollywoods, er musste nur hereingelassen werden. Als eine Rolle in dem Low Budget Film “Herkules in New York“ ausgelobt wurde, drängte Joe Weider seinen Schützling ins grelle Kameralicht – nachdem er vorher beim Casting das Grazer Urgestein als österreichischen Shakespeare Darsteller getarnt hatte. Er spiele schlimmer als Lassie, der Fernsehhund, ließen Filmkritiker verlauten und meinten damit eher spätere, cineastische Gehversuche. Doch der zeigte sich bei Schauspiel ebenso unbeeindruckt wie beim Muskelspiel und ging stoisch seinen Weg. Regie Legende Robert Altman, der den 26-jährigen am Set zu seinem Film “Der Tot kennt keine Wiederkehr“ traf, versicherte später, er hätte niemals an einen Durchbruch des Steierers geglaubt. Um dann augenzwinkernd hinzuzufügen: “Ich hätte auch nie gedacht, dass Jack Nicholson es schaffen würde.“

Ah-nuld hatte es geschafft. Anfang der 80er war er Multimillionär, hatte die Kennedy-Nichte Maria Shriver becirct, räumte ein letztes Mal bei der Mr. Olympia Wahl ab und begann die Dreharbeiten zu einem Film, der nicht nur Schwarzenegger, sondern auch seinem engen Freund Heinlein in besonderer Erinnerung blieb. Beide saßen einst im Mathäser Palast, beide hatten kaum Kohle. “Man hat halt die billigste Karte genommen und sich dann auf den teuersten Platz gesetzt. Kam eine Kontrolle, musste man wieder nach vorn. Und Arnold sagte einmal, “Na ja, macht nichts, eines Tages sitze ich in diesem Kino und mein Film läuft da vorne als Premiere.““ 1982 sollte es soweit sein, “Conan, der Barbar“ wurde uraufgeführt – im Münchner Mathäser Palast. Planet Arnie war am aktiven Body Building Firmament gerade ausgebrannt, der in Hollywood wurde endgültig geboren.