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"Reif für die Insel" (Cosmopolitan 11/2002)
Robinson lässt grüßen. Mieten Sie sich doch einfach mal eine Insel. Ob ganz allein oder mit guten Freunden, ob Kanada, Sri Lanka, Südsee oder Nordsee – irgendwo liegt auch Ihr Traumparadies.
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“So, und dann drücken Sie hier und sagen, bringen Sie uns zwei Pina Colada!“ Churchill schenkt uns ein schelmisches Lachen, während er routiniert am Walkie Talkie fummelt und uns in die Untiefen der Inselkommunikation einweiht. “Und dann sage ich, no problem, Sir, kommt sofort.“ Churchill lächelt weiter dienstbeflissen, steht etwas ungelenk in seiner Khaki-Uniform und tut ein wenig so, als hätte er einen anzüglichen Witz erzählt. Wir grinsen verlegen zurück, schließlich ist die Begegnung mit einem waschechten Butler keine alltägliche.
Ach ja, natürlich hat das Paradies einen Namen. Cayo Espanto, eine Insel ... nein, eher ein mit Wasser umspülter Fleck - knapp 1.2 Hektar klein. Nicht größer als der Hamburger Rathausmarkt, aber tropischer gelegen. Cayo Espanto gehört zu Belize und liegt im Golf von Mexiko. Jetzt aber gehört es erstmal uns. Fünf “Casas“ – Mini-Villen trifft es fast besser – warten auf uns, jede auf ihre eigene Art individuell und bezaubernd. Der Stil? Karibisches Flair mit zweckmäßigem Dekor. Rohe, fast behäbig wirkende Teakmöbel treffen auf polierte Betonböden, riesige, türkis-blaue Lamellentüren schmiegen sich geschickt an die Holzträger, geben den Blick frei auf beinah kitschig wirkende Postkartenkompositionen aus Wasser, Palmen und einem Himmel, der keinen Blauton ausläßt. All das verwandelt die “Casa Estrella“ und ihre vier Schwestern in geräumige Open-Air Datschas. Auf den großzügigen Veranden lauern Hängematten, Liegestühle, Mini-Pool und, wenn er sich die Ehre gibt, Salty der Insel-Labrador, der die Gegend patrouilliert und sich nach dem Befinden der Gäste erkundigt. Viel mehr Leben bekommt man auch nicht ab, denn obwohl die Insel lächerlich klein ist, sind die Häuser so positioniert, das man von den maximal 14 Gästen, die sich gleichzeitig auf dem Atoll tummeln , nie jemand sehen muss.
Es sei denn, die restlichen 12 sind alles gute Freunde. Denn die Perle im Golf von Mexiko lässt sich nicht nur per “Casa“ mieten, sondern auch prima als Ganzes buchen. Ob Palmenparadies in der Südsee oder Blockhaus-Romantik vor der kanadischen Küste, Inseln sind in, Rent ist der Trend. Jedenfalls für alle, die endlich einmal Urlaub jenseits des Massentourismus planen. Keine Animations-Dauergrinser, kein Badelakenkleinkrieg um Pool-Liegestühle, stattdessen eine modern inszenierte Robinsonade. Möglichkeiten gibt es reichlich, individuell oder in der Gruppe, survivalmäßig oder Luxus pur.
Letzterer regiert auch auf Cousine Island, einem kleinen Getaway der Seychellen. Die Anreise erfolgt stil- und rücksichtsvoll aus der Luft. Mit Stil, weil man sich schon im Hubschrauber wie auf einer Sänfte fühlt. Mit Rücksicht, weil das empfindliche Ökosystem von Cousine Island nur selten durch Bootslandungen gestört werden darf. Das 20 Hektar kleine Eiland beherbergt jede Menge bedrohter Seevögel, die vier großzügigen Villen nie mehr als 10 Gäste. Und die schauen entweder dem seltenen Gefieder zu oder machen das, was man im Paradies eben macht. Nichts. Nichts ist ... an einsamen Stränden baden, am Pool lesen oder sich zu überlegen, mit welcher kulinarischen Offenbarung man bei der nächsten Mahlzeit verwöhnt werden will. Der Koch gehorcht aufs Wort. Und serviert ins Bett, ans Meer oder, wie spießig, im Hauptspeisezimmer. Soviel Insel bezaubert nicht nur den Normalsterblichen, Beatles-Barde Paul Mc Cartney flitterte unlängst auf dem idyllischen Archipel.
Ist so ein Inselasyl teuer? Kann, muß aber nicht sein. Manchen Teilzeit-Crusoe winken schon Inseln für knappe 10 Euro am Tag. Dort ist allerdings Einsamkeit wirklich Programm, nicht nur Verpflegung, auch die Unterkunft ist mitzubringen. Dafür wird man sich dann nach ein paar Tagen wie Tom Hanks in “Castaway“ fühlen und seinen Rucksack mit “Wilson“ ansprechen. Cousine Island und Cayo Espanto gehören nicht in diese Kategorie! Luxus hat sicherlich seinen Preis, bedenkt man aber, dass so manche Übernachtung in einem Four Seasons ebenfalls nördlich der 500 Dollar liegen und man dafür dann eine Suite in Schuhkartongröße bekommt, ist das alles relativ. Es muss ja nicht gerade das bahamesische Musha Cay sein. Dieses Paradies kostet 325.000 Dollar. Und damit haben Sie das schmucke Stück nicht gekauft, sondern nur gemietet. Für eine Woche. Sie und 21 Ihrer besten Freunde. Lieber eine bescheidenere Lösung? Wir zeigen Ihnen, welche Inseln reif für Sie sind.