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"Ein Däne in Hollywood" (Gala 2006)
Ole Henriksen hat es geschafft. Sein Spa zählt zu den berühmtesten der USA, seine Beauty-Linie verkauft sich weltweit. Nun wohnt der Mann, dem die Stars vertrauen, auch ganz oben – in einem Prachthaus in den Bergen von Los Angeles.
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Wenn Menschen, wie oftmals behauptet, wie offene Bücher sind, dann ist Ole Henriksen wie eine ganze Bibliothek. Auf dem Weg von seinem Arbeitsplatz, dem Ole Henriksen Face & Body Salon am Sunset Boulevard hin zu seinem Haus in den Bergen hoch über Los Angeles avanciert der dänische Beauty-Papst zum Fremdenführer. Und macht Dank der pausenlosen Anekdötchen über seine berühmten Nachbarn die knappe Fahrt zu einer kurzweiligen Tour durch das Who is Who am Doheney Drive. „... Hier wohnt Halle Berry, wie man sieht, ist sie gerade am Umbauen ...“ Er tritt kurz auf die Bremse und zeigt auf eine eher unscheinbare Villa mit reichlich Bauschutt. „Und weiter geht die Fahrt ... hier lebt der Jazzmusiker Herbie Hanckock, dieses Haus hier gehörte einst Spencer Tracy und Katherine Hepburn.“ Er zeigt auf ein bescheidenes Anwesen, das zur Rechten ins Visier kommt und meldet: „Diana Ross, mit Tennisplätzen und einem grandiosen Blick.“ Um anschließend geschickt den Bogen zu der Tatsache zu schlagen, dass die alternde Diva nur eine seiner vielen berühmten Klientinnen ist. „60 Jahre alt, ein Beispiel klassischer Schönheit, fantastische Haut, no plastic surgery ... .“ Diskretion ist eine Tugend, Klappern gehört zum Handwerk, zwischen diesen beiden Extremen balanciert die nordische Frohnatur, er fährt Slalom durch den Jahrmarkt der Hollwoodschen Eitelkeiten, doch einzufädeln droht er nicht.

Zu Hause bei ihm angekommen empfängt uns ein zweistöckiges Gebäude, architektonisch dem eher etwas biederen „Traditional American“ Stil zugeordnet, davor ein Baum, der alles Grün abgeworfen hat und Laurence. Laurence ist Oles Lebenspartner und das schon seit 22 Jahren, das muss im Scheidungsminenfeld der Traumfabrik rekordverdächtig sein. Früher war der 47-jährige aus Wisconsin einmal Stylist, inzwischen hat er auf Innendesigner umgeschwenkt. Das Ergebnis, jedenfalls in den eigenen vier Wänden, kann sich sehen lassen. Überall überwiegen die gleichen, warmen Erdtöne , dennoch hat jeder Raum seinen besonderen Charakter. Eine eklektische Mischung aus antiker und zeitgenössischer Kunst lässt auf eine gewisse Sammelleidenschaft schließen, doch stehen die großen Namen, wiewohl sie präsent sind – Zeichnungen des bekannten kalifornischen Bildhauers Robert Graham grüßen ebenso wie Photografien von Karl Lagerfeld – bei den Hausherren eher niedrig im Kurs. Kunst also mehr als Mittel zum Zweck? „Wir empfinden da sehr europäisch“, erklärt Henriksen die gemeinsame Einrichtungsphilosophie. „Es geht nicht darum ein Museum zu schaffen, sondern ein Zuhause, in dem sich jeder wohl fühlt.“ Sich auf den fast 350 Quadratmetern nicht gleich wie zu Hause zu fühlen, ist tatsächlich unmöglich. Immer wieder ins Auge fallen die vielen kleinen Privatschätze, über die der Wahlkalifornier geduldig, aber auch stolz Auskunft gibt. Da steht ein Dankschreiben von Iman neben einer persönlichen Widmung des dänischen Königshauses. Ein Geschenk Nastassja Kinskis neben einer silbernen Zigarrenschatulle seiner ehemaligen Kopenhagener Bank. Ein farbenfrohes Gemälde an der Wand, das ein wenig Mühe hat, sich dem Stil des Raumes anzupassen? Man erwartet den Namen eines aufstrebenden Künstlers, doch verantwortlich zeichnete, pardon ... malte Kirsten Prütz-Clausen. „Die Schwiegermutter meines jüngeren Bruders,“ erklärt der Gastgeber gut gelaunt. Design und Dekor überlässt er sonst aber schon seinem jüngeren Partner. Kommt da nie Streit auf? Laurence grinst und zeigt mit dem Finger auf einen großzügig portionierten Esstisch in schwarz. „Als Ole ihn zum ersten Mal sah, rief er mich an und sagte, das Ding sei zu groß, zu schwer und sehe aus, wie ein Eislaufring auf Beinen.“ Bleiben durfte er trotzdem ...

