„Den bestbezahlten Job
in der Regierung, kennen Sie den? Unter New Yorks Gouverneur
Eliot Spitzer zu arbeiten. Man bekommt ca. 5.000 Dollar
die Stunde.“ Die amerikanische Komikerzunft um
Leno und Lettermann stand mit zynisch-ätzenden
Gags Spalier, als der Skandal um Eliot Spitzer immer
weiter hochkochte. Sp®itzer-Gate war angerichtet.
Als der New Yorker Gouverneur am 12. März vor
die Presse trat, war eine Politikerkarriere ruiniert
und ein weiterer Sex-Skandal perfekt. Was hatte sich
die moralisierende Ein-Mann-Taskforce nicht alles auf
die eigene Agenda geschmiert. Mit dem Wall Street Raubrittertum
wollte er aufräumen, die Mafia ausmerzen, Zuhältern
und Prostituierten heimleuchten und als er nun mit
verkniffenen Mund und seiner Gemahlin im Schlepptau
vor dem Altar der Weltöffentlichkeit Abbitte leisten
musste, da lachten nicht nur Komiker, Pimps und Banker
im Gleichtakt der Schadenfreude, sondern auch der politische
Gegner – endlich einmal saßen die Republikaner
nicht im sexuellen Fettnapf. Nahm Eliot den Kampf gegen
die bezahlte Liebe so wortwörtlich, dass er selbst
erst einmal bezahlte, um zu sehen, wie es und worum
es überhaupt ging? Da dürfte er bei dem rassigen
Callgirl Ashley Alexandra Dupré (Arbeitstitel „Kristen“)
vom Emperor`s V.I.P Club einiges gelernt haben, sie
bediente unter anderem auch den notorisch-notgeilen
Charlie Sheen. Doch was für den Mimen Recht ist,
ist für den ethischen Kreuzritter von eigenen
Gnaden noch lange nicht billig. Buchstäblich.
Der Staatsdiener blies im Laufe seiner Amtszeit über
80.000 Dollar für sexuelle Dienste hinaus. Andersherum:
Es blieb hier nicht beim One-Night Stand, der Saubermann
ließ sich des Öfteren einen blasen. Und
mehr. „Client Nr. 9“ soll vorzugsweise
ohne Kondom zur Sache gekommen sein, das wird die nahen
Angehörigen noch einmal besonders gefreut haben.
Dabei ist es durchaus nachvollziehbar, dass Eliot aushäusig
spritzt – seine Noch-Ehefrau hat das sexuelle
Fluidum einer Dörrpflaume. Bloß hätte
er die Pimperei nicht auch noch aus Steuergeldern begleichen
lassen sollen.
Der Hoch- und Weitsprung ist eine sportliche, der Seitensprung
anscheinend eine politische Disziplin. Und er ist vom
Gedankengang durchaus olympisch, Dabeisein ist alles.
Immer wieder geraten fehlgesteuerte Amtsträger-Libido
aller Herren Länder ins Gerede. Aus den Schlagzeilen
der letzten drei Monaten: Bei unseren nordischen Nachbarn
bügelte der erst 34-jährige Sozialdemokrat
Jeppe Kofod bei einer Juso-Party ein erst 15-jähriges
Polit-Groupie weg – weil die Dänen nicht
nur tolerant in der Sache sind, sondern auch schon
ab eben 15 Jahren ihre legale Geschlechtsreife zelebrieren,
kam der Nachwuchspolitiker straffrei davon. Sein Amt
indes ging flöten. Das verlor, neben seiner Würde,
auch der malaysische Gesundheitsminister. Dass es die
sexuellen Eskapaden des 61-jährigen Chua Soi Lek
auf Video zu bestaunen gibt, ist dumm gelaufen. Noch
dümmer? Die Frau im Bild des angeblich glücklich
verheiraten Moslem ist nicht seine eigene. 200 schlüpfrige
SMS an eine Stripperin, da war auch die Karriere des
finnischen Außenministers Ilkka Kanerva passé.
In Detroit geriet der jugendliche Bürgermeister
Kwame Kilpatrick (37) unter Beschuss, ebenfalls liiert,
hatte er nicht nur seine Stabschefin gebürstet,
sondern im Rathaus auch noch Stripperinnen tanzen lassen.
Dass Alter weder vor Tor- noch vor Geilheit schützt,
beweist anscheinend John McCain – auch wenn
die Vorwürfe gegen den greisen Vietnam-Veteranen
und – nach eigenem Dafürhalten – nächsten
Oval Office Eroberer noch ihres endgültigen Beweises
harren. Er soll vor Jahren dem Anliegen einer vollbusigen
Lobbyistin auch horizontal entsprochen haben.
In kaum einem Land wird so viel Aufhebens wegen sexueller
Verfehlungen gemacht, wie in den USA. Nach dem Motto, „Rutsch
rüber, hier kommt dein Präsident“ (O-Ton
Lyndon B. Johnson) ließ besonders der erste Mann
im Staat einiges anbrennen. Politik nach dem Lustprinzip
durchzieht die gesamte präsidiale Ahnenreihe,
schon Thomas Jefferson sprang seitlich, fusionierte
mit einer schwarzen Sklavin und hob zumindest im privaten – für
die damalige Zeit natürlich politically total
incorrect – die Rassentrennung auf. Größter
Schürzenjäger im Weißen Haus? JFK.
