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Portrait "High durch Hai" (a&r-Florida 99)
Manny Puig reitet auf Hammerhaien und Krokodilen Ohne Netz und Schutzkäfig. Auf wilden Tieren. Und er tut dies als Einziger auf der ganzen Welt mehr als einmal.
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Manny Manny Puig hat ein Hobby. Er reitet. Wie Millionen anderer Menschen auch. Doch während der gemeine Reiter aus Passion meist ein Pferd oder vielleicht auch einmal ein Kamel sattelt, besteigt Manny lieber einen Alligator. Oder einen Hammerhai. Sättel gibt es dafür nicht. Mit bloßen Händen packt er Finne, Flosse, Schwanz oder was er sonst zwischen die Finger bekommt – und los geht’s.

Das muß als allererstes einmal die Frage aufwerfen, ob Manny noch weiß, wo der Hammer hängt. Weiß er’s? Ein Besuch fast am südlichsten Zipfel Floridas klärt dieses und andere Rätsel. Den US 1 Richtung Key West bis zum Mile Marker 28 auf Little Torch Key, einmal rechts auf die State Road 4, noch einmal rechts auf die Mills Road, durch ein verrostetes Tor – und man fährt mitten rein in ein eklektisches Durcheinander aus Mangroven, Palmen und einer Reihe windschiefer Häuschen und Boote, die nach dem letzten großen Hurrikan noch immer einer Generalüberholung harren. Es dürfte schwierig werden, auf den Florida Keys eine Stelle zu finden, an der man sich weiter von der Zivilisation verabschieden kann. Passend zum natürlichen Ambiente, der Bewohner. Manny sieht ein bißchen so aus, wie frisch vom Baum gepflückt. Ungefähr 1,85 Meter groß, wallende, leicht ergraute Mähne – der Mann ist 45 – fusseliger Bart, Muskeln wie ein Zehnkämpfer und ein Blick, der keiner Fliege etwas zu Leide tun könnte. Tut er auch nicht. Insekten sind sowieso nicht seine Leidenschaft und alle anderen Tiere, mit denen er sich eingelassen hat, haben die Reiterspiele schadlos überstanden.

"Schon als ich klein war, galt mein Interesse den Tieren. Andere Kinder gingen Baseball spielen, ich lieber einen Alligator oder eine Klapperschlange fangen". Er erzählt das mit einer Nonchalance, als sei die Reptilienjagd die probateste Freizeitbeschäftigung für Jugendliche zwischen 5 und 15. Geboren wurde Manny auf Kuba, seine Familie hegt heute noch einen Anspruch auf 54.000 Hektar Waldgebiet – ein Areal ungefähr von der Größe des Bodensees. Ob Manny jemals in den Besitz dieses Grundstücks kommt ist eher ungewiß. Mit sechs Jahren verließ er im Schlepptau seiner Mutter und drei Schwestern Havanna, seinen Vater, einen treuen Batista Anhänger, ließ Castro hinrichten. Den Hang zur Natur konnte auch der Umzug nach Florida nicht trüben. Im Gegenteil. Gastspiele an Schule oder später am College hatten Seltenheitswert, Erwachsenwerden hieß für ihn nicht, möglichst viele Mädels, sondern möglichst große Alligatoren zu fassen zu kriegen. Klar, daß Manny nicht im Büro, sondern im Wasser landete. Er wurde Harpunenfischer.

Ein Landwirt hat einen modernen Trecker im Stall und spannt lieber den Ochsen vor den Karren. So in etwa verhält sich das Fischen mit der Harpune zu effizienteren Fangmethoden. Idealismus und die Abneigung zu Netzen und Angeln in allen Ehren, am Ende des Tages tauchte Manny meist mit drei Dingen auf. Wenig Fisch, wenig Geld und viel Ärger. Besonders mit Ehefrau und Vermieter. Berufskollegen wie Mark Rackley ging es da nicht anders. Über 15 Jahren kennen sich die beiden und seitdem Mark die Harpune mit einer Unterwasserkamera getauscht hat, fischen sie finanziell längst nicht mehr im Trüben. Manny voran, Mark einen Flossenschlag dahinter. Zusammen haben sie Unterwasseraufnahmen eingefangen, die jeden Normalsterblichen den Atem anhalten lassen. Keine Tricks, kein doppelter Boden, alle Tiere sind echt. Keine Sauerstoffflasche. Free Diver wie Manny können die Luft bis zu fünf Minuten anhalten.

