“So, und dann drücken
Sie hier und sagen, bringen Sie uns zwei Pina Colada!“
Churchill schenkt uns ein schelmisches Lachen, während
er routiniert am Walkie Talkie fummelt und uns in die
Untiefen der Inselkommunikation einweiht. “Und
dann sage ich, no problem, Sir, kommt sofort.“
Churchill lächelt weiter dienstbeflissen, steht
etwas ungelenk in seiner Khaki-Uniform und tut ein wenig
so, als hätte er einen anzüglichen Witz erzählt.
Wir grinsen verlegen zurück, schließlich
ist die Begegnung mit einem waschechten Butler keine
alltägliche.
Ach ja, natürlich hat das Paradies einen Namen.
Cayo Espanto, eine Insel ... nein, eher ein mit Wasser
umspülter Fleck - knapp 1.2 Hektar klein. Nicht
größer als der Hamburger Rathausmarkt, aber
tropischer gelegen. Cayo Espanto gehört zu Belize
und liegt im Golf von Mexiko. Jetzt aber gehört
es erstmal uns. Fünf “Casas“ –
Mini-Villen trifft es fast besser – warten auf
uns, jede auf ihre eigene Art individuell und bezaubernd.
Der Stil? Karibisches Flair mit zweckmäßigem
Dekor. Rohe, fast behäbig wirkende Teakmöbel
treffen auf polierte Betonböden, riesige, türkis-blaue
Lamellentüren schmiegen sich geschickt an die Holzträger,
geben den Blick frei auf beinah kitschig wirkende Postkartenkompositionen
aus Wasser, Palmen und einem Himmel, der keinen Blauton
ausläßt. All das verwandelt die “Casa
Estrella“ und ihre vier Schwestern in geräumige
Open-Air Datschas. Auf den großzügigen Veranden
lauern Hängematten, Liegestühle, Mini-Pool
und, wenn er sich die Ehre gibt, Salty der Insel-Labrador,
der die Gegend patrouilliert und sich nach dem Befinden
der Gäste erkundigt. Viel mehr Leben bekommt man
auch nicht ab, denn obwohl die Insel lächerlich
klein ist, sind die Häuser so positioniert, das
man von den maximal 14 Gästen, die sich gleichzeitig
auf dem Atoll tummeln , nie jemand sehen muss.
Es sei denn, die restlichen 12 sind alles gute Freunde.
Denn die Perle im Golf von Mexiko lässt sich nicht
nur per “Casa“ mieten, sondern auch prima
als Ganzes buchen. Ob Palmenparadies in der Südsee
oder Blockhaus-Romantik vor der kanadischen Küste,
Inseln sind in, Rent ist der Trend. Jedenfalls für
alle, die endlich einmal Urlaub jenseits des Massentourismus
planen. Keine Animations-Dauergrinser, kein Badelakenkleinkrieg
um Pool-Liegestühle, stattdessen eine modern inszenierte
Robinsonade. Möglichkeiten gibt es reichlich, individuell
oder in der Gruppe, survivalmäßig oder Luxus
pur.
Letzterer regiert auch auf Cousine Island, einem kleinen
Getaway der Seychellen. Die Anreise erfolgt stil- und
rücksichtsvoll aus der Luft. Mit Stil, weil man
sich schon im Hubschrauber wie auf einer Sänfte
fühlt. Mit Rücksicht, weil das empfindliche
Ökosystem von Cousine Island nur selten durch Bootslandungen
gestört werden darf. Das 20 Hektar kleine Eiland
beherbergt jede Menge bedrohter Seevögel, die vier
großzügigen Villen nie mehr als 10 Gäste.
Und die schauen entweder dem seltenen Gefieder zu oder
machen das, was man im Paradies eben macht. Nichts.
Nichts ist ... an einsamen Stränden baden, am Pool
lesen oder sich zu überlegen, mit welcher kulinarischen
Offenbarung man bei der nächsten Mahlzeit verwöhnt
werden will. Der Koch gehorcht aufs Wort. Und serviert
ins Bett, ans Meer oder, wie spießig, im Hauptspeisezimmer.
Soviel Insel bezaubert nicht nur den Normalsterblichen,
Beatles-Barde Paul Mc Cartney flitterte unlängst
auf dem idyllischen Archipel.
Ist so ein Inselasyl teuer? Kann, muß aber nicht
sein. Manchen Teilzeit-Crusoe winken schon Inseln für
knappe 10 Euro am Tag. Dort ist allerdings Einsamkeit
wirklich Programm, nicht nur Verpflegung, auch die Unterkunft
ist mitzubringen. Dafür wird man sich dann nach
ein paar Tagen wie Tom Hanks in “Castaway“
fühlen und seinen Rucksack mit “Wilson“
ansprechen. Cousine Island und Cayo Espanto gehören
nicht in diese Kategorie! Luxus hat sicherlich seinen
Preis, bedenkt man aber, dass so manche Übernachtung
in einem Four Seasons ebenfalls nördlich der 500
Dollar liegen und man dafür dann eine Suite in
Schuhkartongröße bekommt, ist das alles relativ.
Es muss ja nicht gerade das bahamesische Musha Cay sein.
Dieses Paradies kostet 325.000 Dollar. Und damit haben
Sie das schmucke Stück nicht gekauft, sondern nur
gemietet. Für eine Woche. Sie und 21 Ihrer besten
Freunde. Lieber eine bescheidenere Lösung? Wir
zeigen Ihnen, welche Inseln reif für Sie sind.
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