mit fotos"Highway US 1 – Florida" (Destinations 01/07)
Floridas Highway US 1 muss sich gegenüber  seiner  berühmten Verwandten, der Route 66, nicht  verstecken. Der US 1 verkörpert einen eindrucksvollen Mix floridianischer Sehenswürdigkeiten.
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Wenn eine Reise zu Ende geht, dann meistens, weil einfach die Zeit abgelaufen ist. Doch gibt es Reisen, die sind anders. Diese hier endet, weil am Ende einer langen Fahrt plötzlich eine bunte Boje aus Zement auftaucht, die den Ankömmlingen mit der Inschrift „Southernmost point in the Continental United States“ das Ende Amerikas signalisiert – das geografische wohlgemerkt! Klein gedruckt findet sich noch der Wink „90 miles to Cuba“, doch der Weg dorthin, er ist nicht bepflastert ...
 
Nur wenige Kilometer entfernt, an der Kreuzung Fleming und Whitehead Street, geht ein Asphalt-Kapitel zu Ende. Zugegeben, ihre Cousinen, die berühmte Route 66 oder der legendäre kalifornische Highway 1, sie mögen prominenter sein, doch verstecken muss sich der US1, der sich die knapp 500 Meilen von Key West an der Atlantikküste bis nach Fernandina Beach an der Staatsgrenze zu Georgia hinaufschlängelt, keineswegs. Immer wieder begleitet von ihrer kleinen Schwester, der A1A, verkörpern die beiden sowohl straßenbauliche Historie, als auch den Zugang zu einem eklektischen Mix floridianischer Sehenswürdigkeiten.
 
Der Trip über den Overseas Highway – der brückenübersäte Abschnitt auf den knapp 125 Meilen, die die Keys ausmachen – führt über das smaragdgrüne Wasser des Golfs von Mexiko. Und vorbei an skurrilen Spektakeln, wie man sie nur in der „Conch Republic“, so tauften die Quasi-Insulaner einst zärtlich ihr Paradies, finden wird. Kuriose Events, wie das einmal pro Jahr ausgelobte „Underwater Music Festival“ nördlich von Big Pine Key, bei dem schnorchelverzierte Elvis-Doppelgänger auf der Unterwassergitarre einheizen oder aber eigenartige Einrichtungen, wie das ganzjährig zu besichtigende „Turtle Hospital“ bei Marathon. Genau beim Milemarker 49 hat es sich Richie Moretti zur Aufgabe gemacht, verletzte und gestrandete Schildkröten zu therapieren. Breitwillig steht der ehemalige Gebrauchtwagenhändler Rede und Antwort und zeigt seine gepanzerten Schützlinge.
 
Auf dem Festland angekommen, wird aus dem Overseas der South Dixie, später der Federal Highway und führt über Stunden durch ein Kaleidoskop unterschiedlicher architektonischer Vermächtnisse Süd-Floridas. Im Süden Miamis lohnt ein Abstecher auf die Palmen- und Zypressengesäumte Old Cutler Road mit ihren opulenten Villen aus den Gründertagen der Stadt. Anschließend führt der US1 durch eine Sinfonie von Baukränen – Downtown Miami ist vom Wohnungsbauvirus infiziert. Alternative? Das „A“ in A1A steht für „Alternate Road“, sie führt durch das pittoreske Art Déco Viertel von Miami Beach über die Apartmentschluchten Hollywoods und Fort Lauderdales, hinauf durch das baulich beschaulichere Boca Raton bis hin zu den prächtigen Anwesen West Palm Beach` immer Richtung Norden – im Osten der Strand, im Westen der Intracoastel Waterway.
 
Es ist das älteste Naturschutzgebiet der Vereinigten Staaten und es liegt zwischen Vero Beach und dem Sebastian Inlet in unmittelbarer Nähe des US1 – das Pelican Island National Wildlife Refuge. Tapfer halten seine Bewohner, seltene Pelikane in der Hauptsache, aber auch Adler und Seekühe, Stand gegen die steigende Flut von Golfplätzen in der unmittelbaren Umgebung. Unlängst feierte das von dem Deutschen Paul Kroegel ins Leben gerufene Reservat seinen hundertsten Geburtstag. Einfach vom US1 auf die Wabasso Road abbiegen und von dort auf dem A1A knappe 4 Meilen Richtung Norden steuern, dort wartet ein über 20 Quadratkilometer großes, naturbelassenes Refugium, das Portal in ein ursprünglicheres Florida.
 
