Patencia. Geduld. Und einen
Euro. Hat man beides, ist man bestens gerüstet
für eine Flaniermeile ohne festen Boden. Für
eine romantisch-nostalgische Reise durch die Zeit. Seit
gut 100 Jahren bahnt sich die Linie 28 ihren Weg durch
die engen Gassen des alten Lissabons. Die meist quietschgelben
Wagons sind die Fossilien des Nahverkehrs. Eile mit
Weile ihr ungeschriebenes Motto. Stockend geht es voran,
von der Unterstadt (Baixa) hinauf in das maurisch inspirierte
Alfama, immer wieder lugt der Atlantik zwischen den
alten Gemäuern hervor. Oft ist es so eng, dass
man meint, gleich durch das Wohnzimmer, zumindest aber
durch die aufgehängte Wäsche der Anwohner
zu fahren. Irgendwann ist das schicke Chiado erreicht.
Danach Bairro Alto (die Oberstadt). Links und rechts
bleiben Basílica da Estrela und Kathedrale Sé
liegen. Am Cemitério dos Prazeres, dem Friedhof
der Freude, ist Endstation. Nicht alle kommen dort an.
Denn wenn es wieder einmal gar nicht weiter gehen will,
weil jemand sein Auto auf den Schienen geparkt hat,
was dann? Einfach abspringen. Aus einem der zahllosen
Cafés dringt sicher das süßliche Aroma
von Pasteis de Nata, diesen unwiderstehlichen Puddingtörtchen,
aufs Straßenpflaster. So viel Zeit muss sein.
Inzwischen macht sich Linie 28 auf und davon, doch schon
kurze Zeit später keucht die nächste Bahn
ratternd und bimmelnd um die Ecke.
Elevador Santa Justa & Bica do Sapato
45 Meter liegen zwischen Unter- und Oberstadt. Jedenfalls
senkrecht. Unermüdlich macht sich der Elevador
Santa Justo auf diesen Weg, der nur Augenblicke dauert.
Doch in dieser hundert Jahre alten schmiedeeisernen
Fahrstuhlkabine mit dem neo-gotischen Dekor wird der
kurze Moment zur kleinen Ewigkeit. Oben angekommen,
reicht der Blick bis weit über den Rio Tejo. Fast
bis zum berühmten Bica do Sapato, ein Restaurant
der Extraklasse, das sich an seinem Ufer in einem verglasten
Hafenspeicher angesiedelt hat. Miteigentümer John
Malkovich konnte sich anscheinend nicht auf die Küche
festlegen. So gibt es gleich drei: Bistro-Snacks, Sushi-Bar
und Gourmet Cuisine. Edel, lecker, teuer .. hingehen.
(Reservieren unter: 218 810 320)
Luis Figo
Flink am Ball und auch noch schön anzusehen. Bei
Fußballern eher die Ausnahme. Luis Figo ist so
eine. Der 31-jährige, bester Spieler Portugals,
kann es mit der Popularität David Beckhams aufnehmen
– zumindest im eigenen Land. Am 12.6. hat der
Star in Porto seinen ersten EM-Auftritt. Karten gibt
es keine mehr. Für die große weibliche Fangemeinde
bleibt da als Trost nur ein Trikot mit der Nummer 7.
Lagos
Praia Camilo an der Ponta da Piedade. Kann doch keiner
behalten. Jedenfalls nicht auf Anhieb. Gut, dass jemand
auf die Idee kam, Praia Camilo und Artverwandtes in
der Nähe auf den Namen Postkartenbuchten zu taufen.
Ein Blick genügt, man muss demjenigen zustimmen
– erst Recht, wer mehr als nur die Postkarte kennt.
Wenn man sich schon nicht jede diese herrlichen Buchten
merken mag, wenigstens bis Lagos an der Algarve sollte
man finden. Von dort ist es nicht mehr weit. Eine Armada
von Booten, einige von ihnen in bedenklichen Zuständen,
leistet erste Hilfe beim Erreichen der gelobten Fotomotive.
Die Überfahrt vergeht wie im Flug, vorbei an faszinierenden
Felsformationen und pittoresken Grottenlandschaften
warten die vielen versteckten Strände. Versuchen
Sie ein kleineres Boot zu erwischen, damit lässt
es sich direkt in die Grotten hineinfahren. Ach so,
wichtig: Wegzehrung nicht vergessen, die meisten dieser
Strände widerstanden Dank ihrer unzugänglichen
Lage der Besetzung durch Würstchenbuden und anderem
Imbisszauber. Allein das ist schon Grund genug, am nächsten
Tag erneut eine dieser Buchten anzusteuern. Natürlich
eine andere ...
