"Damenwahl" (Penthouse 06/08)
Macht macht sexy. Das ist bekannt. Und deswegen lassen sich bezahlte und unbezahlte Damen gerne auf Mächtige und deren geballte Ladung Testosteron ein. Das bringt zwar den geregelten politischen Alltag durcheinander und sorgt immer wieder für Skandale, belegt aber die These, dass Seitensprung eine beliebte politische Disziplin ist. Blick durchs Schlu¨sselloch: Wer schlief mit wem?

 

„Den bestbezahlten Job in der Regierung, kennen Sie den? Unter New Yorks Gouverneur Eliot Spitzer zu arbeiten. Man bekommt ca. 5.000 Dollar die Stunde.“ Die amerikanische Komikerzunft um Leno und Lettermann stand mit zynisch-ätzenden Gags Spalier, als der Skandal um Eliot Spitzer immer weiter hochkochte. Sp®itzer-Gate war angerichtet. Als der New Yorker Gouverneur am 12. März vor die Presse trat, war eine Politikerkarriere ruiniert und ein weiterer Sex-Skandal perfekt. Was hatte sich die moralisierende Ein-Mann-Taskforce nicht alles auf die eigene Agenda geschmiert. Mit dem Wall Street Raubrittertum wollte er aufräumen, die Mafia ausmerzen, Zuhältern und Prostituierten heimleuchten und als er nun mit verkniffenen Mund und seiner Gemahlin im Schlepptau vor dem Altar der Weltöffentlichkeit Abbitte leisten musste, da lachten nicht nur Komiker, Pimps und Banker im Gleichtakt der Schadenfreude, sondern auch der politische Gegner – endlich einmal saßen die Republikaner nicht im sexuellen Fettnapf. Nahm Eliot den Kampf gegen die bezahlte Liebe so wortwörtlich, dass er selbst erst einmal bezahlte, um zu sehen, wie es und worum es überhaupt ging? Da dürfte er bei dem rassigen Callgirl Ashley Alexandra Dupré (Arbeitstitel „Kristen“) vom Emperor`s V.I.P Club einiges gelernt haben, sie bediente unter anderem auch den notorisch-notgeilen Charlie Sheen. Doch was für den Mimen Recht ist, ist für den ethischen Kreuzritter von eigenen Gnaden noch lange nicht billig. Buchstäblich. Der Staatsdiener blies im Laufe seiner Amtszeit über 80.000 Dollar für sexuelle Dienste hinaus. Andersherum: Es blieb hier nicht beim One-Night Stand, der Saubermann ließ sich des Öfteren einen blasen. Und mehr. „Client Nr. 9“ soll vorzugsweise ohne Kondom zur Sache gekommen sein, das wird die nahen Angehörigen noch einmal besonders gefreut haben. Dabei ist es durchaus nachvollziehbar, dass Eliot aushäusig spritzt – seine Noch-Ehefrau hat das sexuelle Fluidum einer Dörrpflaume. Bloß hätte er die Pimperei nicht auch noch aus Steuergeldern begleichen lassen sollen.

Der Hoch- und Weitsprung ist eine sportliche, der Seitensprung anscheinend eine politische Disziplin. Und er ist vom Gedankengang durchaus olympisch, Dabeisein ist alles. Immer wieder geraten fehlgesteuerte Amtsträger-Libido aller Herren Länder ins Gerede. Aus den Schlagzeilen der letzten drei Monaten: Bei unseren nordischen Nachbarn bügelte der erst 34-jährige Sozialdemokrat Jeppe Kofod bei einer Juso-Party ein erst 15-jähriges Polit-Groupie weg – weil die Dänen nicht nur tolerant in der Sache sind, sondern auch schon ab eben 15 Jahren ihre legale Geschlechtsreife zelebrieren, kam der Nachwuchspolitiker straffrei davon. Sein Amt indes ging flöten. Das verlor, neben seiner Würde, auch der malaysische Gesundheitsminister. Dass es die sexuellen Eskapaden des 61-jährigen Chua Soi Lek auf Video zu bestaunen gibt, ist dumm gelaufen. Noch dümmer? Die Frau im Bild des angeblich glücklich verheiraten Moslem ist nicht seine eigene. 200 schlüpfrige SMS an eine Stripperin, da war auch die Karriere des finnischen Außenministers Ilkka Kanerva passé. In Detroit geriet der jugendliche Bürgermeister Kwame Kilpatrick (37) unter Beschuss, ebenfalls liiert, hatte er nicht nur seine Stabschefin gebürstet, sondern im Rathaus auch noch Stripperinnen tanzen lassen. Dass Alter weder vor Tor- noch vor Geilheit schützt, beweist anscheinend John McCain ­– auch wenn die Vorwürfe gegen den greisen Vietnam-Veteranen und – nach eigenem Dafürhalten – nächsten Oval Office Eroberer noch ihres endgültigen Beweises harren. Er soll vor Jahren dem Anliegen einer vollbusigen Lobbyistin auch horizontal entsprochen haben.