Eine Autostunde entfernt trifft unverfälschte Landschaft auf modernste Technologie: Der Jetty Maritime Park nördlich von Cocoa Beach spendiert einen ungetrübten Blick in ein weiteres Naturschutzgebiet, das Merritt Island National Wildlife Refuge, Heimat einer Reihe vom Aussterben bedrohter einheimischer Tierarten und … dem John F. Kennedy Space Center der NASA. Die meisten Parkgäste kommen dann auch eher, um einen gelungenen Raketenlaunch zu bestaunen, als dem Abflug eines seltenen Weißkopfseeadlers entgegen zu fiebern. Mit viel Fortune bekommt man jedoch beides gleichzeitig vors Fernglas. Und wer weder für das eine noch für das andere ein Faible hat, dem bleiben immerhin noch 48 Kilometer wellenumtoster Strand. Traut man der lokalen Surfkommune, dann ist die „Space Coast“ an dieser Stelle das beste Surfrevier im gesamten Sunshine State.
 
Daytona mit den Daytona 500 mag heute das Speedway-Mekka des Landes sein, die automobilen Wurzeln dazu liegen jedoch in Ormond Beach. Schon vor mehr als hundert Jahren fanden auf dem weißen, aber oft brettharten Strand die ersten Rennsportveranstaltungen statt. So verdiente sich der kleine Ort schnell seinen Beinamen „The birthplace of speed“. Doch nicht nur Autofans fanden Gefallen an der kleinen Strandenklave, das „Who is Who“ der Industriellen-Dynastien wie die Flaglers oder die Rockefeller überwinterten hier. Natürlich nicht, ohne sich großzügige Urlaubs-Residenzen zu bauen. Die Rockefellersche Herberge „The Casements“ hatte nicht weniger als 13 Schlafzimmer, in einem davon starb der Tycoon 1937 – welches es war, wird bei der Tour durch das Gebäude gebührend erläutert.
 
Jede Sportart hat seine heimliche Hauptstadt, die des Golfs liegt etwas südlich von Jacksonville. In Ponte Vedra Beach hat die PGA ihr Hauptquartier bezogen, was kaum verwundert, denn eine höhere Konzentration an Golfplätzen – insgesamt über 30 in einem Radius von 25 Kilometer um das kleine Stadtzentrum herum – sucht man andernorts sicher vergebens. Einer der bekanntesten ziert das Sawgrass Marriott Resort & Spa in Ponte Vedra, hier findet alljährlich  „The Players Championship” statt. Insgesamt hält die Anlage für Profis und Amateuren nicht weniger als 99 (!) Greens zum Einlochen bereit, es ist das zweitgrößte Golf-Ressort im Lande.
 
Last Exit: Fort Clinch State Park. In unmittelbarer Nähe liegt das idyllische Seebad Fernandina Beach mit seinen restaurierten viktorianischen Anwesen, doch der eigentliche Besuch gilt der mächtigen Festung, die seit 1847 an der Küste von Amelie Island Feinden und Stürmen die Stirn bietet – Fort Clinch. Im Bürgerkrieg fiel sie kurzzeitig der Südstaatenarmee in die Hände, noch heute vermitteln regelmäßige Aufführungen von Laiendarstellern einen Eindruck vom Leben der Soldaten aus jener Zeit. Wer im Fort Clinch State Park ankommt, der hat fast den gesamten US1 Abschnitt in Florida befahren, von hier sind es nur noch wenige Meilen bis Georgia. Doch anders als in Key West muss die Reise hier nicht zu Ende gehen – der US1 macht sich noch auf den langen Weg bis fast ganz hoch zur kanadischen Grenze: In Fort Kent, Maine ist nach 3.846 Kilometern Schluss mit der historischen Route.