Die Spreu vom Weizen trennen. Was eigentlich
aus der Landwirtschaft stammt, hat sich, wenn auch
nicht als Management-Prinzip, so doch immerhin als
Floskel, auch im Business durchgesetzt. Wertvolles
von Wertlosem zu trennen, das beherrscht Willy Weber
wie kein zweiter. Ein Gespür zu haben für
die Situation und dann intuitiv das richtige daraus
zu machen, das ist nur eine seine Stärken. Dazu
ein unerschütterliches Selbstbewusstsein. Oder
wie er selbst nonchalant proklamiert, „mein Motto?
Geht nicht, gibt es nicht.“ Wenn sich dann noch
eine ordentliche Portion Weitsicht einstellt, dann
ist man als Manager ziemlich gut aufgestellt. Weber
fasst das relativ kühl zusammen, so als wäre
es jedem in die Wiege gelegt. „ Die jeweiligen
Zeichen der Zeit zu erkennen und zu handeln sowie Visionen
zu haben“. So wie dereinst im Herbst 1988 ...
Salzburgring. Es goss in Strömen. An diesem Tag gelang Weber die wohl perfekte
Klaviatur seiner propagierten Managementtugenden. Mit anderen Worten: Er machte
alles richtig. Denn an jenem Tag bretterte ein KFZ-Mechaniker von der Kempener
Kartbahn im Formel 3 Renner um den Kurs. Weber kam, sah das Talent und nahm das
rasende Lotterielos erst unter seine Fittiche und dann gleich unter Vertrag -
einer, der ihm für die nächsten 10 Jahre 20% der Einnahmen garantieren
sollte. Da das Talent auf den Namen Michael Schumacher hörte und der auch
17 Jahre und 7 Formel WM Titel später immer noch von Weber gemanagt wird,
dürfte da einiges an Geld zusammen gekommen sein. Zum damaligen Engagement
bemerkt der Schumi-Macher ganz trocken, „jeder hätte Michael unter
Vertrag nehmen können, nur ich habe gewagt, in ihn zu investieren.“ Eine
halbe Million Mark soll es ihn gekostet haben, den Michael bei Jordan in ein
Formel 1 Cockpit zu stopfen. Das war 1991.
Knappe 50 Jahre vorher kam ein “typisches Fronturlauberkind“ in Regensburg
zur Welt, Wilhelm Friedrich Weber wurde am 11.03.1942 geboren, hinein in eine
eigentlich recht großbürgerliche Welt. Großvater Brauereibesitzer,
Vater immerhin noch Bankkaufmann, der allerdings in den Nachkriegswirren Kind
und Kegel mit dem Vertrieb gebrauchter Miltärklamotten über Wasser
halten musste. Früh wird dem Selfmademan klar, er will zurück ins Establishment,
und das möglich schnell und ohne große Umwege. Schnell ist relativ
doch zwischen Mittlerer Reife, Verlassen des Elternhauses, Lehre als Hotelkaufmann, „Schnupperstudium
bei Burger King in Miami“ und der ersten Million lagen kaum 10 Jahre, das
ist ... schnell. Noch schneller, nämlich nach einem Jahr, war die erste
Million dann auch wieder weg, der Weber hatte auf den falschen Schuldner gesetzt.
Machte nichts, da wurden die Ärmel eben noch ein wenig höher gekrempelt. „Ehrgeizig
sein, sich Ziele setzen und flexibel und risikobereit zu sein. Ich glaube, dass
diese Faktoren ausschlaggebend für meinen Erfolg sind“, resümiert
Mr. 20 Prozent heute gut gelaunt. Dazu kommt, dass er sich immer Betätigungsfelder
suchte, in denen er sich ausgesprochen wohl fühlte - der Autohandel und
die Gastronomie. Als später noch die Formel 1 hinzu kam, fand Weber genau
die Geschäftsbereiche, die ihn am meisten faszinierten, „Marketing,
Eventmanagement und Merchandising“. Mit letzterem hat er sich gerade im
Rennzirkus ein ewiges Denkmal gesetzt, die Produktion der „Rotkäppchen“,
die roten Schumi-Kappen machten ihn wohl endgültig zum Goldesel. Allein
die Vermarktung des Ferraripiloten bringt um die 50 Millionen Euro im Jahr. Das
hält in seiner Firma in Stuttgart-Degerloch über 25 Mitarbeiter auf
Trab.
Wo der Erfolg sich erst ein zu Hause gesucht hat, da gedeiht meist auch der Neid.
Und Neider gibt es viele. Vielleicht fährt Weber deshalb alle Jahre wieder
vor Gericht vor. Mal ein Verfahren wegen Insolvenzverschleppung, einmal sogar
eines wegen Beihilfe zur Förderung der Prostitution. Doch wer so senkrecht
wie Weber im Geschäftsleben steht, der fürchtet auch die Anklagebank
nicht. Unlängst ging ein Prozess wegen Anstiftung zur Falschaussage mit
einem Teilsieg zu Ende - er wurde gegen Zahlung von 50.000 Euro eingestellt.
Das Verfahren selbst, ein Journalist beharrte darauf, zusammen mit Weber den
heiligen Gral - in diesem Fall: Michael Schumacher - entdeckt zu haben und wollte
nun am großen Vermarktungskuchen mitnaschen, sorgte für Erheiterung.
Weber machte seinem alten Spitznamen „Rotlicht-Willy“ alle Ehre,
holte die Sprachkeule hervor und titulierte Zeugen gern einmal mit „Du
Kasper“ oder befindet die ganze Geschichte als „gequirlte Scheiße“.
Webers Devise: Wer einsteckt, darf auch austeilen.
Hat so ein Mann eigentlich auch ein Privatleben? Ein Thema, bei dem er sich eher
bedeckt hält. Denn bei jemandem, der versucht, “alles als positiven
Stress zu sehen” und der am besten in Drehzahlen ab 19.000 funktioniert,
der gerät dann privat eher schon einmal in die Schikane: Es bleibt einfach
zu wenig Zeit. Doch sowohl Ehefrau Heidemarie als auch Tochter Christine bringen
dem Mann, der “sich vorkommt, wie eine Autobatterie, ich lade mich auf
wenn ich etwas tue” viel Verständnis entgegen. Und wenn der Akku tatsächlich
einmal auf Null zu gehen droht? “Waldspaziergänge und Saunieren hilft”.
Sagt es, wendet sich wieder einem Berg von Unterlagen zu ... und beginnt, erst
die wichtigen von den überflüssigen zu trennen.
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