Alles neu macht der Mai? In Coimbra
bleibt es zumindest in einer Sache stets beim Alten.
Beim althergebrachten Queima das Fitas! Wenn die Studentenhochburg
die Benimmfibel, nicht aber die Kleiderordnung, über
Bord wirft, sich in ihre capas hüllt, jene traditionellen,
schwarzen Umhänge und dann berauscht auf einem
geschmückten Wagentreck in Richtung Rio Mondego
rauscht. Bestandene Examen gehören eben standesgemäß gefeiert.
Können 22.000 Irre studieren? Wohl kaum, aber
22.000 Studenten können nicht irren. Denn wer
in Portugal zu den Eliten zählen will, der immatrikuliert
(sich) in Coimbra. Übrigens, keine Angst, mit
Ausnahme des turbulenten Wonnemonats geht es in einer
der ältesten Städte Portugals eher besinnlich
zu.
Wo die Geiste blitzen, das sieht man schon von fern – hoch
oben auf dem Berg thront der Hort des Wissens. Zusammen
mit der Joanina Bibliothek – die 300.000 Bände
dort sind zum Lesen viel zu schade – gehört
das über 700 Jahre alte Gemäuer mit seinem
barocken Uhren – und Glockenturm zu den „must
sees“. Doch wer sehen will, muss fühlen.
Der Weg aus Baixa, der Unterstadt hinauf nach Alta,
der Oberstadt führt über jahrhundertealtes
Kopfsteinpflaster, enge Treppen und schmale, dafür
umso steilere Anstiege und sollte nur passiert werden,
wer gut zu Fuß ist. Wer das nicht ist, dem sei
gesagt: Auch knapp über NN gibt es reichlich zu
entdecken. Vom Fluss breitet sich die Rua Ferreira
Borges als aufgeräumte Fußgängerzone
aus, links davon warten in engen Gassen zahllose kleine
Bodegas und Restaurants auf Besuch. Unbedingt einmal
die Spezialität der Region versuchen: Chanfana – das
ist Zickleinragout. Sehr lecker. Danach lädt die
baumgesäumten Flusspromenade zum Spaziergang ein,
die richtige Route gen Jardim Botánico. Sicher,
botanische Grünanlagen, wer kennt sie nicht, doch
dieser bald 250 Jahre alte Lustgarten verzaubert durch
seine exotischen Baumriesen und antiquierten Tropenhäusern
zu sehr, als das man ihn links liegen lassen könnte.
Später, wenn sich die Nacht durch anschwellende
Fado-Klänge ankündigt, sollte man den Weg
ins àCapella finden, in dem zur Bar umfunktionierten
kleinen Gotteshaus, kommt die Unterhaltung quasi sanktioniert „von
ganz oben“. Der Fado klingt hier übrigens
weit weniger herzzerreißend, als in anderen Landesteilen,
in Coimbra pflegt man eine fast unbekümmerte,
frivole Variante des ansonsten doch eher schwermütigen
Nationalliedguts. Zehntausende von Studenten lassen
eben nur selten Melancholie aufkommen.
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