Miami im Juni. Es ist heiß.
Mindestens 35 Grad. Die Luft flirrt, die Sonne
steht fast senkrecht. Ein Weltmeister und Golfer aus
Passion sitzt im Schatten . Der Blick wandert über
die Anlagen des Turnberry Isle Resorts, eines der exklusivsten
Hotels in Südflorida. Zur Linken ein Pool mit gigantischen
Ausmaßen, voraus ein tiptop gepflegter Golfplatz
in saftigem Grün. Ob sich Frankreichs Fußballplätze
in ähnlich gutem Zustand befinden? Dort versuchen
Bertis Buben gerade die Früchte wochenlanger Trainingsschinderei
einzufahren, um endlich einmal wieder den Fuball-Olymph
zu besteigen. Es ist Weltmeisterschaft. Derweil macht
Thomas Berthold - 62 facher Nationalspieler, Vizeweltmeister
1986, Weltmeister 1990 - Ferien in Florida und verschwendet
keine Gedanken an das sportliche Großereignis.
Ob er dem Ruf des Bundestrainers gefolgt wäre,
wenn der ihn, ähnlich wie Lothar Matthäus,
noch einmal hätte reaktivieren wollen? Schließlich
stehen ja genügend Berufskollegen in seinem Alter
im Aufgebot. "Auf gar keinen Fall. Das Kapitel
Nationalmannschaft war nach der WM 94 für mich
beendet.
Es fehlte einfach an der Motivation, weiterzumachen.
Und, fügt er hinzu, "ich werde mir die Spiele
nicht einmal im Fernsehen anschauen." Kein Zweifel,
der Mann hat Besseres zu tun. Golfen statt Kicken, viel
Lesen und einfach die Seele baumeln lassen. Denn seit
der Schulzeit hat der gebürtige Hesse nie wieder
soviel Urlaub gehabt, wie nach der gerade beendeten
Bundesliga-Saison. Den verbringt er mit seiner siebenjährigen
Tochter Julia, ein paar guten Bekannten - und seiner
neuen Freundin, der TV Moderatorin und Schauspielerin
Britta Schwalenberg. Nach sieben gemeinsamen Jahren
steht Ehefrau Heike plötzlich im Abseits. Berthold,
den sowohl auf dem Platz als auch in Interviews eine
beneidenswerte Gradlinigkeit auszeichnet, ist Realist.
"Ob mit oder ohne Britta, mir war klar, daß
ich mich trennen würde. Man lebt sein Leben ja
nicht für seine Frau oder seine Tochter. Der Preis,
dafür sein eigenes Leben aufzugeben, ist einfach
zu hoch." Eine gescheiterte Beziehung - das konnten
schon die damaligen Nationalmannschaftskollegen Völler
und Matthäus vorexerzieren. Neigen Fußballerehen
eher zum Scheitern ? "Quatsch, das hat mit Fußball
überhaupt nichts zu tun. Jede dritte Ehe wird sowieso
geschieden. Man driftet auseinander, es fehlt die Spannung.
Wichtig ist, daß der gegenseitige Respekt vorhanden
ist, daß auch die Frau ein eigenes Leben führt
und nicht nur zu Hause sitzt und die Kinder hütet."
Wenn das die Taktik für die zweite Halbzeit im
Leben des Thomas Berthold ist, dann muß er eigentlich
mit seiner neuen Herzdame genau richtig liegen. Die
36 jährige Wahl-Kölnerin ist unabhängig,
hat ihre Karriere fest im Blick und weiß was sie
will - Thomas oder keinen! "Das ist der Mann, wie
ich ihn mir immer vorgestellt habe."
Hoffentlich behält sie Recht. Eine Erfahrung teilen
die beiden auf jeden Fall - auch Britta Schwalenberg
trennte sich im verflixten siebten Jahr von ihrem Ehepartner,
dem Musiker Irvin Doomes. Wieso ist sich die kesse Hobby-Fallschirmspringerin
diesmal so sicher? "Ich habe jetzt vier Monate
gesucht, um irgendwas zu finden, was mich an ihm stört.