Was macht den Reiz aus, einem vier Meter langen Hammerhai an den Hammer zu fassen? Wieso hüpft man in einen Sumpf, dessen trübe Brühe weniger als 50 Zentimeter Sicht gestattet, paddelt dann so lange umher, bis man vis á vis einem drei Meter langem Alligator gegenüberliegt. Um den dann sanft hochzuheben? "Es ist eine Herausforderung, ganz klar. Es ist aber auch der Wunsch, der Öffentlichkeit zu zeigen, daß wir mit diesen gefährlichen Kreaturen in Harmonie leben können." Daß die vielgepriesene Koexistenz durchaus Grenzen hat, sieht man an Mannys Extremitäten. Gleich der erste Hai quittierte die wohlgemeinte Zutraulichkeit mit einem herzhaften Biß in den Oberschenkel. Und hinterließ ein Souvenir in Form einer sechzig stichigen Narbe. "Close calls" nennen die beiden das. Beinah-Katastrophen.. Warum es bisher gottseidank immer bei dem "beinah" blieb, hat einen guten Grund. Eigentlich zwei. Ein unerschütterliches Vertrauen in den Allmächtigen und in die eigene Unverwundbarkeit.. Manny klingt alles andere als wie ein religiöser Ereiferer, wenn er sagt: "Zwischen dem was wir tun und Gott gibt es eine Verbindung. Wir sind alles Gottes Geschöpfe und es die Aufgabe von uns Menschen, uns anderer, gefährdeter, Kreaturen anzunehmen." Der Glaube versetzt also nicht nur Berge, sondern auch Haie und Alligatoren. In eine Art Trance. Mit einer Technik, die sie "Soft Touch" getauft haben, gelingt es Manny, die gefährlichen Beutejäger in einen Zustand völliger Passivität zu manövrieren. Dabei wird er dann studiert und markiert. Die Reaktion der wissenschaftliche Gemeinde auf dieses bizarre Naturschauspiel ist zwiespältig. Und Manny ist über deren Haltung kreuzunglücklich. "Sie schätzen unsere Arbeit nicht. Renommierte Meeresbiologen fabulieren über "unseriöse" Eingriffe in die Natur. Was aber ist mit Tauchern, die sich im Namen der Wissenschaft in einen Anzug aus Eisen klemmen und Haie füttern, in dem sie sich einen Fisch in den Mund stecken. Ist das Wissenschaft?" Vielleicht ist es auch einfach nur blanker Neid – denn bisher sind derartige Techtelmechtel mit Hammerhaien einzigartig. Und das soll auch so bleiben. Unisono lautet die Message der beiden Tauchkameraden: "Don`t try this at home!" Was soviel heißen soll wie "Finger weg von diesen Tieren"! In Mannys Repertoire stecken 25 Jahre Erfahrung – und selbst das schützt vor immer neuen Verletzungen nicht. Letzte Frage. What`s next? Beide grinsen und wieder kommt die Antwort wie aus einem Munde "The Great White – der weiße Hai"!

Ist Manny, sind beide verrückt? Mark lächelt und blickt selig in den Fernseher, wo Manny gerade vom Boot springt und auf einem Zitronenhai landet. "Verrückt? Ich lebe seit 30 Jahren in den Keys. Hier kenne ich mich aus. In einer Bar in Miami herumzuhängen und dort vielleicht angeschossen werden. DAS nenne ich verrückt".