Obwohl mit Jackie O. nach außen hin glücklich
liiert, setzte er ganz neue Maßstäbe in
Sachen Promiskuität. Die Bündnisfrage bekam
neue Stammwürze. Wer mit wem? Nun, er unter anderem
mit Marilyn Monroe, mit Jayne Mansfield, mit Judith
Campbell, Mätresse eines Mafiabosses, mit "einer
gesunden Portion von Stewardessen, Sekretärinnen
und Beraterinnen" und mit „Mimi“.
Codename „Mimi“, so geisterte lange Zeit
eine unbekannte Geliebte durch die Kennedy Annalen,
bis sie vor kurzem als Marion Fahnestock ihr Coming-Out
feierte. Ja, sie hätte damals eine Affäre
mit ihrem Dienstherren gehabt, so versicherte die ehemalige
Praktikantin glaubhaft. Damit dürfte Monica Lewinsky
als erster vernaschter Azubi im Oral Office ausgedient
haben. Das Pummelchen verhalf seinerzeit Bill Clinton
zu einem Amtenthebungsverfahren, weil sie sich nicht
nur vom Commander in Chief besamen ließ, sondern
auch Teile dessen Ejakulats cleverer und medienwirksamer
Weise mit ihrem blauen Kleid auffing. Bills Dementi,
er hätte niemals „sexual relation with that
woman“, ließ eine weltweite Diskussion,
was denn nun eigentlich Sex sei, aufkommen. Noch heute
scheint ungeklärt, ob die Penetration mit Zigarren
den Tatbestand erfüllt.
Nur wenige Meter entfernt lassen die Kongressmitglieder
die Puppen tanzen. Wer denkt da nicht an eine Episode
aus dem Jahr 1974. Der mächtige demokratische
Abgeordnete Wilbur Mills stand eines Nachts sturzbetrunken
am Teich, der das Jefferson Denkmal ziert. Dort badete
seine Mätresse Fanne „Das argentinische
Feuerwerk“ Fox – eine stadtbekannte Stripperin.
Wayne Hays, ebenfalls Demokrat, ließ zwei Jahre
später auch eher den Trieb, denn die Vernunft
walten. Frisch geschieden und auf dem besten Wege,
sich neu zu vermählen, bugsierte er noch schnell
eine Konkubine in seine Schreibstube und stellte sie
als Sekretärin an. Nach dem Motto „ ...
wenn der kleine Hunger kommt“! Elizabeth Ray,
so hieß die Dame, ließ die Nummer dann öffentlichkeitsschädigend
für Herrn Hays mit den Worten „ich kann
gar nicht tippen ... ich kann noch nicht einmal das
Telefon bedienen“ aufliegen. Ironischerweise
schrieb Frau Ray anschießend einen Bestseller über
ihre Erlebnisse. Das Capitol, ein modernes Sodom & Gomorrha?
In jüngster Zeit sind es dann wieder die republikanische
Delinquenten, die im moralischen Morast amerikanischer
Bigotterie die Übersicht verlieren. Kongressmann
Mark Foley funkte jahrelang anzügliche Emails
mit expliziten Blow Job Angeboten an ehemalige männliche
Praktikanten – immerhin, verheiratet war der
Mann nicht. Auf Foley-Gate folgte Vitter-Gate, David
Vitter, verheirateter Abgeordneter aus Louisiana versah
seinen Dienst neben dem Kongress auch bei DC Madam,
einem stadtbekannten Prostituiertenring in der Hauptstadt.
Seine Beischläferin, Wendy Cortez, nährte
des Abgeordneten öffentliche Ehe-Erosion dann
in einem Hustler-Interview mit den Worten, der Politiker
hätte einen kleinen Schwanz. Und ganz hell auf
dem Jahrmarkt der sexuellen Kabinettstückchen
strahlen die Avancen von Larry Craig. Der erzkonservative
Senator aus Idaho und bekennender Schwulen-Hetzer trug
seine „family values“ ausgerechnet auf
einer Herrentoilette des Flughafens von Minneapolis
zu Grabe, als er mit einem Undercover-Cop herumfüßelte.
Der nahm ihn wegen unzüchtigen Verhaltens prompt
fest. Noch heute weist der geschasste Politiker den
Verdacht, schwul zu sein weit von sich.
Gerade bei den Konservativen dies und jenseits vom
großen Teich scheint nicht nur die Morallatte,
sondern auch die in der Hose besonders hoch zu liegen.
Gern erinnert man sich bei unseren britischen Freunden
an die legendäre Profumo-Affäre. Heeresminister
John Profumo log sich um Kopf und Kragen, als es um
ein Verhältnis zum Mannequin Christine Keeler
ging. Nachdem der Skandal rückhaltlos aufgedeckt
war, kippte erst er und kurz darauf die gesamte Regierungsmannschaft – ein
libidinös motivierter Coup d`Etat, wenn man so
will. Denn nicht nur Mr. Profumo ging bei der Keeler
ein und aus, sondern auch Jewgenij Iwanow. Dieser war
ausgerechnet Marineattaché an der Botschaft
der Sowjetunion. Etwas zu brisante Liebesgrüße
aus Moskau.