Royal Golf Course
Sie haben 150 Euro und ein Handicap? Dann hin und abschlagen!
Auf dem Royal Golf Course in Vale do Lobo wartet das
16. Loch, das Sweet Sixteen - für jeden Hobbygolfer
ein Erlebnis. Für die Par 3 gleich ein paar Bälle
mehr einplanen, einige werden bestimmt an den Klippen
der Steilküste hängen bleiben und in den Atlantik
plumpsen, der weiter unten tost. (Näheres unter:
www.vdl.pt)
Markt in Loulé
Samstags ist Markttag. Angeblich seit 1291. Inzwischen
hat sich das auch herumgesprochen. So sehr, dass sich
das kleine Loulé an der Algarve, sonst touristisch
eher stiefmütterlich behandelt, Samstags einer
Invasion gegenübersieht. Alles drängt in die
hundert Jahre alte neo-maurische Markthalle. Und davor,
wenn es das Wetter erlaubt. Die alten Männer des
Ortes haben sich feingemacht, sie blicken als einzige
gelassen ins Geschehen. Über den Marktschreiern
erhebt sich ein flirrendes Stimmengewirr, getrocknete
Stockfische wechseln ihren Besitzer, kiloschwerer Bauchspeck
sucht Anschluss, eingelegte Oliven finden ein neues
Zuhause. Einfach mitbieten ...
Costa Nova
Streifen machen bekanntlich schlank. Fühlte sich
das quirlige Fischerdorf vielleicht etwas zu dick? Möglich.
Denn irgendwann begann Costa Nova, sich umziehen. Jemand
fing an, sein Häuschen mit bunten Streifen zu bemalen
und das Beispiel machte Schule. Der Strand hingegen
kommt in seiner ursprünglichen Farbe: Schneeweiß.
Dazu noch pulvrig-fein, kilometerlang und fast ebenso
breit. Im Frühling hat man ihn fast für sich
allein, im Sommer teilt man ihn sich meistens mit Einheimischen.
Belem
Früher, da stand er mitten im Rio Tejo. Der Torre
de Belém. Man sah ihn von weitem. Das architektonische
Symbol einer großen Seefahrernation, er leuchte
den eigenen Schiffen Heim und flößte den
feindlichen Respekt ein. Heute? Der Fluss entschloss
sich, sein Bett zu ändern und nun steht er fast
ein wenig verschämt am Ufer. Dafür ist er
nun prima zu Fuß zu erreichen.
Cafe a Brasileira & Mariza
Wer ins Café a Brasileira geht, und das muss
jeder, der sitzt bitteschön drinnen. Bestellt einen
Bica, die portugiesische Espressovariante, lehnt sich
zurück und lauscht dieser einmaligen Geräuschkulisse
aus Wortfetzen, Stühlerücken und dem Pfeifen
der alten Kaffeemaschinen. Draußen sitzen Touristen
und der Café ist teurer. Draußen aber weht
später auch Fado auf den Gehweg, jener typische
Gesang voller Wehmut und Sehnsucht. Mariza, der neue
Star am Fado-Himmel, füllt heute Konzerthallen
weltweit. Manchmal aber auch noch eine kleine Kneipe
in Mouraria, dem Stadtteil Lissabons, in dem Fado geboren
wurde. Wenn man nur wüsste, welche ....
Fatima Lopes
Ist Fatíma Lopes die wichtigste Modemacherin
Portugals? Schwer zu sagen. Auf jeden Fall ist die extravagante
Designerin geschäftig wie kaum eine zweite. Schräg,
schrill und laut, so kommen ihren Kollektionen auf den
wichtigen pret-a-porters daher. Ihre Schmuckkreation
ist ein Renner und die nebenbei vom Ex-Model gegründete
Modelagentur ebenfalls. Unbedingt einmal in Lissabons
Rua da Atalaia vorbeischauen, abends verwandelt sich
ihre Boutique in einen angesagten Club. (weiteres unter:
www.fatima-lopes.com)
Sheraton Porto
Rudi gewinnt! Jedenfalls bei der Quartiersauswahl.
Das neue 5-Sterne Sheraton ist die beste Adresse Portos.
Nicht nur für die Völler Elf. Highlights:
Der just komplettierte Spa-Bereich und die elegante
New Yorker Bar. An der trifft man bestimmt Olli Kahn,
sollte am 15.6. das Spiel gegen Holland in die Hose
gehen. (Infos unter: www.sheraton.com/porto).
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