“Ein neuer Hedonismus
– das ist es, was unser Jahrhundert braucht“.
Zeitgeistige Worte aus der Feder Oscar Wildes, auch
wenn höchst unwahrscheinlich ist, dass er das aktuelle
Millennium meinte. Sei es drum, den Machern des Shore
Clubs passte das Postulat des englischen Bonvivants
bestens ins Konzept, schließlich haben sie sich
augenfällig dem Lustprinzip verschrieben. Jedenfalls
dem Prinzip, mit Lust Geld auszugeben. Baukosten nördlich
der 150 Millionen Dollar Grenze sollen in dem wuchtigen,
gleichwohl – für amerikanische Verhältnisse
– dezenten Bettenpalast versickert sein. Herausgekommen
ist ein Juwel, das ein Klientel mit tiefen Taschen magisch
anzieht – von Rapper P. Diddy bis zur saudiarabischen
Königsfamilie.
Denn Architekt David Chipperfield – der Mann
zeichnet in Berlin verantwortlich für den Wiederaufbau
des Neuen Museums – ist ein eindrucksvoller Spagat
gelungen: Die perfekte Symbiose aus bestehender Art
Deco Substanz und modernem Neubau; wer die beiden ursprünglichen
Gebäude, den Original Shore Club aus dem Jahre
1949 und das zehn Jahre ältere Charleton nicht
kennt, wird Mühe haben, zu erkennen, was alt und
was neu ist. Besonders wenn er in die opulente Lobby
vordringt. Originaler, auf Hochglanz polierter Terrazoboden,
restaurierte Säulen und eine Skulptur aus Figuren,
die über dem Meer zu schweben scheinen, sind eine
Hommage an Vergangenes, schlanke, bonbonfarbene Lederbänke
und ein ausgeklügeltes Beleuchtungssystem setzen
moderne Akzente, die den Stil des Hauses widerspiegeln.
Der Stil? Minimalismus in Reinkultur. Flure in mexikanisch
grau-braunem Sandstein, die von Lichtsäulen matt
illuminiert werden. Weniger ist mehr, auch in den insgesamt
325 Zimmern. Feinstes italienisches Mobilar, großzügige
Bäder komponiert in einem Teak-Sandstein- Arrangement
und zahllose “Amenities“. Jene angenehmen
Extras, wie flauschige Bademäntel aus ägyptischer
Baumwolle und Toilettenartikel von Molton Brown, wohlsortierte
Mini-Bar und ein Entertainment-Einheit mit Video, Fax,
und Internet. Fertig ist ein unterkühltes, für
das beständig verschwitzte Miami Beach dennoch
perfektes Wohnambiente. Luxus, der natürlich seinen
Preis hat.
Fröhliche 500 Dollar hatten die Betreiber ursprünglich
aufgerufen, nicht etwa für eine Suite, sondern
für die unterste Zimmerkategorie. Da streikten
dann schnell auch solche, die es sich leisten konnten.
Ergebnis: das ambitionierte Gasthaus lief finanziell
flott auf Grund. Da half dann weder ein perfekter Spa-Bereich
noch so arrivierte Gastrotempel wie das angesagte In-House
Restaurant Nobu unter den Fittichen u.a. von Robert
de Niro. Inzwischen hat sich das Management besonnen,
holte sich mit dem Delano-Chef Ian Schrager einen wirklichen
Mann vom Fach an Bord und schwimmt nun wieder in ruhigerem
Fahrwasser. Schon bekommt man ein Zimmer für moderate
225 Dollar. In der Off-Season sicherlich auch darunter.
Schragers Touch zeigt sich aber vor allem jenseits der
reinen Unterbringung. Schließlich kommt der Gast
ja nicht nur zum Übernachten. So hat er fast den
gesamten Outdoor-Bereich zur Partyzone deklariert. Sky
Bar nennt sich die unangefochten größte Lounge
am Beach und zieht des nächtens die Karawane von
Miamis Finest an, die sich bei moderaten Cocktailpreisen
nicht zweimal bitten lässt.
Teuer bleibt es in einem der acht Cabanas, eines davon
mit eigenem Pool. Und beim dreistöckigen Penthouse,
ebenfalls mit eigenem Pool und con vista – 360
Grad freie Sicht auf Downtown, Strand und mehr –
gilt: Wir müssen draußenbleiben. Oder für
die üppigen 550 Quadratmeter schlanke 15.000 Dollar
hinblättern. Pro Nacht. Denn da hilft wahrscheinlich
auch Mr. Wilde nicht weiter, der behauptet: “Vergnügen,
Vergnügen! Was sonst sollte einen irgendwohin führen?
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