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Ein Hotel-Juwel fürs Lustprinzip (Handelsblatt 7/2003)
Küsten-Klub? Klingt kaum exklusiv. SHORE CLUB schon eher. Gut so, denn in Miami Beach besteht auf Dauer nur, wer neue Maßstäbe setzt. Und die Reisenden anzieht, die mit Freuden ihr Geld ausgeben.
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“Ein neuer Hedonismus – das ist es, was unser Jahrhundert braucht“. Zeitgeistige Worte aus der Feder Oscar Wildes, auch wenn höchst unwahrscheinlich ist, dass er das aktuelle Millennium meinte. Sei es drum, den Machern des Shore Clubs passte das Postulat des englischen Bonvivants bestens ins Konzept, schließlich haben sie sich augenfällig dem Lustprinzip verschrieben. Jedenfalls dem Prinzip, mit Lust Geld auszugeben. Baukosten nördlich der 150 Millionen Dollar Grenze sollen in dem wuchtigen, gleichwohl – für amerikanische Verhältnisse – dezenten Bettenpalast versickert sein. Herausgekommen ist ein Juwel, das ein Klientel mit tiefen Taschen magisch anzieht – von Rapper P. Diddy bis zur saudiarabischen Königsfamilie.

Denn Architekt David Chipperfield – der Mann zeichnet in Berlin verantwortlich für den Wiederaufbau des Neuen Museums – ist ein eindrucksvoller Spagat gelungen: Die perfekte Symbiose aus bestehender Art Deco Substanz und modernem Neubau; wer die beiden ursprünglichen Gebäude, den Original Shore Club aus dem Jahre 1949 und das zehn Jahre ältere Charleton nicht kennt, wird Mühe haben, zu erkennen, was alt und was neu ist. Besonders wenn er in die opulente Lobby vordringt. Originaler, auf Hochglanz polierter Terrazoboden, restaurierte Säulen und eine Skulptur aus Figuren, die über dem Meer zu schweben scheinen, sind eine Hommage an Vergangenes, schlanke, bonbonfarbene Lederbänke und ein ausgeklügeltes Beleuchtungssystem setzen moderne Akzente, die den Stil des Hauses widerspiegeln. Der Stil? Minimalismus in Reinkultur. Flure in mexikanisch grau-braunem Sandstein, die von Lichtsäulen matt illuminiert werden. Weniger ist mehr, auch in den insgesamt 325 Zimmern. Feinstes italienisches Mobilar, großzügige Bäder komponiert in einem Teak-Sandstein- Arrangement und zahllose “Amenities“. Jene angenehmen Extras, wie flauschige Bademäntel aus ägyptischer Baumwolle und Toilettenartikel von Molton Brown, wohlsortierte Mini-Bar und ein Entertainment-Einheit mit Video, Fax, und Internet. Fertig ist ein unterkühltes, für das beständig verschwitzte Miami Beach dennoch perfektes Wohnambiente. Luxus, der natürlich seinen Preis hat.

Fröhliche 500 Dollar hatten die Betreiber ursprünglich aufgerufen, nicht etwa für eine Suite, sondern für die unterste Zimmerkategorie. Da streikten dann schnell auch solche, die es sich leisten konnten. Ergebnis: das ambitionierte Gasthaus lief finanziell flott auf Grund. Da half dann weder ein perfekter Spa-Bereich noch so arrivierte Gastrotempel wie das angesagte In-House Restaurant Nobu unter den Fittichen u.a. von Robert de Niro. Inzwischen hat sich das Management besonnen, holte sich mit dem Delano-Chef Ian Schrager einen wirklichen Mann vom Fach an Bord und schwimmt nun wieder in ruhigerem Fahrwasser. Schon bekommt man ein Zimmer für moderate 225 Dollar. In der Off-Season sicherlich auch darunter. Schragers Touch zeigt sich aber vor allem jenseits der reinen Unterbringung. Schließlich kommt der Gast ja nicht nur zum Übernachten. So hat er fast den gesamten Outdoor-Bereich zur Partyzone deklariert. Sky Bar nennt sich die unangefochten größte Lounge am Beach und zieht des nächtens die Karawane von Miamis Finest an, die sich bei moderaten Cocktailpreisen nicht zweimal bitten lässt.

Teuer bleibt es in einem der acht Cabanas, eines davon mit eigenem Pool. Und beim dreistöckigen Penthouse, ebenfalls mit eigenem Pool und con vista – 360 Grad freie Sicht auf Downtown, Strand und mehr – gilt: Wir müssen draußenbleiben. Oder für die üppigen 550 Quadratmeter schlanke 15.000 Dollar hinblättern. Pro Nacht. Denn da hilft wahrscheinlich auch Mr. Wilde nicht weiter, der behauptet: “Vergnügen, Vergnügen! Was sonst sollte einen irgendwohin führen?



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