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Karibik-Feeling in Florida (Handelsblatt 9/2003)
Im äußersten Süden Floridas lädt eine Insel-Oase zum Verweilen ein. Auf Little Palm Island lassen die Gäste ihren Alltag schnell hinter sich.
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“Get lost!“ Manchmal hält das Angelsächsische missverständliche Aufforderungen bereit. Meint es nun das eher grobe “Hau ab, verschwinde!“ oder das einladende “Gib dich hin, lass los!“. Wenn die Betreiber von “Little Palm Island“ erstere im Sinn hatten, als sie eine Telefonnummer mit 1-800-GET-LOST freischalten ließen, dann wäre das arg geschäftsschädigend. Und würde bedeuten, dass die Wenigsten je den Fuß auf eine Insel setzen dürften, die von einer einzigartigen und gleichwohl auf den ersten Blick etwas befremdlichen Exotik ist. Ist das wirklich noch Amerika? “Es ist als hätte man ein Stück Fidji in die Florida Keys verpflanzt“, erklärt Hotelmanager Terry Becholt dem staunenden Besucher. Terry muss man mögen, ein jovialer, etwas ungelenker Mann, der es sich zur persönlichen Mission gemacht hat, möglichst jeden Gast per Handschlag zu begrüßen und mit ihm innerhalb von Minuten auf Du und Du sein. Er schafft das, lauert er doch oft und gern am Bootssteg, um ja nicht zu verpassen, wenn die resorteigene elegante, kleine Motoryacht “Escape“ wieder neue Gäste aus Little Torch Key anlandet.

Stichwort Keys. Die sind dort, wo Amerika langsam in die Karibik kippt. Der südliche Zipfel Floridas ist wie eine Kette. Doch statt Perlen sind Inseln aneinandergereiht. Und statt einer Schnur verbindet der Highway 1. Bis die Staaten endgültig zu Ende gehen, in Key West. Vorher, am Milemarker 28, also genau 28 Meilen vor Key West (oder 120 Meilen entfernt von Miami) liegt besagtes Little Torch Key, der Horchposten vom eigentlichen Resort. In einer Herberge aus rustikalem Holz mit dem unvermeidbaren Souvenirshop wird der Gast begrüßt, registriert und ... klimatisiert. Denn Hitze vom Kaliber “Hoch Michaela“ ist hier alltäglich. Alljährlich. Alle 30 Minuten geht das Boot gen Eden, man überbrückt sie am besten mit einem Gumby Slumber, ein Cocktail, der Dank seiner hohen Umdrehungen die ohnehin gute Laune noch einmal steigert.

Seit 1988 ist die Insel ... ist der mit glasklarem Wasser umspülte Palmen- und Orchideengarten – die knappen 2 Hektar sind kaum größer als der Hamburger Rathausmarkt – Spielwiese für ein hauptsächlich amerikanisches Klientel. Mehr als 60 können es kaum auf einmal sein, denn sonst wird es selbst in den großzügig ausgelegten 14 thatched roof Villas mit jeweils 2 Suiten eng. Der Stil? British Colonial meets Polynesien. Viel Rattan, viel Bambus trifft auf fast klobig anmutende Sitz- und Liegemöbel aus massivem Teak über denen gewaltige Ventilatoren mit langen Holzarmen träge ihre Runden drehen. Fernseher? Fehlanzeige. Telefone sucht man genauso vergeblich, wie eine schlecht designte Musikbox. Genauso wie lärmende Jet Skis und Kinder unter 16. Die Insel ist nicht nur eine Oase der Abgeschiedenheit, sondern vor allen Dinge der Ruhe. Und so machen alle das Gleiche. Sie ruhen. Entweder in einer der alle paar Meter drapierten Hängematten. Oder in den im Überfluss stationierten, urgemütlichen Holzlounges. Am Pool. Am kleinen Sandstrand. Im Zen-Garden. Der ist Teil eines indonesisch inspirierten, kleinen aber sehr feinen Spa-Bereichs. Die hier zelebrierten “Javanese Lulur Royal Treatment - eine Veranstaltung inklusive Jogurt-Massage, Jasmin-Öl Cremung und Lulur-Exfoliation – und die “Bali Spice Body Mask“ verliehen Little Palm zahlreiche Meriten. Zum Beispiel Platz 3 in der Top Ten der besten Hotel & Spas im Lande (Travel & Leisure).

Was aber macht der Kunde, der seine gesamte Urlaubslektüre geschmökert hat, gesund geknetet wurde, die erstklassige Küche rauf- und runter gegessen hat und auch keinen Gumby Slumber mehr sehen mag? Er erkundet! Er verlässt die Insel. So wie er gekommen ist, übers Wasser. Er schnappt sich ein Kajak, eine kleine Jolle oder ein Surfbrett. Er greift zur Angel und marschiert, nach fast 100 Metern geht ihm das Meer immer noch kaum bis zur Hüfte. Oder aber er ruft nach einem Boston Whaler, ein 25 PS schwaches, aber äußerst wendiges Motorboot. Kurze Einweisung, Proviant-, Schorchel- und Walkie-Talkieübernahme, los geht’s. Ganz allein. Der Nase, der Bojen oder der Karte nach. Nur wenige Meilen liegt das Looe Key Reservat, das letzte noch atmende Korallenriff der USA. Paradiesisch.

Doch im Paradies tropft auch Wehrmut. Einmal, weil man nicht wieder abreisen will. Zum anderen aber, weil man muss, denn Preise ab 700 U.S. Dollar pro Nacht strapazieren auf Dauer auch besser gepolsterte Reisekassen. Kritik an der Preispolitik werden die Macher von Palm Island geschickt zu kontern wissen: Get Lost!


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