Macht, so räsonierte einst Henry Kissinger, ist
das beste Aphrodisiakum. Wie verhielt es sich bei den
erotischen Ränkespielen im eigenen Land? Über
die ganz Großen in den Schaltzentralen schossen über
die Jahre immer wieder Spekulationen ins Kraut. „Renommierte
Journalistinnen, aber auch Zufallsbekanntschaften,
ja selbst Prostituierte“ – schenkt
man einem BKA-Dossier Glauben, dann verschliss Altkanzler
Willy Brandt Hundertschaften an willigen Gespielinnen.
Und die Birne? Hat sich Altkanzler Kohl von seiner
langjährigen Vorzimmerdame Juliane Weber die Eier
nicht nur kochen, sondern auch lecken lassen? Ein Franz
Josef Strauß, bajuwarisches Urgestein, steckte
den Kopf garantiert nicht in den Sand, sondern zwischen
die Beine einer Renate Piller. War er da schon verwitwet?
Und wo steckte das Gemächt des Mächtigen
sonst noch? Dem stiernackigen Potentaten geriet einmal
auf einer Dienstreise nach Amerika das Portemonnaie
verlustig, New Yorker Polizisten machten es bei einer
dort praktizierenden Prostituierten dingfest.
Überhaupt geht es bei den an sich bibelfesten
Bayern recht rustikal zu, kaum dass sich die Gelegenheit
bietet, den politischen Gegner wegen seines privaten
Lotterlebens kräftig abzumeiern. Nachdem CSU Mann
Waigel mit der Skiläuferin Irene Epple zum gemeinsamen
Slalom in die Betten fand, fädelte der verheiratete
Katholik just in dem Moment ein, als er sich zum Ministerpräsident
seiner Untertanen aufschwingen wollte. Aus dem Dunstkreis
des Konkurrenten Stoiber lancierte jemand die Affäre
an die Presse und Theos Regententraum platzte. Kaum
10 Jahre später wiederholt sich die Geschichte.
Opfer des grassierenden Stangenfiebers: Horst Seehofer.
Familie in Bayern, schwangere Geliebte in Berlin, der
Verbraucherschutzminister verbrauchte gleich zwei Frauen
gleichzeitig, offenkundig eine zu viel. Wieder ging
es um das Amt des Ministerpräsidenten. Und weil
er sich dann auch nicht so richtig für die eine
oder andere entscheiden konnte, entschied sich zumindest
der Parteitag gegen ihn.
Ob Pirsch nach dem schnellen Quickie oder Jagd nach
einem neuen Partner, derangierte Politikerschicksale
zeigen einmal mehr, dass das Eheleben mehr Seifenoper
als Heimatroman ist. Besonders interessant: Das Wechselspiel
aus öffentlichkeitswirksamen Outing und Reaktion
des Fußvolks. Als Gerhard ihr sein Verhältnis
mit Doris beichtete, setze Hillu ihn vor die Tür.
Der „Clinton von der Leine“ schien politisch
geköpft, Monate später wurde Schröder
dennoch Kanzler. Sein niedersächsischer Amtsnachfolger
Christian Wulff orchestrierte die Trennung von Frau
und Kind per „Bild“, präsentierte
die schwangere Geliebte und segelt seitdem in ruhigem
Fahrwasser. Günter Verheugen hingegen, händchenhaltend
im Baltikum ertappt, ließ angeblich durchsickern,
dass das Foto entstand, als besagte Frau ins Stolpern
geriet – damit kann man als Ehebrecher natürlich
nicht punkten. Wo steckte Borers Bohrer? Der Schweizer
Botschafter Thomas Borer gönnte sich ein sexuelles
Schäferstündchen mit Djamila Rowe, einem
Berliner „Modell“ und wurde von der eidgenössischen
Boulevardpresse regelrecht geschlachtet. Seine Dementi
verhallten so lange ungehört, bis Frau Rowe schließlich
gestand, sich den ganzen Zauber ausgedacht zu haben.
Auch die Franzosen wussten lange Zeit nicht, was sie
vom Libido ihres neuen Präsidenten halten sollten.
Geschieden, verliebt verheiratet, alles innerhalb von
wenigen Wochen? Hat der Nicholas mit der Bruni vielleicht
doch schon länger? Weil die neue Frau Sarkozy
aber deutlich hübscher anzusehen ist, wird schnell
Gras über die Sache wachsen.
Das hofft auch David Paterson. Im vorauseilenden Gehorsam
bilanzierte der neue Gouverneur von New York schon
einmal Teile seiner Vergangenheit, bevor ihn die durch
schnüffelnde Reporter vorschnell einholen könnte.
Vorwärtsverteidigung nennt man das wohl. Der 53-jährige
Spitzer-Nachfolge bekannte sich bereits zu Ehebruch
und Drogenkonsum im fortgeschrittenen Stadium.
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