In kaum einem Land wird so viel Aufhebens wegen sexueller Verfehlungen gemacht, wie in den USA. Nach dem Motto, „Rutsch rüber, hier kommt dein Präsident“ (O-Ton Lyndon B. Johnson) ließ besonders der erste Mann im Staat einiges anbrennen. Politik nach dem Lustprinzip durchzieht die gesamte präsidiale Ahnenreihe, schon Thomas Jefferson sprang seitlich, fusionierte mit einer schwarzen Sklavin und hob zumindest im privaten ­– für die damalige Zeit natürlich politically total incorrect – die Rassentrennung auf. Größter Schürzenjäger im Weißen Haus? JFK. Obwohl mit Jackie O. nach außen hin glücklich liiert, setzte er ganz neue Maßstäbe in Sachen Promiskuität. Die Bündnisfrage bekam neue Stammwürze. Wer mit wem? Nun, er unter anderem mit Marilyn Monroe, mit Jayne Mansfield, mit Judith Campbell, Mätresse eines Mafiabosses, mit "einer gesunden Portion von Stewardessen, Sekretärinnen und Beraterinnen" und mit „Mimi“. Codename „Mimi“, so geisterte lange Zeit eine unbekannte Geliebte durch die Kennedy Annalen, bis sie vor kurzem als Marion Fahnestock ihr Coming-Out feierte. Ja, sie hätte damals eine Affäre mit ihrem Dienstherren gehabt, so versicherte die ehemalige Praktikantin glaubhaft. Damit dürfte Monica Lewinsky als erster vernaschter Azubi im Oral Office ausgedient haben. Das Pummelchen verhalf seinerzeit Bill Clinton zu einem Amtenthebungsverfahren, weil sie sich nicht nur vom Commander in Chief besamen ließ, sondern auch Teile dessen Ejakulats cleverer und medienwirksamer Weise mit ihrem blauen Kleid auffing. Bills Dementi, er hätte niemals „sexual relation with that woman“, ließ eine weltweite Diskussion, was denn nun eigentlich Sex sei, aufkommen. Noch heute scheint ungeklärt, ob die Penetration mit Zigarren den Tatbestand erfüllt.

Nur wenige Meter entfernt lassen die Kongressmitglieder die Puppen tanzen. Wer denkt da nicht an eine Episode aus dem Jahr 1974. Der mächtige demokratische Abgeordnete Wilbur Mills stand eines Nachts sturzbetrunken am Teich, der das Jefferson Denkmal ziert. Dort badete seine Mätresse Fanne „Das argentinische Feuerwerk“ Fox – eine stadtbekannte Stripperin. Wayne Hays, ebenfalls Demokrat, ließ zwei Jahre später auch eher den Trieb, denn die Vernunft walten. Frisch geschieden und auf dem besten Wege, sich neu zu vermählen, bugsierte er noch schnell eine Konkubine in seine Schreibstube und stellte sie als Sekretärin an. Nach dem Motto „ ... wenn der kleine Hunger kommt“! Elizabeth Ray, so hieß die Dame, ließ die Nummer dann öffentlichkeitsschädigend für Herrn Hays mit den Worten „ich kann gar nicht tippen ... ich kann noch nicht einmal das Telefon bedienen“ aufliegen. Ironischerweise schrieb Frau Ray anschießend einen Bestseller über ihre Erlebnisse. Das Capitol, ein modernes Sodom & Gomorrha? In jüngster Zeit sind es dann wieder die republikanische Delinquenten, die im moralischen Morast amerikanischer Bigotterie die Übersicht verlieren. Kongressmann Mark Foley funkte jahrelang anzügliche Emails mit expliziten Blow Job Angeboten an ehemalige männliche Praktikanten – immerhin, verheiratet war der Mann nicht. Auf Foley-Gate folgte Vitter-Gate, David Vitter, verheirateter Abgeordneter aus Louisiana versah seinen Dienst neben dem Kongress auch bei DC Madam, einem stadtbekannten Prostituiertenring in der Hauptstadt. Seine Beischläferin, Wendy Cortez, nährte des Abgeordneten öffentliche Ehe-Erosion dann in einem Hustler-Interview mit den Worten, der Politiker hätte einen kleinen Schwanz. Und ganz hell auf dem Jahrmarkt der sexuellen Kabinettstückchen strahlen die Avancen von Larry Craig. Der erzkonservative Senator aus Idaho und bekennender Schwulen-Hetzer trug seine „family values“ ausgerechnet auf einer Herrentoilette des Flughafens von Minneapolis zu Grabe, als er mit einem Undercover-Cop herumfüßelte. Der nahm ihn wegen unzüchtigen Verhaltens prompt fest. Noch heute weist der geschasste Politiker den Verdacht, schwul zu sein weit von sich.