Fünf Jahre leben die beiden jetzt in ihrer Oase der Ruhe hoch oben über der Stadt. „Friedlich wie in der Toskana“, so Ole. Nun, das ist vielleicht ein wenig übermütig, schließlich scheint es auch bei ihnen ständig etwas zu tun zu geben. Etwas, das die Idylle ein wenig in Mitleidenschaft zieht. Als nächstes ist die Küche dran. An einen Pool wurde auch schon gedacht, doch so Laurence augenzwinkernd, „es wäre der teuerste der Welt.“ In der Tat müsste dafür wohl ein Stück steiler Felsen weggesprengt werden. So bleibt es zunächst bei dem großzügigen Patio aus Holz, der einen einmaligen Blick über das zu Füßen liegende Los Angeles spendiert und auf dem die beiden einen Großteil ihrer knappen Freizeit verbringen.

Warum knapp? Weil der umtriebige Däne nonstop im Einsatz ist. Sein Tag kann anscheinend gar nicht genug Stunden haben, beginnt meistens um 5.30 und 30 Minuten später hat der ehemalige Tänzer und Akrobat schon 300 Liegestütz, eine ähnliche Anzahl von Telefonaten und selbst gemachtes Müsli hinter sich. Sein Erfolg nach über 25 Jahren Amerika liegt begründet in seiner ureigenen Art, Privates mit Geschäftlichen zu verquicken. Es gibt nur einen Ole. H. Er ist ständig und für jeden ansprechbar, in jedweder Sache, er findet immer den richtigen Ton und seine Angestellten lieben ihn. Sein Klientel? Die Therons, Zellwegers, Roberts und di Caprios dieser (Traum-) Welt, sie kommen nicht nur, sie bleiben auch. Seine Produkte haben einen weltweiten Triumphzug angetreten, in seiner alten Heimat ist der 55-jährige längst ein Star. Aber einer, der beim Rummel um seine Person stets gelassen bleibt. Unlängst, so erzählt er, sei er von einem 60-köpfigen Chor aus Dänemark auf dem Sunset Boulevard erkannt worden. „Die Leute haben anschließend das Spa gestürmt – und mir dann die Regale leer gekauft.“

Henriksen ist von einer geradezu ansteckenden Fröhlichkeit. Ein Mann, der vor Elan sprüht, der sich und seinen Werdegang mit einer gesunden Mischung aus Selbstkritik und Nonchalance betrachtet. Und dem immer ein wenig der Schalk im Nacken sitzt. Auf der Rückfahrt gestikuliert er wieder in Richtung einer seiner Anrainer. „Hier ist das Haus vom Ex-Paris Hilton Lover, auf einer der Parties wurde Leonardo di Caprio mit einer Bierflasche traktiert.“ Das rundet dann den Besuch in der Nachbarschaft ab und man weiß endgültig: Ole Henriksen hält mit kaum etwas hinter dem Berg und hat auf jeden Fall den Finger am Puls der Zeit.