mit fotos
mit fotos
Thomas Haas "Der ernste Sonnyboy" (Gala)
Der 20-jährige Thomas Haas hat neben Tennis noch andere Träume: Cindy Crawford, schnelle Autos und - in zehn Jahren - eine eigene Familie.
mit fotos
 

Begeistert sieht sie nicht aus, die aktuelle deutsche Nummer 1 im Tenniszirkus. Haas hadert. Mit sich, seinem Schläger und der Rückhand, die partout nicht den Weg über das Netz finden will. Und vielleicht auch mit der Tatsache, so kurz vor Turnierbeginn noch ein Interview geben zu müssen. Über den Tennisplätzen des idyllischen Sonesta Resorts von Key Biscayne ist die Sonne längst untergegangen, als er endlich das Training abbricht. Vorbereitung ist eben alles. Und Tommy Haas ist stets hervorragend vorbereitet. Egal, ob auf das nächste Match oder das nächste Interview. Hier im südlichen Florida schickt er sich an, eine weitere Stufe auf dem Weg zum Tennisolymph zu nehmen. Bis auf Weltranglistenplatz 16 haben ihn die jüngsten Erfolge getragen – Tendenz steigend. Klar, daß mit jedem Erfolg das Interesse an dem gebürtigen Hamburger zunimmt. Haas, der Retter des teutonischen Tennis? Haas, der neue Becker? Deutschlands Tennishoffnung schüttelt energisch mit dem Kopf "Man muß es einfach klar sagen. Einen Boris Becker wird es nicht wieder geben. Und auch keinen Michael Stich. Auch keinen Michael Jackson oder Michael Jordan. Es gibt immer wieder neue Persönlichkeiten. Es gibt vielleicht mal einen Tommy Haas, der viel erreicht oder einen Nicholas Kiefer. Es ist eine Ehre mit ihm verglichen zu werden. Aber Boris ersetzen? Das geht nicht." Eigentlich ziemlich moderate Töne für einen, dem man noch vor kurzem maßlose Selbstüberschätzung und Arroganz vorgeworfen hat. In die Top Ten wollte er vorstoßen und ein Grand Slam Turnier gewinnen. Haben sich seine Ziele inzwischen ein wenig relativiert? "Ob ich die Nr. 1 oder Nr. 5 bin, das interessiert mich überhaupt nicht. Ich bin sehr glücklich wenn ich gesund bin und gutes Tennis spielen. Und wenn ich Erfolg habe, dann bin ich für mich selber zufrieden und nicht für irgendwelche anderen Leute. Daß ich für viele Zeitungen immer mehr ein Thema werde, ist völlig uninteressant." Bei diesen Worten wirkt der 21jährige gleich um einiges älter. Abgeklärter. Haas, der die letzten zehn Jahre mehr in Florida als in Europa verbracht hat, kultiviert eine interessante Mischung aus amerikanischer Nonchalance und deutscher Gründlichkeit. Zweifel haben da wenig Platz. Schon gar nicht, wenn es um den einmal eingeschlagenen Weg geht. "Ich spiele Tennis seitdem ich sechs Jahre alt bin. Und ich bereue keinen einzigen Tag. Im Gegenteil, ich bin stolz darauf, so hart gearbeitet zu haben. Natürlich hatte ich dadurch nicht soviel Freizeit wie andere." Und wenn er mehr hätte? Hat eigentlich jemand, der einen Großteil seines Daseins damit verbringt, kleine, gelbe Filzkugeln hin und her zu schlagen, Träume? Die Antwort ist typisch Haas. Und kommt ähnlich schnell und plaziert wie seine Vorhand. "Ich habe mir in meinen jungen Jahren schon viele Träume erfüllen können. Ob das nun mit in einem F16 Kampfjet mitfliegen, Ferrarifahren oder Fallschirmspringen war." Dann gerät Tommy plötzlich doch ins Sinnieren. "Ich denke, ein Traum ist sicherlich, die Frau des Lebens kennenzulernen. Eine mit der man sich versteht, der man vertraut. Mit der man eine Familie gründet" Getroffen hat er sie noch nicht. Er weiß aber schon wie sie aussehen darf. "Ich mag große Frauen. Typ Cindy Crawford." Da kann sich also eine gewisse Zahl von Tennis-Groupies berechtigte Hoffnung machen, denn der Mädchenschwarm ist zur Zeit bekennender Single. Die Liason mit dem Fotomodell Linda ist schon wieder passé und auch Ex-Freundin Olga, mit der er zwar noch regen Kontakt pflegt, ist nur noch eine Fußnote im Leben des hektischen Tennis-Stars. Sieht er sich in zehn Jahren immer noch von Turnier zu Turnier ziehen? "Ich denke, daß ich dann Kinder haben werden. Wahrscheinlich verheiratet sein. Irgendwo in Florida ein Haus. Vielleicht aber auch in Europa. Ich bin mir noch nicht sicher, wo meine Kinder aufwachsen sollen. Aber dem Tennis werde ich sicherlich treu bleiben." Bis es soweit ist, wird sich Tommy sicherlich von einem seiner wenigen Hobbys verabschieden. Der Mann ist Autonarr. Hat mehrere Fahrzeuge in der Garage in Bradenton in der Nähe von Tampa stehen, dort wo er auch eine kleine Zwei-Zimmerwohnung ganz in der Nähe des Bolletieri-Tenniscamps bewohnt. "Ich mag schnelle Autos. Ich teste immer wieder gern neue Autos aus. Solange man jung ist, probiert man einiges aus. Wenn man dann ein bestimmtes Alter erreicht hat und Familie und Kinder hat, interessiert einen das nicht mehr so." Während der letzten Antwort wippt sein Trainer schon etwas nervös mit dem Fuß und mahnt zur Eile. Aufbruchstimmung, schnell noch ein paar Bälle dreschen, bevor das Flutlicht abgestellt wird. "Ich bin einer, bei dem alles korrekt sein muß, wo alles stimmen muß. Einer der sich deshalb auch gern mal beschwert. Die Leute, die mich gut kennen, meine Familie, mein Coach, die wissen natürlich, daß ich es gar nicht so meine. Und eigentlich tue ich es auch nur, um für Stimmung zu sorgen, um die Leute zum Lachen zu bringen Ich bin eigentlich ein lockerer Typ. Man muß viel Lachen. Und die Sache nicht zu Ernst nehmen." Haas steht auf, bedankt sich artig, wünscht noch einen guten Abend. Und lächelt dabei das erste Mal.