Gerade bei den Konservativen dies und jenseits vom großen Teich scheint nicht nur die Morallatte, sondern auch die in der Hose besonders hoch zu liegen. Gern erinnert man sich bei unseren britischen Freunden an die legendäre Profumo-Affäre. Heeresminister John Profumo log sich um Kopf und Kragen, als es um ein Verhältnis zum Mannequin Christine Keeler ging. Nachdem der Skandal rückhaltlos aufgedeckt war, kippte erst er und kurz darauf die gesamte Regierungsmannschaft – ein libidinös motivierter Coup d`Etat, wenn man so will. Denn nicht nur Mr. Profumo ging bei der Keeler ein und aus, sondern auch Jewgenij Iwanow. Dieser war ausgerechnet Marineattaché an der Botschaft der Sowjetunion. Etwas zu brisante Liebesgrüße aus Moskau.

Macht, so räsonierte einst Henry Kissinger, ist das beste Aphrodisiakum. Wie verhielt es sich bei den erotischen Ränkespielen im eigenen Land? Über die ganz Großen in den Schaltzentralen schossen über die Jahre immer wieder Spekulationen ins Kraut. „Renommierte Journalistinnen, aber auch Zufallsbekanntschaften, ja selbst Prostituierte“ ­– schenkt man einem BKA-Dossier Glauben, dann verschliss Altkanzler Willy Brandt Hundertschaften an willigen Gespielinnen. Und die Birne? Hat sich Altkanzler Kohl von seiner langjährigen Vorzimmerdame Juliane Weber die Eier nicht nur kochen, sondern auch lecken lassen? Ein Franz Josef Strauß, bajuwarisches Urgestein, steckte den Kopf garantiert nicht in den Sand, sondern zwischen die Beine einer Renate Piller. War er da schon verwitwet? Und wo steckte das Gemächt des Mächtigen sonst noch? Dem stiernackigen Potentaten geriet einmal auf einer Dienstreise nach Amerika das Portemonnaie verlustig, New Yorker Polizisten machten es bei einer dort praktizierenden Prostituierten dingfest.

Überhaupt geht es bei den an sich bibelfesten Bayern recht rustikal zu, kaum dass sich die Gelegenheit bietet, den politischen Gegner wegen seines privaten Lotterlebens kräftig abzumeiern. Nachdem CSU Mann Waigel mit der Skiläuferin Irene Epple zum gemeinsamen Slalom in die Betten fand, fädelte der verheiratete Katholik just in dem Moment ein, als er sich zum Ministerpräsident seiner Untertanen aufschwingen wollte. Aus dem Dunstkreis des Konkurrenten Stoiber lancierte jemand die Affäre an die Presse und Theos Regententraum platzte. Kaum 10 Jahre später wiederholt sich die Geschichte. Opfer des grassierenden Stangenfiebers: Horst Seehofer. Familie in Bayern, schwangere Geliebte in Berlin, der Verbraucherschutzminister verbrauchte gleich zwei Frauen gleichzeitig, offenkundig eine zu viel. Wieder ging es um das Amt des Ministerpräsidenten. Und weil er sich dann auch nicht so richtig für die eine oder andere entscheiden konnte, entschied sich zumindest der Parteitag gegen ihn.

Ob Pirsch nach dem schnellen Quickie oder Jagd nach einem neuen Partner, derangierte Politikerschicksale zeigen einmal mehr, dass das Eheleben mehr Seifenoper als Heimatroman ist. Besonders interessant: Das Wechselspiel aus öffentlichkeitswirksamen Outing und Reaktion des Fußvolks. Als Gerhard ihr sein Verhältnis mit Doris beichtete, setze Hillu ihn vor die Tür. Der „Clinton von der Leine“ schien politisch geköpft, Monate später wurde Schröder dennoch Kanzler. Sein niedersächsischer Amtsnachfolger Christian Wulff orchestrierte die Trennung von Frau und Kind per „Bild“, präsentierte die schwangere Geliebte und segelt seitdem in ruhigem Fahrwasser. Günter Verheugen hingegen, händchenhaltend im Baltikum ertappt, ließ angeblich durchsickern, dass das Foto entstand, als besagte Frau ins Stolpern geriet – damit kann man als Ehebrecher natürlich nicht punkten. Wo steckte Borers Bohrer? Der Schweizer Botschafter Thomas Borer gönnte sich ein sexuelles Schäferstündchen mit Djamila Rowe, einem Berliner „Modell“ und wurde von der eidgenössischen Boulevardpresse regelrecht geschlachtet. Seine Dementi verhallten so lange ungehört, bis Frau Rowe schließlich gestand, sich den ganzen Zauber ausgedacht zu haben. Auch die Franzosen wussten lange Zeit nicht, was sie vom Libido ihres neuen Präsidenten halten sollten. Geschieden, verliebt verheiratet, alles innerhalb von wenigen Wochen? Hat der Nicholas mit der Bruni vielleicht doch schon länger? Weil die neue Frau Sarkozy aber deutlich hübscher anzusehen ist, wird schnell Gras über die Sache wachsen.

Das hofft auch David Paterson. Im vorauseilenden Gehorsam bilanzierte der neue Gouverneur von New York schon einmal Teile seiner Vergangenheit, bevor ihn die durch schnüffelnde Reporter vorschnell einholen könnte. Vorwärtsverteidigung nennt man das wohl. Der 53-jährige Spitzer-Nachfolge bekannte sich bereits zu Ehebruch und Drogenkonsum im fortgeschrittenen Stadium.