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Der Schu-Macher (Maxim 06/06)
Der Schumi-Entdecker hat sich vom Autohändler und Gastronom zum einflussreichen Formel 1-Manager und Selfmade-Millionär hochgearbeitet. Sein Erfolgsrezept: Bei allem, was er tut, gibt Weber ständig Vollgas.
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Die Spreu vom Weizen trennen. Was eigentlich aus der Landwirtschaft stammt, hat sich, wenn auch nicht als Management-Prinzip, so doch immerhin als Floskel, auch im Business durchgesetzt. Wertvolles von Wertlosem zu trennen, das beherrscht Willy Weber wie kein zweiter. Ein Gespür zu haben für die Situation und dann intuitiv das richtige daraus zu machen, das ist nur eine seine Stärken. Dazu ein unerschütterliches Selbstbewusstsein. Oder wie er selbst nonchalant proklamiert, „mein Motto? Geht nicht, gibt es nicht.“ Wenn sich dann noch eine ordentliche Portion Weitsicht einstellt, dann ist man als Manager ziemlich gut aufgestellt. Weber fasst das relativ kühl zusammen, so als wäre es jedem in die Wiege gelegt. „ Die jeweiligen Zeichen der Zeit zu erkennen und zu handeln sowie Visionen zu haben“. So wie dereinst im Herbst 1988 ...
Salzburgring. Es goss in Strömen. An diesem Tag gelang Weber die wohl perfekte Klaviatur seiner propagierten Managementtugenden. Mit anderen Worten: Er machte alles richtig. Denn an jenem Tag bretterte ein KFZ-Mechaniker von der Kempener Kartbahn im Formel 3 Renner um den Kurs. Weber kam, sah das Talent und nahm das rasende Lotterielos erst unter seine Fittiche und dann gleich unter Vertrag - einer, der ihm für die nächsten 10 Jahre 20% der Einnahmen garantieren sollte. Da das Talent auf den Namen Michael Schumacher hörte und der auch 17 Jahre und 7 Formel WM Titel später immer noch von Weber gemanagt wird, dürfte da einiges an Geld zusammen gekommen sein. Zum damaligen Engagement bemerkt der Schumi-Macher ganz trocken, „jeder hätte Michael unter Vertrag nehmen können, nur ich habe gewagt, in ihn zu investieren.“ Eine halbe Million Mark soll es ihn gekostet haben, den Michael bei Jordan in ein Formel 1 Cockpit zu stopfen. Das war 1991.
Knappe 50 Jahre vorher kam ein “typisches Fronturlauberkind“ in Regensburg zur Welt, Wilhelm Friedrich Weber wurde am 11.03.1942 geboren, hinein in eine eigentlich recht großbürgerliche Welt. Großvater Brauereibesitzer, Vater immerhin noch Bankkaufmann, der allerdings in den Nachkriegswirren Kind und Kegel mit dem Vertrieb gebrauchter Miltärklamotten über Wasser halten musste. Früh wird dem Selfmademan klar, er will zurück ins Establishment, und das möglich schnell und ohne große Umwege. Schnell ist relativ doch zwischen Mittlerer Reife, Verlassen des Elternhauses, Lehre als Hotelkaufmann, „Schnupperstudium bei Burger King in Miami“ und der ersten Million lagen kaum 10 Jahre, das ist ... schnell. Noch schneller, nämlich nach einem Jahr, war die erste Million dann auch wieder weg, der Weber hatte auf den falschen Schuldner gesetzt. Machte nichts, da wurden die Ärmel eben noch ein wenig höher gekrempelt. „Ehrgeizig sein, sich Ziele setzen und flexibel und risikobereit zu sein. Ich glaube, dass diese Faktoren ausschlaggebend für meinen Erfolg sind“, resümiert Mr. 20 Prozent heute gut gelaunt. Dazu kommt, dass er sich immer Betätigungsfelder suchte, in denen er sich ausgesprochen wohl fühlte - der Autohandel und die Gastronomie. Als später noch die Formel 1 hinzu kam, fand Weber genau die Geschäftsbereiche, die ihn am meisten faszinierten, „Marketing, Eventmanagement und Merchandising“. Mit letzterem hat er sich gerade im Rennzirkus ein ewiges Denkmal gesetzt, die Produktion der „Rotkäppchen“, die roten Schumi-Kappen machten ihn wohl endgültig zum Goldesel. Allein die Vermarktung des Ferraripiloten bringt um die 50 Millionen Euro im Jahr. Das hält in seiner Firma in Stuttgart-Degerloch über 25 Mitarbeiter auf Trab.
Wo der Erfolg sich erst ein zu Hause gesucht hat, da gedeiht meist auch der Neid. Und Neider gibt es viele. Vielleicht fährt Weber deshalb alle Jahre wieder vor Gericht vor. Mal ein Verfahren wegen Insolvenzverschleppung, einmal sogar eines wegen Beihilfe zur Förderung der Prostitution. Doch wer so senkrecht wie Weber im Geschäftsleben steht, der fürchtet auch die Anklagebank nicht. Unlängst ging ein Prozess wegen Anstiftung zur Falschaussage mit einem Teilsieg zu Ende - er wurde gegen Zahlung von 50.000 Euro eingestellt. Das Verfahren selbst, ein Journalist beharrte darauf, zusammen mit Weber den heiligen Gral - in diesem Fall: Michael Schumacher - entdeckt zu haben und wollte nun am großen Vermarktungskuchen mitnaschen, sorgte für Erheiterung. Weber machte seinem alten Spitznamen „Rotlicht-Willy“ alle Ehre, holte die Sprachkeule hervor und titulierte Zeugen gern einmal mit „Du Kasper“ oder befindet die ganze Geschichte als „gequirlte Scheiße“. Webers Devise: Wer einsteckt, darf auch austeilen.
Hat so ein Mann eigentlich auch ein Privatleben? Ein Thema, bei dem er sich eher bedeckt hält. Denn bei jemandem, der versucht, “alles als positiven Stress zu sehen” und der am besten in Drehzahlen ab 19.000 funktioniert, der gerät dann privat eher schon einmal in die Schikane: Es bleibt einfach zu wenig Zeit. Doch sowohl Ehefrau Heidemarie als auch Tochter Christine bringen dem Mann, der “sich vorkommt, wie eine Autobatterie, ich lade mich auf wenn ich etwas tue” viel Verständnis entgegen. Und wenn der Akku tatsächlich einmal auf Null zu gehen droht? “Waldspaziergänge und Saunieren hilft”. Sagt es, wendet sich wieder einem Berg von Unterlagen zu ... und beginnt, erst die wichtigen von den überflüssigen zu trennen.