Wenn Menschen, wie oftmals
behauptet, wie offene Bücher sind, dann ist Ole Henriksen
wie eine ganze Bibliothek. Auf dem Weg von seinem Arbeitsplatz,
dem Ole Henriksen Face & Body Salon am Sunset Boulevard
hin zu seinem Haus in den Bergen hoch über Los
Angeles avanciert der dänische Beauty-Papst zum
Fremdenführer. Und macht Dank der pausenlosen
Anekdötchen über seine berühmten Nachbarn
die knappe Fahrt zu einer kurzweiligen Tour durch das
Who is Who am Doheney Drive. „... Hier wohnt
Halle Berry, wie man sieht, ist sie gerade am Umbauen
...“ Er tritt kurz auf die Bremse und zeigt auf
eine eher unscheinbare Villa mit reichlich Bauschutt. „Und
weiter geht die Fahrt ... hier lebt der Jazzmusiker
Herbie Hanckock, dieses Haus hier gehörte einst
Spencer Tracy und Katherine Hepburn.“ Er zeigt
auf ein bescheidenes Anwesen, das zur Rechten ins Visier
kommt und meldet: „Diana Ross, mit Tennisplätzen
und einem grandiosen Blick.“ Um anschließend
geschickt den Bogen zu der Tatsache zu schlagen, dass
die alternde Diva nur eine seiner vielen berühmten
Klientinnen ist. „60 Jahre alt, ein Beispiel
klassischer Schönheit, fantastische Haut, no plastic
surgery ... .“ Diskretion ist eine Tugend, Klappern
gehört zum Handwerk, zwischen diesen beiden Extremen
balanciert die nordische Frohnatur, er fährt Slalom
durch den Jahrmarkt der Hollwoodschen Eitelkeiten,
doch einzufädeln droht er nicht.
Zu Hause bei ihm angekommen empfängt uns ein zweistöckiges
Gebäude, architektonisch dem eher etwas biederen „Traditional
American“ Stil zugeordnet, davor ein Baum, der
alles Grün abgeworfen hat und Laurence. Laurence
ist Oles Lebenspartner und das schon seit 22 Jahren,
das muss im Scheidungsminenfeld der Traumfabrik rekordverdächtig
sein. Früher war der 47-jährige aus Wisconsin
einmal Stylist, inzwischen hat er auf Innendesigner
umgeschwenkt. Das Ergebnis, jedenfalls in den eigenen
vier Wänden, kann sich sehen lassen. Überall überwiegen
die gleichen, warmen Erdtöne , dennoch hat jeder
Raum seinen besonderen Charakter. Eine eklektische
Mischung aus antiker und zeitgenössischer Kunst
lässt auf eine gewisse Sammelleidenschaft schließen,
doch stehen die großen Namen, wiewohl sie präsent
sind – Zeichnungen des bekannten kalifornischen
Bildhauers Robert Graham grüßen ebenso wie
Photografien von Karl Lagerfeld – bei den Hausherren
eher niedrig im Kurs. Kunst also mehr als Mittel zum
Zweck? „Wir empfinden da sehr europäisch“,
erklärt Henriksen die gemeinsame Einrichtungsphilosophie. „Es
geht nicht darum ein Museum zu schaffen, sondern ein
Zuhause, in dem sich jeder wohl fühlt.“ Sich
auf den fast 350 Quadratmetern nicht gleich wie zu
Hause zu fühlen, ist tatsächlich unmöglich.
Immer wieder ins Auge fallen die vielen kleinen Privatschätze, über
die der Wahlkalifornier geduldig, aber auch stolz Auskunft
gibt. Da steht ein Dankschreiben von Iman neben einer
persönlichen Widmung des dänischen Königshauses.
Ein Geschenk Nastassja Kinskis neben einer silbernen
Zigarrenschatulle seiner ehemaligen Kopenhagener Bank.
