"Die Menschen empfinden
im allgemeinen eine große Freude an der Farbe".
Todd Oldham muß Auszüge von Goethes
Farbenlehre im Gepäck haben, als ihn Immobilienmogul
Tony Goldman aufforderte, das Tiffany Hotel in neuem
Glanze erstrahlen zu lassen. Todd Oldham? Couture-Kundige
wissen Bescheid – der Mann ist Modedesigner. "Fashion
meets Interior Design" – eine Symbiose, die
zweieinhalb Jahre und sechs Millionen Dollar später
voll aufgegangen ist. In den höchsten und buntesten
Tönen.
Original Art déco Elemente wie die maritim inspirierten
Fassaden, die übergroßen Bullaugenfenster,
der sechzig Jahre alte Terrazzoboden im Dialog mit Oldhams
Ode an die Farben. Doughnutförmige Sitzgelegenheiten
in Himbeere, Apricot und Apfelgrün, senffarbene
Samtvorhänge, Blumenarrangements aus Palmen und
Kakteen und ein übergroßes, marokkanisch
inspiriertes Spiegelmosaik – all das präsentiert
sich dem Gast beim bloßen Betreten des Hotels.
Und da ist noch nicht einmal der Front Desk erreicht.
Auch der – ein Art déco Moment der besonderen
Art: Korallgestein in formschöner Harmonie mit
Mahagoni. Dahinter – fröhliche Menschen in
noch fröhlicherer Arbeitskleidung. Den Angestellten
hat der tapfere Oldham Hemden und Blusen im handgefärbten
Batiklook auf den Leib geschneidert.
Miami Beach – das ist Sonne, Sand und Meer. Elemente,
die Pate standen bei der Ausstattung der Räume
und sich in vielfältigen Gelb-, Braun-, Blau- und
Grüntönen wiederfinden. Weil die Mehrzahl
der 52 Zimmer, mit Ausnahme der vier Suiten, eher klein
sind, haben sich Oldham und seine Crew besondere Mühe
gegeben, mit kleinen Designfinessen für ausreichend
Platz zu sorgen. Fernseher inklusive Videorecorder,
Hifi-Turm und Minibar verschwinden in einem attraktiven
und gleichsam praktischen "Entertainment Center"
aus hellem Ahornholz. Unterhalb des Fensters und perfekt
eingepaßt zwischen Schrank und Regal – eine
Fensterbank-Sofa Kombination. Abgerundet und aufgelockert
wird das coole Wohngefühl durch eine Reihe einfacher,
in anderen Hotels leider oft schmerzlich vermisster,
Details. Da ist jegliches Licht über individuelle
Dimmer regelbar. Da wird der übergroße Duschkopf
von der gegenüberliegenden Wandseite justiert
Wem es bisher nicht zu bunt geworden ist, den wird
das eigentliche Hotel-Highlight noch mehr begeistern.
"A Gem at the Ocean" – Juwel am Meer,
so verhieß es schon das Originalbriefpapier des
Tiffany Hotels, als die von L. Murray Dixon entworfene
Herberge 1939 ihre Pforten öffnete. Wer heute in
den schmalen, smaragdschliff-förmigen Swimmingpool
auf der Dachterrasse eintaucht, der weiß, daß
damals nicht untertrieben wurde. Vom Becken wandert
der Blick über den Strand ins azurblaue Meer. Life
is good! Zum perfekten Chill-Out servieren flinke Hände
an der Spire Bar einen erfrischenden, hervorragend gemixten
Mohito – Rum an Minze, Zucker und Limette. Dazu
bringt die unermüdliche Bedienung alles, was das
hoteleigene Restaurant WISH als Roomservice zu bieten
hat. Oder doch lieber á la carte? Dann findet
man sich unten zum Dinner ein – entweder gleich
hinter der Lobby im ebenfalls marokkanisch beeinflußten
Interieur oder aber draußen im opulenten Garten.
So es die Temperaturen zulassen.
Das sprichwörtliche "Breakfast at Tiffanys"
– das allerdings muß ausfallen. Nicht, weil
die Betreiber morgens kein Frühstück zelebrieren,
sondern weil der Name verpönt ist. Nach einem Rechtsstreit
mit einer berühmten Juwelierkette gleichen Namens,
firmiert das Tiffany heute unter "The Hotel".
Bleiben aber durfte kurioserweise das denkmalgeschützte
Wahrzeichen, der Turm mit dem neonfarbigen Schriftzug
"Tiffany". Fazit: "The Hotel", sehr
bunt und ein wenig gediegen - Goethe hätte es gefallen.
|