mit fotos
Coimbra (Freundin 5/2005)
Wo selbst der Fado heiser klingt.
mit fotos
 

Alles neu macht der Mai? In Coimbra bleibt es zumindest in einer Sache stets beim Alten. Beim althergebrachten Queima das Fitas! Wenn die Studentenhochburg die Benimmfibel, nicht aber die Kleiderordnung, über Bord wirft, sich in ihre capas hüllt, jene traditionellen, schwarzen Umhänge und dann berauscht auf einem geschmückten Wagentreck in Richtung Rio Mondego rauscht. Bestandene Examen gehören eben standesgemäß gefeiert. Können 22.000 Irre studieren? Wohl kaum, aber 22.000 Studenten können nicht irren. Denn wer in Portugal zu den Eliten zählen will, der immatrikuliert (sich) in Coimbra. Übrigens, keine Angst, mit Ausnahme des turbulenten Wonnemonats geht es in einer der ältesten Städte Portugals eher besinnlich zu.

Wo die Geiste blitzen, das sieht man schon von fern – hoch oben auf dem Berg thront der Hort des Wissens. Zusammen mit der Joanina Bibliothek – die 300.000 Bände dort sind zum Lesen viel zu schade – gehört das über 700 Jahre alte Gemäuer mit seinem barocken Uhren – und Glockenturm zu den „must sees“. Doch wer sehen will, muss fühlen. Der Weg aus Baixa, der Unterstadt hinauf nach Alta, der Oberstadt führt über jahrhundertealtes Kopfsteinpflaster, enge Treppen und schmale, dafür umso steilere Anstiege und sollte nur passiert werden, wer gut zu Fuß ist. Wer das nicht ist, dem sei gesagt: Auch knapp über NN gibt es reichlich zu entdecken. Vom Fluss breitet sich die Rua Ferreira Borges als aufgeräumte Fußgängerzone aus, links davon warten in engen Gassen zahllose kleine Bodegas und Restaurants auf Besuch. Unbedingt einmal die Spezialität der Region versuchen: Chanfana – das ist Zickleinragout. Sehr lecker. Danach lädt die baumgesäumten Flusspromenade zum Spaziergang ein, die richtige Route gen Jardim Botánico. Sicher, botanische Grünanlagen, wer kennt sie nicht, doch dieser bald 250 Jahre alte Lustgarten verzaubert durch seine exotischen Baumriesen und antiquierten Tropenhäusern zu sehr, als das man ihn links liegen lassen könnte.

Später, wenn sich die Nacht durch anschwellende Fado-Klänge ankündigt, sollte man den Weg ins àCapella finden, in dem zur Bar umfunktionierten kleinen Gotteshaus, kommt die Unterhaltung quasi sanktioniert „von ganz oben“. Der Fado klingt hier übrigens weit weniger herzzerreißend, als in anderen Landesteilen, in Coimbra pflegt man eine fast unbekümmerte, frivole Variante des ansonsten doch eher schwermütigen Nationalliedguts. Zehntausende von Studenten lassen eben nur selten Melancholie aufkommen.



® Copyright 2004-09 Fritzenwalder.com