Ich habe nichts gefunden" Viel länger sind
die beiden auch noch nicht zusammen. Kennengelernt hat
sich das Paar in der Sylvesternacht in Kitzbühl.
Er feierte mit Bekannten, sie mit einer Freundin. Zufälligerweise
in der selben Kneipe. Gesehen, hingeguckt, angesprochen
- schon war es passiert. Was folgt, war hektischer Pendelverkehr
zwischen Köln und Stuttgart und die Erkenntnis,
daß man zusammenziehen muß. Keine Angst
vor zu schnellen Entschlüssen, nach so relativ
kurzer Zeit? Die Antwort kommt wie aus einem Munde.
"Wir sind beide realistisch. und treffen hier eine
sehr bewußte Entscheidung. Wir ziehen nicht zusammen,
um dann in zwei Jahren wieder auseinanderzu-gehen."
Die ersten beiden werden die beiden in jedem Fall im
Ländle verbringen , so lange läuft Bertholds
Vertrag noch beim VFB Stuttgart. Mit seinem Verein peilt
der 33jährige Abwehrspieler in der kommenden Spielzeit
die Meisterschaft an. Berthold auf seine typisch direkte
Art: "Alles andere wäre doch untertrieben,
angesichts der Tatsache, daß man einen Trainer
feuert, der mit der Mannschaft bis ins Europokalfinale
eingezogen ist."
Und während der Mann dem runden Leder nachjagt,
wartet die neue Lebensgefährtin zu Hause? Auf keinen
Fall - damit im Hause Berthold-Schwalenberg keine Langeweile
ausbricht, wird Britta auch in Zukunft ihrem Job nachgehen.
Satt Köln-München heißt es nun Stuttgart-München,
denn dort moderiert sie beim Home Shopping Kanal H.O.T..
Doch noch ist das gemeinsame Heim nicht bezogen, Trainingslager
und Moderationsaufzeichnungen liegen noch in weiter
Ferne. Bevor es soweit ist, verbringen die beiden noch
eine Woche in Rom. Der Stadt der Liebe und dem Ort,
an dem sich Berthold während seiner gesamten Fußballerlaufbahn
am wohlsten gefühlt hat. Zwei Jahre spielte er
in Verona, zwei Jahre beim AS Rom bis es ihn zurück
in die Bundesliga drängte. Ausgerechnet zum FC
Bayern München, wo es nicht lange dauerte, bis
er mit allen im Clinch lag. Der damalige Trainer Erich
Ribbeck verbannte "Bruder Leichtfuß",
wie ihn die Medien wegen seiner oftmals pomadigen Spielweise
tiulierte, zum Zuschauen auf die Tribüne. Eine
Saison lang war Berthold Deuschlands bestbezahltester
Hobby-Golfer. Später wurde er dann nach Stuttgart
ausgemustert "Italien zu verlassen war mein größter
Fehler" ärgert er sich heute noch und das
ist immerhin schon sieben Jahre her. Doch bei aller
Liebe zu den Italienern, Weltmeister werden die Azuros
nicht. Bertholds Favoriten sind Brasilien und Gastgeber
Frankreich. Und was ist mit der deutschen Elf? "Entscheidend
ist der Auftakt. Gewinnt man die ersten paar Spiele,
ist die Stimmung gut, dann kann es bis ins Halbfinale
gehen. Deutschland war schließlich schon immer
eine Turniermannschaft." Schluß mit Fragen
nach dem runden Leder, schließlich ist man ja
im Urlaub und muß noch anderen Leidenschaften
frönen. Inzwischen ist es auch ein wenig schattiger
geworden. Zeit einzulochen. Auf dem Golfplatz. Allerdings
nicht um das Handicap zu verbessern, sondern um Freundin
Britta den perfekten Schwung vorzuführen. Und so
ganz vom Ball lassen kann er eben doch nicht.
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