Ein farbenfrohes Gemälde an der Wand, das ein
wenig Mühe hat, sich dem Stil des Raumes anzupassen?
Man erwartet den Namen eines aufstrebenden Künstlers,
doch verantwortlich zeichnete, pardon ... malte Kirsten
Prütz-Clausen. „Die Schwiegermutter meines
jüngeren Bruders,“ erklärt der Gastgeber
gut gelaunt. Design und Dekor überlässt er
sonst aber schon seinem jüngeren Partner. Kommt
da nie Streit auf? Laurence grinst und zeigt mit dem
Finger auf einen großzügig portionierten
Esstisch in schwarz. „Als Ole ihn zum ersten
Mal sah, rief er mich an und sagte, das Ding sei zu
groß, zu schwer und sehe aus, wie ein Eislaufring
auf Beinen.“ Bleiben durfte er trotzdem ...
Fünf Jahre leben die beiden jetzt in ihrer Oase
der Ruhe hoch oben über der Stadt. „Friedlich
wie in der Toskana“, so Ole. Nun, das ist vielleicht
ein wenig übermütig, schließlich scheint
es auch bei ihnen ständig etwas zu tun zu geben.
Etwas, das die Idylle ein wenig in Mitleidenschaft
zieht. Als nächstes ist die Küche dran. An
einen Pool wurde auch schon gedacht, doch so Laurence
augenzwinkernd, „es wäre der teuerste der
Welt.“ In der Tat müsste dafür wohl
ein Stück steiler Felsen weggesprengt werden.
So bleibt es zunächst bei dem großzügigen
Patio aus Holz, der einen einmaligen Blick über
das zu Füßen liegende Los Angeles spendiert
und auf dem die beiden einen Großteil ihrer knappen
Freizeit verbringen.
Warum knapp? Weil der umtriebige Däne nonstop
im Einsatz ist. Sein Tag kann anscheinend gar nicht
genug Stunden haben, beginnt meistens um 5.30 und 30
Minuten später hat der ehemalige Tänzer und
Akrobat schon 300 Liegestütz, eine ähnliche
Anzahl von Telefonaten und selbst gemachtes Müsli
hinter sich. Sein Erfolg nach über 25 Jahren Amerika
liegt begründet in seiner ureigenen Art, Privates
mit Geschäftlichen zu verquicken. Es gibt nur
einen Ole. H. Er ist ständig und für jeden
ansprechbar, in jedweder Sache, er findet immer den
richtigen Ton und seine Angestellten lieben ihn. Sein
Klientel? Die Therons, Zellwegers, Roberts und di Caprios
dieser (Traum-) Welt, sie kommen nicht nur, sie bleiben
auch. Seine Produkte haben einen weltweiten Triumphzug
angetreten, in seiner alten Heimat ist der 55-jährige
längst ein Star. Aber einer, der beim Rummel um
seine Person stets gelassen bleibt. Unlängst,
so erzählt er, sei er von einem 60-köpfigen
Chor aus Dänemark auf dem Sunset Boulevard erkannt
worden. „Die Leute haben anschließend das
Spa gestürmt – und mir dann die Regale leer
gekauft.“
Henriksen ist von einer geradezu ansteckenden Fröhlichkeit.
Ein Mann, der vor Elan sprüht, der sich und seinen
Werdegang mit einer gesunden Mischung aus Selbstkritik
und Nonchalance betrachtet. Und dem immer ein wenig
der Schalk im Nacken sitzt. Auf der Rückfahrt
gestikuliert er wieder in Richtung einer seiner Anrainer. „Hier
ist das Haus vom Ex-Paris Hilton Lover, auf einer der
Parties wurde Leonardo di Caprio mit einer Bierflasche
traktiert.“ Das rundet dann den Besuch in der
Nachbarschaft ab und man weiß endgültig:
Ole Henriksen hält mit kaum etwas hinter dem Berg
und hat auf jeden Fall den Finger am Puls der Zeit.
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